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7 Gründe, warum die IT ein schlechtes Image besitzt

Jan Weddehage

© Shutterstock / Oleksiy Mark

Obwohl die Berufsaussichten in der IT-Welt ungebrochen rosig sind und heute nahezu jeder von modernen Technologien profitiert, besitzt die Branche nicht immer den besten Ruf. Sieben Gründe, warum das so ist.

Vielleicht kennen Sie das: Sie werden nach ihrem Beruf gefragt, und nach ihrer Antwort „Software-Entwickler“ gleich ein wenig belächelt. Sofort sind beim Gegenüber Schubladen wie „Nerd“, „Unreifer Technik-Freak“, „Primitivkultur-Verehrer“ – aber auch „Gutbezahlter Dienstleister“ oder gar „Wirtschaftsopportunist“ aufgegangen.

Warum kommt der IT-Bereich bei vielen eigentlich so schlecht weg? In der Regel profitieren die meisten doch von modernen Informationstechnologien. Sie machen täglich anfallende Aufgaben und Probleme einfacher und sorgen für ein komfortables Leben. Durch technische Innovationen, wie etwa die Einführung mobiler Endgeräte, liegt nahezu jeder Wunsch nur noch einen Klick entfernt.

Doch insbesondere auf beruflicher Ebene hat die IT seit Jahren mit einer negativen Außenwahrnehmung zu kämpfen. Das ist in Zeiten prekärer Arbeitsverhältnisse und wiederkehrender Finanzkrisen insofern verwunderlich, da gerade der IT-Sektor mit hohen Gehältern und sehr guten Zukunftsperspektiven aufwarten kann. Sieben Gründe, die das schlechte Standing der Informations- und Datenverarbeitung sowohl im alltäglichen Leben als auch in der Berufswelt erklären, hat Vladislav Chernov in seinem Artikel auf DZone zusammengetragen.

1. Permanentes Lernen

Bereits 2004 betonte das Bundesministerium für Bildung und Forschung den positiven Einfluss des lebenslangen Lernens auf den sozialen Zusammenhalt der Gesellschaft. Lernen ist wichtig, um sich beispielsweise neue berufliche Möglichkeiten zu eröffnen. Altes Wissen kann derart Schritt für Schritt durch neue Fähigkeiten ergänzt werden. In der IT ist das anders. Permanentes Lernen ist nicht bloß eine Option unter anderen, sondern eine notwendige Voraussetzung, um in diesem Bereich überhaupt bestehen zu können.

Was heute aktuell ist, kann morgen schon wieder veraltet sein. Das Arbeiten im IT-Sektor ist ein iterativer Prozess, der beständig Anpassungsleistungen von den Betroffenen fordert. Die Schleife steht nie still: Lernen, Implementieren, Testen … und das Gleiche wieder von vorne – eine Sisyphusarbeit. Und nicht jeder hat Lust, den Stein immer wieder den Berg hochzurollen.

2. Fordernde Aufgaben

Mit Blick auf die berufliche Selbstverwirklichung und individuelle Selbstoptimierung sind fordernde Aufgaben ein zweischneidiges Schwert. Zum einen tragen sie einen großen Anteil daran, dass die IT-Branche in den letzten Jahrzehnten so stark gewachsen ist. Zum anderen sind sie aber auch der Grund, warum der IT-Welt nach anfänglicher Euphorie nun häufig enttäuscht der Rücken zugekehrt wird.

Komplexe Arbeiten tragen zwar zur persönlichen Entwicklung bei, können aber gleichzeitig starke Frustrationserfahrungen hervorrufen. Nicht selten verlieren sich Entwickler in anspruchsvollen Projekten und opfern bereitwillig ihre gesamte Freizeit. Dieser negative Einfluss auf das private Leben ist für viele ein absolutes No-Go.

3. Ständige Marktveränderungen

Die Voraussetzung, sein Wissen beständig durch fordernde Aufgaben erweitern zu müssen, hängt nicht zuletzt damit zusammen, dass der IT-Bereich ständigen Marktveränderungen ausgesetzt ist. Das Problem hierbei: die Veränderungen sind hausgemacht. Denn die Informationstechnologiebranche bringt eine Vielzahl großer Märkte in Eigenleistung hervor: Web, Mobile, Games, Big Data, Virtual Reality oder Roboter sind nur einige Beispiele.

Lesen Sie auch: Jeden Tag eine neue Technologie: Wie mit der Innovationsflut umgehen?

Die große Vielfalt ist Fluch und Segen zugleich. Sorgt sie einerseits für beständiges Wachstum, ist sie andererseits für eine um sich greifende Unsicherheit verantwortlich. Sehen die Märkte auf den ersten Blick relativ gleich aus, wird bei genauerer Analyse klar, dass sie nicht nur unterschiedliche Skills, sondern ebenso spezialisiertes Wissen voraussetzen. Die Einstiegshürden sind anfangs also enorm hoch. Hinzu kommt, dass durch die ständigen Marktveränderungen nicht sicher vorausgesagt werden kann, welcher Sektor dauerhaft profitabel sein wird.

4. Unprofessionalität

Ein weiteres Manko des rasanten Aufstiegs der Informations- und Datenverarbeitungsbranche, die mittlerweile auf nahezu jeden Markt- und Geschäftszweig übergreift, ist der Mangel an geschultem Personal. Da mehr Fachkräfte benötigt werden als zur Verfügung stehen, werden oftmals Personen in Positionen eingesetzt, für die sie nicht das nötige Know-how besitzen. Abläufe und Entscheidungen wirken deshalb oftmals sehr chaotisch oder unüberlegt. Dies trägt zu einer negativen Außenwahrnehmung bei, da ein gewisser Level an Professionalität in der Arbeitswelt begrüßt wird (das bedeutet aber nicht, dass die gesamte IT-Branche per se unprofessionell ist).

5. Monopolbildung

Das Phänomen der Monopolbildung ist älter als der IT-Sektor. Allerdings war der Einfluss von Unternehmen, wie Facebook, Amazon und Google, selten so groß und allumfassend wie heute. Neue Geschäftsideen oder vielversprechende Startups werden mithilfe üppiger Finanzmittel massenhaft aufgekauft. Sollte sich dann herausstellen, dass sich die Neuerwerbung doch nicht in das eigene Portfolio integrieren lässt, wird sie links liegen gelassen und nach der nächsten Investitionsmöglichkeit Ausschau gehalten. Nichtsdestotrotz wirkt sich die Marktmacht insgesamt positiv auf die Finanzierung innovativer Produkte aus; sie hinterlässt bei vielen jedoch ein gewisses Unbehagen.

6. „Allmachtsfantasien“

Das Unbehagen gegenüber der Monopolbildung wird durch eine weitere Tendenz in der IT-Welt bestärkt: Rechtliche Regelungen und nationale Regierungen werden meist als ein Hindernis bei der Erfüllung der eigenen Unternehmensziele wahrgenommen. Dieser Punkt wird nicht gerne zugegeben; er ist aber nur schwer von der Hand zu weisen. Beschränkungen und bürokratische Abläufe sind nicht allein der Führungsetage, sondern gleichsam vielen Mitarbeitern ein Dorn im Auge. Sie werden als Eingriffe gewertet, die das eigene Arbeiten erschweren. Dass staatliche Vorgaben und rechtliche Beschränkungen auch einen gesellschaftlichen Zweck erfüllen, findet oftmals nicht genügend Berücksichtigung.

7. Technologien machen das Leben nicht nur leichter

Neue Technologien haben das alltägliche Leben in vielen Bereichen deutlicher einfacher gemacht. Allerdings besitzen die Neuerungen einen gewissen Preis, den nicht jeder bereit ist zu zahlen – er ist für manche schlicht zu hoch. Sie beklagen sich über den negativen Einfluss mobiler Endgeräte auf die zwischenmenschliche Kommunikation und monieren die Veränderung des Sozialverhaltens durch Social-Media-Dienste. Daneben haben Plattformen wie Wikileaks dazu beigetragen, dass die Angst vor einer kompletten Überwachung des Privatlebens durch moderne Technologien mittlerweile als reale Bedrohung wahrgenommen wird. Ferner besitzt die Technologisierung ebenfalls folgenschwere Konsequenzen für das leibliche Wohl. Insbesondere die Automatisierung unqualifizierter Arbeiten wird von vielen als Bedrohung ihrer Existenzgrundlage wahrgenommen.

Aufmacherbild: Modern interior of server room via Shutterstock / Urheberrecht: Oleksiy Mark

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Jan Weddehage
Jan Weddehage
Jan Weddehage studiert an der Goethe Universität Frankfurt am Main und arbeitet seit März 2015 als Werkstudent bei Software & Support. Kontakt: jan[at]janweddehage.de
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