8 Tipps zur Arbeit mit Drittanbietern

Moritz Hoffmann

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Programmierer, so besagt ein gängiges Klischee, arbeiten am liebsten allein. Abgekapselt von der Außenwelt tüfteln sie an ihrem Projekt und verlassen ihre Homebase nur, wenn es absolut notwendig ist. Gerade aber im Berufsalltag ist es Gang und Gäbe, dass spezifische technische Erfordernisse nur mit Hilfe von Dritten umzusetzen sind. Mit eben jenen unverzichtbaren Partnern des Every Day Business, hat sich der Blogger Joshua Ganes auseinandergesetzt und kommt zu einer Reihe von Ratschlägen, die Entwickler im Umgang mit Third Parties beachten sollten.

Wie kann ich meine Software von Anfang bis Ende, ohne Störfeuer und unnötige Kommunikation in Ruhe bauen? Der übliche Grundsatz des Programmierens lautet nicht zuletzt zu diesem Zweck zumeist: „Avoid Dependencies“. Als bloße Parole, davon ist Joshua Ganes überzeugt, hilft das im Real-World-Einsatz aber nicht unbedingt weiter. Ob Open-Source oder kommerziell, die Software-Entwicklung selbst fußt auf Kooperation und Kommunikation und ohnehin ist ja klar:

no man is an island

So kann es zum einen auch in privaten Projekten zu nicht vorhergesehenen Bugs kommen, wenn bspw. Library-Probleme nur unter Anleitung des Providers zu lösen sind. Und auch im Job ist das Einigeln in der eigenen Software kaum möglich, wenn vom Auftraggeber neue Features und Technologien angefordert werden. Beispielsweise ist der Kontakt mit Drittanbietern unerlässlich, wenn ein Interface zwischen der eigenen Software und einem Third Party-Tool erstellt werden soll. Ganes hat in seiner Karriere mit einer ganzen Reihe von Drittanbietern zu tun gehabt und weiß, was dabei zu beachten ist:

1. Kenne die Dependencies
Dependencies sind selten ganz zu vermeiden. Wichtig ist in diesem Fall, dass man sie genau kennt. Nur eine exakte und am besten Test-gestützte Analyse der Bugs und Softwareschwächen schützt vor einem ausufernden Kommunikationswust. Denn entscheidend ist, den technischen und zeitlichen Aufwand zur Fehlerbehebung genau einschätzen zu können.

2. Kenne dein Projekt:
Ausgehend von der Analyse des vorliegenden Problems muss die eventuell notwendige Kommunikation mit Drittparteien geplant und diskutiert werden. Welche Auswirkungen gibt es auf das Gesamtprojekt? Muss der Zeitplan angepasst, Verantwortlichkeiten neu verteilt werden? Und gibt es Alternativen? Auch in diesem Punkt geht es nicht um das Dass, sondern um das Wie: „Try to understand the expected flow of communications between both parties.”

3. Kenne das Risiko:
Bedenke, dass das Entwicklerteam des Drittanbieters mehr als nur einen Bug zu fixen hat und das jeder einzelne seine Zeit in Anspruch nimmt. Bedenke zudem, dass auch die third-party-Entwickler einem produzierenden Unternehmen angehören und dessen Wunsch nach Neuentwicklungen jederzeit mit dem Bugfixing auszubalancieren haben. Erst nach einiger Zeit kann hier eine Einschätzung des Zeitrahmen, aber auch der grundsätzlichen Fähigkeit zur Problemlösung getroffen werden: „After working through a few issues with a contact, you will quickly develop an opinion of their competence. This can be used in further risk assessment.“

4. Kontinuierliches Bug-Reporting
In der Behebung von Fehlern ist Schnelligkeit Trumpf. Sicher aber ist diese nicht gewährleistet, wenn man zuerst ein rießiges Bug-Paket schnürt, an dem sich der Drittanbieter Brocken für Brocken abzuarbeiten hat. Hier gilt der Leitsatz: „As soon as an issue is discovered, take time to understand the problem in reasonable detail and communicate it as soon as possible.” Damit gewinnen sowohl Empfänger als auch Auftraggeber Zeit. Die einen, um sich gezielt mit dem Problem auseinanderzusetzen und den schnellsten Lösungsweg zu beschreiten, die anderen, um sich der Arbeit an weiteren Features zu widmen.

5. Kontinuierliche Kommunikation
Ist der Erstauftrag einmal raus, beginnt der Kommunikationsfluss, der nur dann effektiv sein kann, wenn keine langen Pausen entstehen. Hier geht es um die Garantie von Transparenz in jedem Arbeitsschritt. Damit können unnötige Erinnerungs-Emails sowie Wiederholungen und Kommunikationsschleifen vermieden werden.

6. Kenne dein Gegenüber
Heißt in diesem Falle: Dein Gegenüber ist auch nur ein Mensch, der mit Respekt und mit einem hohen Maß an Professionalität behandelt werden will. Wie immer macht auch hier der Ton die Musik. Anklagen, Vorwürfe oder Beschuldigungen gehen fast immer am Gegenstand, dem gemeinsam zu lösenden Problem, vorbei.

7. Kenne die Grenzen
Verschweige aber auch nicht, wenn etwas nicht funktioniert oder wenn plötzlich Funkstille herrscht: „Never hesitate to follow up if a written deadline or estimate is missed. Your goal, again, is not to accuse, but to make sure you are fully informed and kept up to date.” Im Falle des Falles, so rät Ganes, ist eine Eskalation des Kommunikationsprozesses nicht zu vermeiden. Dann – und nur dann – will sie aber auch gewinnbringend , d.h. abermals mit Respekt und Professionalität gestaltet sein. Wenn nichts mehr vorangeht, wenn niemand auf deine Anfragen reagiert, kann schon ein entschiedener Telefonanruf ausreichen, um die Dinge wieder ins Lot zu bringen.

8. Kenne die Alternativen
Wenn der entscheidende Bugfix einfach nicht zustande kommen will, kann es oft besser sein, mit einer Übergangslösung zu leben, als monatelang mit einer fehlerhaften Software zu hantieren. Hier gewinnen wieder Tipp 1 und 2 an Relevanz. Manchmal kann dieser Schritt einen Knoten platzen lassen, wie Ganes aus eigener Erfahrung berichtet: „On a personal note, while this option is often the best business decision, it often feel like an enabler. We just let the bug continue to fester and bend over backwards to get past it rather than correcting it at its source.

Natürlich gibt es solche und solche Drittanbieter. Einige arbeiten schnell, kommunikativ und bieten kompetente Hilfe im richtigen Moment. Andere ziehen die Kommunikation in die Länge und liefern schleppend oder gar nicht. Grundsätzlich empfiehlt Ganes, sich im Umgang mit Drittanbietern auf sein Gefühl zu verlassen. Zwar zählt auch der erste Eindruck, aber erst nachdem ein Paar Arbeitsschritte zusammen gegangen wurden, kann dieser bestätigt oder widerlegt werden. Gestaltet sich die erste Kontaktaufnahme positiv, kann man zwar nicht immer einer ausgezeichneten Kommunikation entgegensehen. Ist der erste Eindruck aber schon getrübt, sind die Chancen auf eine gute, dauerhafte Zusammenarbeit schlecht.

Aufmacherbild: Business People Corporate Cityscape Seminar Conference Presentation Concept von Shutterstock.com / Urheberrecht: stroker

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Moritz Hoffmann
Moritz Hoffmann
Moritz Hoffmann hat an der Goethe Universität Soziologie sowie Buch- und Medienpraxis studiert. Er lebt seit acht Jahren in Frankfurt am Main und arbeitet in der Redaktion von Software und Support Media.
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