7 Karrierefehler, die jeder Programmierer einmal macht (?)

Michael Thomas

© Shutterstock.com/ maraga

Als Karriereberater bekommt der Blogger John Sonmez nach eigener Aussage bestimmte Probleme und Fallstricke, mit denen Programmierer im Laufe ihrer Karriere konfrontiert werden, in schöner Regelmäßigkeit zu hören. Die 7 häufigsten hat er nun auf seinem Blog zusammengestellt – inklusive Tipps, wie man diesen begegnen kann.

1. Kein klares Ziel vor Augen haben

Eine vage Idee davon, was man in einem ebenfalls vagen Zeitraum erreichen möchte, ist einer geordneten Karriere nicht gerade zuträglich. Um nicht – mitunter Jahrzehnte – auf der Stelle zu treten, empfiehlt Sonmez daher, sich Etappenziele zu stecken, die in einem überschaubaren Zeitraum erreicht werden können. Nach Erreichen des jeweiligen Zwischenziels sollte man sich unmittelbar ein neues vornehmen. Am besten, so Sonmez weiter, hält man sein gegenwärtiges Ziel schriftlich fest und platziert es an einem Ort, an dem man es täglich zu Gesicht bekommt.

2. Nichts in nicht-technische bzw. Soft-Skills investieren

Sonmez berichtet, dass er im Laufe der Jahre zahlreiche Programmierer kennenlernte, deren technisches Wissen dem seinen zwar weit überlegen war. In Punkto Beförderungen, Verantwortung oder Bezahlung hinkten sie ihm jedoch hinterher. Sonmez‘ Erklärung dafür: Als Softwareentwickler geht es eben nicht nur darum, Code zu liefern, sondern es zählen auch andere Tugenden – die berühmt-berüchtigten Soft Skills. Dazu zählt Sonmez neben zwischenmenschlichen Kompetenzen auch mentale Stabilität, Fokussierung und Selbstmotivation in stressigen Situationen, die Fähigkeit, Priorisierungen vornehmen zu können, sowie nicht zuletzt auch körperliche Fitness/Gesundheit (nicht unbedingt ein Soft Skill, aber trotzdem wichtig) und Scharfsinn in finanziellen Angelegenheiten.

3. Kein Teil der Community sein

Eine Community verleiht nicht nur ein Gefühl des Zusammenhalts: Der gegenseitige Austausch bietet auch zahlreiche Gelegenheiten, die eigenen Fähigkeiten zu schärfen. Außerdem stellt die Mitgliedschaft in einer Community Sonmez zufolge eine der besten Möglichkeiten dar, (berufliche) Kontakte unter Gleichgesinnten zu knüpfen. Real-Life-Events wie Meetups oder Code Camps eignen sich dafür ebenso wie virtuelle Communities in Form von Blogs, Foren oder Chatkanälen. Auch das Betreiben eines eigenen Blogs empfiehlt Sonmez, stellte diese Art der Beteiligung doch seinen eigenen Einstieg in die Community dar.

4. Sich nicht spezialisieren

Das Thema „Spezialisierung“ stellt eine von Sonmez‘ größten Herzensangelegenheiten dar. Zwar sollte man über eine möglichst breite Wissensbasis verfügen, sich eine Nische zu suchen und es in dieser zur Meisterschaft zu bringen ebnet ihm zufolge den Weg zu hohen Gehältern bzw. Stundensätzen jedoch am zuverlässigsten. Außerdem, so Sonmez weiter, verleiht einem der Umstand, ein gefragter Spezialist zu sein, ein gewisses Gefühl der Befriedigung.

5. Nicht in die persönliche Marke investieren

Ist man nicht gerade auf der Flucht vor dem Gesetz, behält man seinen Namen in der Regel ein Leben lang. Sonmez empfiehlt daher, um den eigenen Namen herum eine persönliche Marke aufzubauen – einen Schritt, den seiner Erfahrung nach interessanterweise die wenigsten Programmierer gehen. Ein Fehler, wie Sonmez findet, denn diese Marke kann einen äußerst wertvollen Aktivposten darstellen: Ein guter Ruf öffnet Tür und Tor und stellt einen Garant für Berufs- und Beschäftigungssicherheit dar. Zum Markenaufbau bietet sich Sonmez zufolge, wie auch schon beim Einstieg in die Community, ein eigener Blog an. Auch die bereits erwähnte Spezialisierung kommt hier erneut zum Zuge. Als weitere Anstöße sind die Produktion eigener Videos oder Podcasts zu nennen.

6. Nicht an Nebenprojekten arbeiten

Ein Nebenprojekt bietet laut Sonmez zahlreiche Vorteile – manche mehr, manche weniger offensichtlich. Insbesondere dann, wenn man im Rahmen seines regulären Jobs nicht dazu kommt, kann man auf diesem Wege die eigenen Fertigkeiten schärfen bzw. Kenntnisse über neue Technologien gewinnen. Ganz abgesehen davon, dass selbst gewählte Projekte Spaß machen, können sie die Quelle zusätzlichen Einkommens sein oder im besten Falle gar zur (profitablen) Hauptbeschäftigung mutieren.

7. Sich nicht weiterbilden

In Zeiten des Lebenslangen Lernens schon fast ein Allgemeinplatz: Gerade Branchen wie die Softwareentwicklung, die von einem stetigen, raschen Wandel gekennzeichnet sind, machen eine Breitschaft zur persönlichen Weiterbildung praktisch unumgänglich. Interessanterweise scheinen Sonmez‘ Erfahrungen zufolge jedoch viele Programmierer keinerlei Planung in diese Richtung zu betreiben. Sein Tipp: Lesen! Ein Fachbuch pro Monat ist ein guter Anfang. Selbst wenn man nicht viel Zeit erübrigen kann, sollte man sich nicht entmutigen lassen: Denn auch kleine Informationshappen addieren sich mit der Zeit und können langfristigen einen gewaltigen Unterschied ausmachen.

Aufmacherbild: Off target from the point. von Shutterstock / Urheberrecht: maraga

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Michael Thomas
Michael Thomas
Michael Thomas studierte Erziehungswissenschaft an der Johannes Gutenberg-Universität Mainz und arbeitet seit 2013 als Freelance-Autor bei JAXenter.de. Kontakt: mthomas[at]sandsmedia.com
Kommentare

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2 Kommentare auf "7 Karrierefehler, die jeder Programmierer einmal macht (?)"

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Torsten
Gast
Das hört sich alles ganz wundervoll an, aber leider macht er keine Vorschläge wie das zeitlich in der Praxis funktionieren soll. Weiterbildung und Nebenprojekten kann man abwechselnt betreiben. Aber Job, Bloggen, Engagement in der Comunity sind Dinge die kontinuierlich Zeit erfordern. Und mit „ich lese ein Buch pro Monat“ ist es auch nicht getan. Wenn man dass was man liest nicht anwendet / ausprobiert wird einem das Lesen des Buches nicht sehr viel bringen. Wie er so schön am Ende seines Blog-Eintrages über den Eintrag selbst schreibt „So, don’t just read this article and nod your head, instead take action—today.“… Read more »
Matthias
Gast

Hallo Torsten!

Ich bin da komplett bei dir! Die Tipps anzuwenden ist meiner Meinung nach für einen „normalen“ Menschen nicht möglich. Ich versuche auch an kleinen Hobby-Projekten zu arbeiten, einfach um auch mal über den Tellerrand hinauszublicken und mal andere Technologien/Frameworks kennenzulernen. Aber oft ist da Abends überhaupt keine Zeit für. Da geht dann auch schnell die Motivation flöten, wenn man nach vielen Tagen/Wochen das Projekt wieder öffnet.

Zum Thema Weiterbildung: Auf jeden Fall, sollte bzw. muss man machen. Aber welche Bereiche bitte? Ein komplett neues Thema anzulernen ist schwer wenn man es dann nicht weiter benutzen kann (bspw. im Unternehmen).