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Welche Grenzen muss ein Frontend-Entwickler überwinden?

9 Gründe, warum das Frontend so anspruchsvoll ist wie das Backend

Kypriani Sinaris

©Shutterstock/igor.stevanovic

Kann man Frontend-Entwicklung mit Backend-Entwicklung vergleichen? Ja, findet Geoff Graham. In einem Blogpost macht der Web Designer seinem Ärger über unterschätzte Frontend-Arbeit Luft: Seiner Meinung nach umfasst die Arbeit von Frontend-Entwicklern weitaus mehr als ein bisschen HTML. Ein Entwickler des Frontends müsse mit vergleichbaren Herausforderungen kämpfen wie sein Kollege im Backend. Welche sind das?

In seinem Blogpost vergleicht Geoff Graham das Erlernen der Frontend-Entwicklung mit dem Lernen des Bass: Der Bass sei zwar leicht zu lernen, aber schwer zu beherrschen. Und so gäbe es viel mehr als nur HTML oder ein bisschen CSS, was der Frontend-Entwickler lernen müsse. Auf Reddit entfachte sein Post eine gewaltige Diskussion, in der sich aber vor allem Zustimmung für die Meinung des Entwicklers finden lässt. Die folgenden 9 Gründe sollen aufzeigen, warum auch Frontend-Entwicklung eben Entwicklung ist, nach dem Motto „JavaScript is front end development. JavaScript is programming. Programming is part of software development. Software development is hard”. Welche Grenzen muss ein Frontend-Entwickler überwinden?

1. Browser-Grenzen

Frontend-Entwickler müssen in ihrer Arbeit die Cross-Browser-Kompatibilität beachten. Wie Geoff Graham anmerkt, ist die Cross-Browser-Programmierung eine hochkomplexe Aufgabe in der Entwicklung, da jeder Browser mit eigenen Kniffen ausgestattet ist. Dabei würde von den „Frontendlern“ aber erwartet, dass sie für all diese Kniffe bereits die Lösung kennen. Mit diesem Punkt scheint Geoff Graham wohl auch bei den Programmierern auf Reddit Salz in die Wunde zu streuen: Der Kommentator ABC_AlwaysBeCoding geht dabei recht pragmatisch an die Sache heran:

Yeah but who wants to manually troubleshoot CSS rendering issues across different browsers? I sure as hell don’t. Which is why I pushed for backend dev.

2. Gerätegrenzen

Es gibt eine große Auswahl an verschiedenen Bildschirmgrößen. Und so müssen Frontend-Entwickler auch für die verschiedenen Anforderungen gewappnet sein. Ähnlich komplex wie die Cross-Browser-Kompatibilität ist auch die Programmierung für jede dieser Bildschirmgrößen mit Herausforderungen wie unterschiedlicher Pixel-Dichte, Input Types usw. verbunden und gehört zu den Aufgaben eines Frontend-Entwicklers.

3. Technische Grenzen

Wie Geoff Graham betont, sind Frontend-Entwickler dem täglichen Erscheinen neuer Frameworks, Libraries, Plug-ins und Co. „ausgesetzt“. Damit ginge eine viel größere Auswahl und damit Entscheidungsschwierigkeiten einher, als in der Backend-Entwicklung. Welche Library ist für das aktuelle Projekt die beste Wahl? Geoff Graham beschreibt die Auswahl an immer neuen Technologien als ermüdend und als immer schwerer werdenden Prozess, vor allem, wenn Entscheidungen auf lange Sicht getroffen werden müssen.

4. Disziplinäre Grenzen

Frontend-Entwickler seien die Vermittler zwischen Backend-Entwicklern, Visual Designern und anderen Disziplinen. So müssen sie nicht nur interdisziplinär vermitteln, sondern auch arbeiten: Ein WordPress-Entwickler sollte auch ein paar Kenntnisse in PHP aufweisen oder ein Frontend-Entwickler in einem Rails-Projekt sollte auch etwas über Ruby on Rails wissen, so Geoff Graham. Diese interdisziplinäre Herausforderung beschreiben auch Frontend-Entwickler auf Twitter, nachdem Geoff Graham sie über die Plattform bat, den Satz „Front end development is hard because___“ zu vervollständigen. So sagt Priyanka N Majumder:

You get confused between who you are – a programmer or a designer

Auch auf Reddit beschreibt der User barrypickles die Situation vieler Frontened-Entwickler, zum Teil auch das Wissen der anderen Expertengruppen beherrschen zu müssen.

A good front end developer is hard to find because a good front end developer is a designer, UX, and developer all in one.

5. Eigene Grenzen

Dies mag eine sehr persönliche Wahrnehmung Geoff Grahams sein: Jeder, wirklich jeder denke, er könne die Frontend-Entwicklung übernehmen. Die Hürde sei relative gering, denn jeder habe schon einmal von HTML gehört. Auf Twitter kommentiert Andrew League die Attitüde, mit der „Nicht-Frontendler“ an ihn herantreten:

it’s easy, make it like this..wait-now like this…ok now that we’re done, can we change everything to this? it’s easy…

Aber nur, weil das Frontend möglicherweise leichter zu erfassen scheint als das Backend, heißt das eben nicht, dass auch jedem die erfolgreiche Programmierung glückt, so Geoff Graham.

6. Kreative Grenzen

Das Benennen von Dingen kann eine gewaltige Herausforderung darstellen, JAXenter.de berichtete bereits über dieses Phänomen. Und auch Geoff Graham findet, dass dies zu den schwierigsten Aufgaben eines jeden Entwicklers gehört und zwar nicht nur im Backend, sondern auch im Frontend. Auch wenn es um Copywrite-Fragen ginge, wären die Entwickler des Frontends oft die erste Anlaufstelle. Das Benennen von Dingen sei eine tägliche Herausforderung des Jobs.

7. Korrektur-Grenzen

Im Backend scheint der Weg einfach: Wenn das eintritt, was man erwartet hat, dann war das Programmieren erfolgreich, so Geoff Graham. Auch wenn es hier mehrere Wege geben mag, die zum Ziel führen, seien diese doch im Vergleich zum Frontend überschaubar der Weg im Frontend sei dagegen quasi endlos. Auch wenn man meint, fertig zu sein, so gäbe es immer etwas zu fixen oder zu verändern. Die fehlende „Standard-Produktions-Pipeline“ für Frontend-Entwickler sei das Problem, findet Pelle Bjerkestrand auf Twitter. Eine streitbare Aussage, denn auch „Backendler“ kennen dieses Problem.

8. Testing-Grenzen

„CSS is very hard to test“ behauptet Geoff Graham. Viele Programmiersprachen des Backends könnten auf Unit- und Integration Tests zurückgreifen, um ihr Coding-Ziel zu erreichen. CSS habe diese Möglichkeit aber nicht, so würden scheinbar kleine Veränderungen schon zu Problemen führen, die erst auf den dritten oder vierten Blick entdeckt werden könnten, wenn überhaupt. Daher stünden Frontend-Entwickler vor der Herausforderung, stets den Überblick über das Projekt und jede gemachte Änderung zu haben, in Situationen, in denen andere Entwickler sich auf Testing-Methoden verlassen können.

9. Accessibility-Grenzen

Dem Bauen visuell sehr ansprechender Seiten steht meist die Accesibility der Seiten gegenüber. Die Art und Weise, wie Besucher der Seite mit selbiger interagieren, ist eine Disziplin für sich. Diese würden viele Frontend-Entwickler aber erst im Selbststudium erlernen, da Accessibility kein Teil der traditionellen Front-End-Ausbildung sei, so Geoff Graham. Gerade ein Design, welches besonderen Anforderungen unterliegt, wie beispielsweise die Entwicklung einer Seite für sehbehinderte Menschen, stelle eine besondere Herausforderung dar. Eine zusätzliche Herausforderung für die Frontend-Programmierung, findet der Blogger.

Fazit

Zugegeben: Der Blogpost ist natürlich subjektiv. Betrachtet man aber die Kommentare dazu, sowohl auf Twitter, Reddit, als auch innerhalb des Blogposts selbst, so scheint es zumindest keine Einzelmeinung zu sein. Zwischen technischen, kreativen und kommunikativen Herausforderungen müssen Frontend-Entwickler ihren Platz im Produktionsablauf finden. Anders als bei „Backendlern“ scheint sich dieser Platz von Projekt zu Projekt und von Unternehmen zu Unternehmen unterschiedlich darzustellen und die Programmieranforderungen unterschiedlich groß zu sein. Unterm Strich lässt sich also kaum sagen, ob der Beruf des Frontend-Entwicklers per se unterschätzt wird. Die simple Tautologie eines Kommentators fasst die Diskussion recht gut zusammen: “A developer is a developer is a developer. Different skills, same job.”

Aufmacherbild: Tug of war von Shutterstock / Urheberrecht: igor.stevanovic

Geschrieben von
Kypriani Sinaris
Kypriani Sinaris
Kypriani Sinaris studierte Kognitive Linguistik an der Goethe Universität Frankfurt am Main. Seit 2015 ist sie Redakteurin bei JAXenter und dem Java Magazin.
Kommentare

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1 Kommentar auf "9 Gründe, warum das Frontend so anspruchsvoll ist wie das Backend"

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Guter Artikel. Dazu kommt, dass frontendseitiges Javascript oft genauso anspruchsvoll ist wie backendseitige Sprachen. Spätestens seit angular und react.
Grüße Patrick