Wie nutzen Sie persönlich die modernen Technologien im Alltag?

Scheer: Ich bin kein übertriebener Nutzer. Die gesamten Grundlagen habe ich aber selbst erfahren. Ich war einer der ersten Studenten in Hamburg, die programmieren gelernt haben, durfte in den Rechnerraum, habe Bänder aufgespannt und an der Konsole gesessen. Diese Basiserfahrungen, die ich in meinem Leben sammeln konnte, halten lange vor, auch wenn die Technologiewellen sich ändern. Einmal einer Sache auf den Grund gegangen zu sein genügt, um die nächsten Wellen zu verstehen. Das ist vergleichbar mit einer Dissertation, für die man einmal im Leben einem wissenschaftlichen Problem auf den Grund geht. Seitdem habe ich versucht, mir ein grundlegendes Verständnis zu erhalten, aber nicht zuviel Handling-Zeit zu verschwenden. Man löst zu viele Scheinprobleme, wenn man eine Stunde lang alle Stecker rauszieht und wieder reinsteckt, bis alles wieder läuft – dann hat man zwar ein Erfolgserlebnis, aber auch eine Stunde verloren. Ich rufe lieber einen Assistenten an, der das für mich macht. Ich versuche also ein Gleichgewicht zu halten, zwischen dem, was mir die Technologie bringt, aber möglichst ohne mich einfangen zu lassen.

Kommen Sie auch gelegentlich dazu, ein Buch zu lesen? Können Sie vielleicht eins empfehlen?

Scheer: Ich lese nicht besonders viel, vor allem lese ich keine Romane. Das ist Leben aus zweiter Hand. Mein Leben ist interessant genug, dass ich selbst einen Roman schreiben könnte. Ich lese meist Biografien oder Sachbücher, allerdings selten ganz zu Ende. In der Regel lese ich nur 80 Prozent – den Rest kann ich mir dann denken. Kürzlich habe ich die Biografie von Eric Clapton gelesen, aber auch nur zu 90 Prozent. Die letzten zwei Jahre haben mich nicht mehr so stark interessiert wie Claptons Schilderungen seiner früheren Erlebnisse. Das Buch kann ich empfehlen. Interessant ist auch „Nachrichten aus einem unbekannten Universum: Eine Zeitreise durch die Meere“ von Frank Schätzing.

Sie sind passionierter Jazz-Saxofonist. Wann finden Sie eigentlich Zeit, Musik zu machen?

Scheer: Zeitmanagement ist so eine Sache. Computerprobleme kann ich delegieren, aber Musiküben muss ich selbst machen. Grundsätzlich sollte man sich auf die Dinge konzentrieren, die man nur selbst erledigen kann. Alles andere sollte man delegieren oder mit anderen zusammen bearbeiten.

Da ich gerne Saxofon spiele, nehme ich mir Zeit dafür. Wissenschaftliche Untersuchungen ergeben immer wieder eine positive Wirkung von Musik. Das kann ich nur bestätigen. Die Koordination zwischen intellektuellen Fähigkeiten, Emotionalität und Motorik sind Dinge, die einen fit halten können. Außerdem macht es unheimlich viel Spaß.

Herr Scheer, wir bedanken uns für dieses Gespräch.

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