Java 13 im Experten-Check

7 Experten – 7 Meinungen: Was haltet ihr von den halbjährlichen Java Releases?

Dominik Mohilo

© Shutterstock / Pavel L Photo and Video (modifiziert

Mit Java 13 ist bereits das dritte Release nach dem neuen Veröffentlichungsschema erschienen. Wir haben in die Community hineingehorcht und uns mit einigen ausgesuchten Java-Profis über unsere liebste Programmiersprache unterhalten. Im zweiten Teil unseres Java-13-Experten-Checks sprachen wir mit Michael Simons, Tim Riemer, Michael Vitz, Sandra Parsick, Christian Schneider, Tim Zöller und Hendrik Ebbers über ihre Meinung zur halbjährlichen Release-Kadenz von Java.

Java 13 ist zwar im Hinblick auf neue Features kein großes Release, was bekanntermaßen der neuen halbjährlichen Release-Kadenz geschuldet ist, hat aber einige Features an Bord, die sich sehen lassen können. Somit ist die Befürchtung, die 13 stehe auch im Java-Umfeld für Pech, sehr klar entkräftet. Wie bereits Java 12, erschien auch Java 13 pünktlich zum angekündigten Zeitpunkt. Ein Umstand, der ebenfalls auf den verkürzten Release-Zyklus zurückzuführen ist: Durch die schnelleren Releases gibt es keinerlei Grund mehr, die Veröffentlichung einer neuen Version zu verschieben, um ein bestimmtes Feature noch mitliefern zu können.

Unsere Java-Experten

Michael Simons – Software Engineer bei Neo4j & Java Champion

Tim Riemer – Principal Architect Cookidoo bei Vorwerk & mehr als 20 Jahre Java-Erfahrung

Michael Vitz – Senior Consultant bei INNOQ & mehrjährige Erfahrung in der Entwicklung, Wartung und im Betrieb von Anwendungen auf der JVM

Sandra Parsick – Freiberufliche Softwareentwicklerin und Consultant im Java-Umfeld

Christian Schneider – Computer Scientist im Adobe-Eperience-Manager-Team & spezialisiert auf OSGi, Content Distribution und Kubernetes

Tim Zöller – IT Consultant bei der ilum:e informatik AG in Mainz & Mitgründer der JUG Mainz

Hendrik Ebbers – Java-Entwickler bei der Karakun AG & Java Champion

Während etliche Projekte wie Valhalla, Amber oder Skara noch im Entstehen begriffen sind, brachte man für Java 13 fünf neue JEPs durch den Java Community Process: JEP 350 (Dynamic CDS Archives), JEP 351 (ZGC: Uncommit Unused Memory), 353 (Reimplement the Legacy Socket API), JEP 354 (Switch Expressions) und JEP 355 (Text Blocks). Eine hübsche Übersicht gibt es in Form unserer kostenlosen Infografik zum Release. Eine offizielle Stimme zum aktuellen Release gab es bereits in der Pressemitteilung: Georges Saab, Vice President of Development, Java Platform bei Oracle, schrieb die folgenden Zeilen.

The JDK 13 release is the result of industry-wide development involving open review, weekly builds and extensive collaboration between Oracle engineers and members of the worldwide Java developer community via the OpenJDK Community and the JCP. The goal is always to make the latest innovation in the Java SE Platform and the JDK easily accessible to developers globally. We invite the community to share their experience with Java SE 13, and continue to contribute and help make Java even better in future releases.

Wir haben in die Community hineingehorcht und uns mit einigen ausgesuchten Java-Profis unterhalten. Im ersten Teil unseres Java-13-Experten-Checks sprachen wir mit Michael Simons, Tim Riemer, Michael Vitz, Sandra Parsick, Christian Schneider, Tim Zöller und Hendrik Ebbers über ihre Highlights der aktuellen Java-Version. Im zweiten Teil geht es nun um ihre Meinung zur halbjährlichen Release-Kadenz von Java.

7 Experten sprechen Klartext: JDK Releases alle 6 Monate – yay or nay?!

Michael Simons: Als Library-Entwickler würde ich gerne viele der neuen Features nutzen, bin aber mehr oder weniger zur JDK-8-Kompatibilität gezwungen. Enterprise ist eine andere Welt. Ansonsten bauen wir mit und testen gegen aktuelle JDK Releases.

Tim Riemer: Durch den verkürzten Release-Zyklus sind natürlich keine wirklichen „Revolutionen“, wie z.B. Lambdas in Java 8, mit einem neuen Release zu erwarten. Dafür hat es den Vorteil, dass es eher einer Evolution der Sprache gleichkommt und somit ein Versionswechsel der Java Runtime schmerzfreier vonstatten geht. Zudem bieten die Feature Previews nun den Vorteil, breiteres Feedback einzuholen und vielleicht im nächsten Release einfließen zu lassen. Ich persönlich bin bei der Häufigkeit der Releases entspannt. In Produktion laufen unsere Java-basierten Services aktuell auf OpenJDK 11 und OpenJDK 12.

Michael Vitz: Prinzipiell finde ich es gut, dass es nun häufiger ein JDK Release gibt. Anstatt mehrere Jahre zu warten und dann unzählige neue Features zu bekommen, habe ich so die Möglichkeit, regelmäßig die neuen Features auszuprobieren. Dies macht auch erst das Konzept von Preview Features, also Features, die bewusst noch nicht ganz rund sind, möglich. Andererseits hat dies jedoch auch zu einer größeren Fragmentierung der Versionen geführt. Viele meiner Kunden sind noch auf JDK 8 geblieben, was wohl primär am mit JDK 9 eingeführten Modulsystem liegt. Langsam traut sich aber der eine oder andere, auf JDK 11 umzusteigen, um damit ein Release mit Long-Term Support zu nutzen. Ich bin gespannt, ob sich das in Zukunft noch weiter ändern wird, und mir auch Releases zwischen zwei LTS-Versionen im Projektalltag begegnen werden.

Sandra Parsick: Die neue Release-Politik hat auf meinen Arbeitsalltag keinen Einfluss. Die meisten meiner Kunden nutzen nach wie vor Java 8 und kämpfen mit dem Umstieg auf Java 11. Neue Projekte starten meist mit Java 11, da es die aktuelle LTS-Version ist. Die neueste Java-Version nutze ich nur in meinen Hobby-Projekten.

Christian Schneider: Ich behalte die neuen Versionen von Java immer im Auge und experimentiere hier und da mit den neuen Features. Für die tatsächliche Entwicklung kompilieren und testen wir mit den neueren Versionen, beschränken uns aber selbst auf das Feature-Set von Java 8. Ich sehe aktuell zudem keine wirkliche Notwendigkeit für die neuesten Funktionen: Manche sind ganz nett, aber sie machen den Umstieg auf eine neuere Java-Version eher nicht obligatorisch.

Tim Zöller: Wir versuchen, unsere internen, eigenen Entwicklungen immer auf die jeweils aktuellen Versionen zu setzen – bei den jüngeren Versionen bedeutet dies ja in der Regel wenig Aufwand. In Kundenprojekten haben wir allerdings meistens immer noch mit Java 8 zu tun, da hält sich, meiner Erfahrung nach, die Migrationsfreudigkeit in Grenzen. Da sind wir oft noch bei der unternehmensweit als Standard definierten Java-Version, welche zwingend genutzt werden muss.

Hendrik Ebbers: Ich finde den neuen Release Train von Java super und denke, dass es die richtig Entscheidung war. Innovation lässt sich hierdurch deutlich einfacher umsetzten und Features können über mehrere Java-Versionen „reifen“. Die Entscheidung, wie man innerhalb eines Projektes mit dem Releasezyklus umgeht, hängt sicherlich sehr stark vom Projekt und den daran arbeiten Entwicklern bzw. der Firmenkultur ab. Ich arbeite momentan an einigen kleinen Projekten, bei denen ein Wechsel alle 6 Monate Sinn ergibt. Da viele der Projekte aber auch erst jetzt mit dieser Strategie starten, wird die Zukunft zeigen, wie gut ein solches Vorgehen umgesetzt werden kann.

Zusätzlich arbeite ich bei Kunden an verschiedenen Projekten, die bereits einige Jahre an Entwicklung bzw. Wartung auf dem Buckel haben. Hier ist eine Migration alle 6 Monate oft einfach nicht realistisch. Aber genau hierfür gibt es ja die LTS Releases von Java. Die meisten dieser Projekte sind mittlerweile auf Java 11 oder mitten in der Migration zu 11. Da ein Großteil der Firmen bei einem Java Distributor wie Oracle oder Bellsoft bereits kommerziellen Support für Java beziehen, nutzen sie die von den Distributoren bereitgestellten LTS-Versionen. Viele Firmen haben aber auch auf AdoptOpenJDK gewechselt und beziehen hierüber kostenlos LTS-Versionen, da AdoptOpenJDK sowohl für Java 8 als auch 11 freie Updates bereitstellt.

Im nächsten Teil werden unsere Experten ihre Wünsche für Java 14 äußern.

Teil 1 unseres Experten-Checks zu Java 13:

7 Experten – 7 Meinungen: Was sind eure Highlights in Java 13?

Geschrieben von
Dominik Mohilo
Dominik Mohilo
Dominik Mohilo studierte Germanistik und Soziologie an der Goethe-Universität in Frankfurt. Seit 2015 ist er Redakteur bei S&S-Media.
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