So sind technische Teams dauerhaft erfolgreich

6 Tipps, wie Sie ein gutes Entwicklerteam auf die Beine stellen

Jan Weddehage

© Shutterstock / kirill_makarov

Auch wenn in der Softwareentwicklung immer wieder schillernde Persönlichkeiten auf den Plan treten, hängt der Erfolg eines Projekts dennoch stark von einem funktionierenden Entwicklerteam ab. Allerdings ist die Frage, wie man ein Team, das großartige Produkte erschafft und belegschaftsübergreifend effektiv arbeitet, richtig zusammenstellt, nicht ganz einfach zu beantworten.

Was treibt ein technisches Team zu Höchstleistungen an? Wie kann die Motivation langfristig aufrechterhalten werden? Worauf sollte man bei der Einstellung von neuem Personal achten? Im Artikel „16 way to build a better dev team“ hat Paul Heltzel die Meinung führender Experten eingeholt. Es lohnt sich, die sechs interessantesten  Experten-Tipps etwas genauer zu betrachten:

1. Die Eigenverantwortung des Teams stärken

In unterschiedlichen Projektphasen befinden sich technische Teams häufig im Streit mit der Unternehmensführung oder Marketingabteilung. Oft ist das der Fall, da sie nicht als gleichberechtigte Partner bei Unternehmensentscheidungen wahrgenommen, sondern nur als Kräfte zur Erledigung von Aufgaben behandelt werden. Will man jedoch das meiste aus seiner Tech-Abteilung herausholen, sollte man laut Jeff McConathy, Vice President of Engineering for Consumer Services bei Trulia, die Meinung der Belegschaft anerkennen und ihren Input wertschätzen.

Realisiert werden kann das ihm zufolge durch mitarbeitergestützte Prozesse, in denen die Teams eigenverantwortlich ihre Prioritäten festlegen. Die Beteiligten arbeiten ihre Roadmaps eigenständig aus und präsentieren ihre Ergebnisse der Führungsetage in regelmäßigen Meetings. Das bedeutet wiederum, dass sie für die von ihnen getroffenen Entscheidungen zur Verantwortung gezogen werden können.

So ist es der Unternehmensführung möglich, zu überprüfen, ob die Arbeit der einzelnen Gruppen erfolgreich und zielgerichtet ist. Bei schlechten Ergebnissen kann sie durch die Vorgabe allgemeiner Zielvorgaben korrigierend eingreifen. So wird für eine Unternehmenskultur gesorgt, in der ständig Neues hinzugelernt werden kann. Jeder Beteiligte wird angehalten, seine Ideen einzubringen, und kann dadurch den entscheidenden Unterschied machen.

2. Auf die eigenen Wurzeln besinnen

Technische Direktoren verlieren oft die Verbindung zu ihrem früheren Aufgabenbereich: dem Schreiben von Code. Wie Sam Lambert, Senior Director of Infrastructure bei GitHub, meint, schneiden Unternehmen, die ihr Management und ihre Ingenieure unterschiedlich behandeln, zumeist unterdurchschnittlich ab.

Ihm zufolge müssen Manager als starke technische Mentoren für ihre Teams fungieren und ihr persönliches Wissen einbringen. Nur so können sie die Arbeiten an Codebausteinen und Projekten effektiv betreuen sowie bei der Meisterung technischer Hürden wichtige Hilfestellungen leisten. Gemeinsame Trainings, die durch Agile-Coaches geleitet werden, sind gute Möglichkeiten, um die verschiedenen Arbeitsabläufe aufeinander abzustimmen.

3. Transparenz bei Unternehmensentscheidungen

Ein weiteres Kriterium, um die Effektivität von Tech-Teams zu steigern, liegt darin, für eine größtmögliche Transparenz bei Unternehmensentscheidungen zu sorgen – das ist der Standpunkt von Larry Gadea, CEO von Envoy. Um das Wissen technischer Teams zu verbessern, müssen Einblicke in betriebliche Core-Bereiche, wie Investitionen, Board-Meetings und Finanzpläne, gewährt werden. Bridget Frey, CTO von Redfin, stimmt ihrem Kollegen bei und argumentiert, dass dieser Schritt hilfreich ist, damit die Angestellten einen besseren Gesamtüberblick über die Möglichkeiten erhalten, wie unternehmerische Zielsetzungen richtig umgesetzt werden können.

4. Kulturelle und technische Barrieren überwinden

Wie Amanda Whaley, Director of Developer Experience bei Cisco, berichtet, scheitern Projekte häufig an bestehenden kulturellen oder technischen Barrieren innerhalb eines Unternehmens. Um das zu vermeiden, können beispielsweise interne Unkonferenzen oder Hackathons den Zusammenhalt sowie die Kooperation stärken und so kulturelle Differenzen überwunden werden.

Um technische Hürden zu meistern, sollte laut Whaley auf einen API-First-Ansatz gesetzt werden. Auf diese Weise werden technische Teams dazu angehalten, APIs zu entwickeln, die von anderen Abteilungen durch die Integration neuer Features leicht auf ihre Bedürfnisse angepasst werden können.

Eine weitere Möglichkeit, um den internen Zusammenhalt zu fördern, liegt laut Zubin Irani, CEO of CPrime, darin, Mitglieder unterschiedlicher Tech-Teams, die im beruflichen Alltag wenig miteinander zu tun haben, zusammenzubringen. Cross-Team-Angelegenheiten, die ansonsten auf der Strecke bleiben, können so angestoßen und gemeinsame Lösungen ausgearbeitet werden.

Ferner spricht sich Nic Grange, CTO von Retriever Communications, dafür aus, Cross-Functional-Teams nicht nur aus technischem Personal, sondern aus Mitgliedern sämtlicher Unternehmensbereiche zu bilden. Durch die Zusammenarbeit über verschiedene Abteilungen hinweg können Kommunikationsbarrieren in der Projektentwicklung überwunden werden.

5. Cross-Training oder Spezialisierung? Beides!

Um auf plötzlich auftretende Probleme während der Entwicklungsphase richtig reagieren zu können, ist es manchmal notwendig, feste Rollverteilungen kurzfristig über Bord zu werfen. Laut Bridget Frey, CTO von Redfin, hängt die Qualität technischer Teams von einem guten Cross-Training ab. Die Zeiten, in denen sich Entwickler bloß auf eine Plattform spezialisierten, sind vorbei. Um beruflich konkurrenzfähig zu bleiben, müssen sie ihren Blick über den eigenen Tellerrand hinweg erweitern.

Allerdings gibt es laut John Paliotta, CTO von Vector Software, auch Situationen, in denen Spezialisierungen vonnöten sind. In solchen Fällen ist die Methode des Cross-Trainings eher schädlich als nützlich. Das bedeutet nicht, dass die Praxis des Cross-Trainings generell schlecht ist; es heißt lediglich, dass ihr Einsatz mit Bedacht gewählt werden muss. Zwar ist es wichtig, ein Team von Generalisten auf die Beine zu stellen; die Spezialisierung darf dabei allerdings nicht zu kurz kommen, da sie für einen deutlichen Anstieg der Produktion sorgen kann.

6. Bei Neueinstellungen auf das Team vertrauen

Ein integraler Bestandteil für den dauerhaften Erfolg von technischen Teams besteht darin, vielversprechende Talente anzulocken und sie langfristig zu binden. Neue Mitglieder müssen aber nicht nur die benötigten Fähigkeiten mitbringen, sondern sich auch gut in bestehende Gruppen integrieren können. Schlägt das fehl, ist die Motivation schnell am Boden, und es muss viel Arbeit in die Bearbeitung interner Probleme gesteckt werden. Zeit, die besser in die Entwicklung, eine effiziente Kommunikationsstruktur sowie den Abbau technischer Schulden investiert werden sollte.

Um Geld und Ressourcen zu sparen, ist es daher laut Lambert von GitHub wichtig, auf die Meinung der Teammitglieder bei der Auswahl von neuem Personal zu vertrauen. Unterstützt wird er in seiner Ansicht von Skyla Loomis, Director of Cloudant Engineering bei IBM, und Bret Waters, CEO von Tivix. Sie schlagen vor, dass zur Rekrutierung auf die bestehenden Netzwerke der Belegschaft zurückgegriffen werden sollte; außerdem ist eine aktive Teilnahme der Mitarbeiter an Bewerbungsgesprächen sinnvoll.

Des Weiteren müssen ebenfalls die Bedürfnisse der neuen Bewerber ausreichend Berücksichtigung finden. Potenzielle Kandidaten sollten die Möglichkeit erhalten, ihre zukünftigen Aufgaben im Unternehmen umfassend kennenzulernen. Deshalb ist eine offene Informationspolitik sowohl während als auch vor dem Bewerbungsgespräch – etwa durch die Pflege eines öffentlichen Entwicklerblogs – empfehlenswert.

Darüber hinaus ist es laut Gautam Agrawal, Senior Director of Product Management bei Sencha, ratsam, den Markt dauerhaft zu sondieren. Offenen Positionen können so deutlich schneller und effektiver besetzt werden. Aber nicht nur der Markt, sondern auch die eigene Belegschaft sollte ständig evaluiert werden, um den Prozess firmeninterner Beförderungen transparent zu gestalten.

Aufmacherbild: Team of techs connecting network cable via Shutterstock / Urheberrecht: kirill_makarov

Geschrieben von
Jan Weddehage
Jan Weddehage
Jan Weddehage studiert an der Goethe Universität Frankfurt am Main und arbeitet seit März 2015 als Werkstudent bei Software & Support. Kontakt: jan[at]janweddehage.de
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