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Highlights von Tag 2

6 Take-aways von der W-JAX 2018: Demokratisches Deep Learning, teure Microservices und eine GitHub-Neuigkeit

Hartmut Schlosser, Katharina Degenmann, Marius Nied

© Shutterstock / Kim Reinick (modifiziert)

Deep Learning, technische Schulden bei Microservices, Neuigkeiten aus dem Octoverse – auch der zweite Tag auf der W-JAX 2018 war spannend und aufschlussreich! Wir fassen hier kurz und knackig zusammen, was wir auf der Konferenz Neues gelernt und Spannendes gesehen haben. Wie immer erheben wir keinen Anspruch auf Vollständigkeit.

Take-away #1: Goethe und die „KI-Richter“

Neben der Erkenntnis, dass man das Empire State Building in New York eher abends besuchen sollte, da der Besucherandrang dann wohl etwas nachgelassen hat, hatte Falk W. Müllers Session „Recht innovativ – wie Computer und Roboter Rechtsanwälte und Richter ersetzen“ noch einige andere Einblicke zu bieten.

Können denn Computer und Roboter Anwälte tatsächlich ersetzen? Ja, aber … Und zwar ein recht großes Aber. Diverse Anwendungen wie Flightright und Geblitzt.de ersetzen den „menschlichen“ Anwalt nicht, aber erleichtern ihm zumindest die Arbeit. Und sie ersparen dem Bürger in vielen Fällen den oft als mühsam oder gar einschüchternd empfundenen Gang in die Kanzlei.

Andere Programme – wie beispielsweise die Leverton Software, eine computerlinguistische Software, die umfangreiche Verträge scannt und managt – könnten laut einer Studie der Bucerius Law School und der Boston Consulting Group hingegen schon bald andere Entwicklungen zeitigen: „Schon in Kürze kann die Hälfte der Aufgaben, die derzeit junge Anwälte erledigen, von Algorithmen übernommen werden.“

Im Falle von Richtern sieht das Ganze schon anders aus, denn hier fehlen der Künstlichen Intelligenz (noch) Intuition und Gefühl. Denn: Die KI kann nicht zuhören beziehungsweise das „Gehörte“ (wieder: noch) nicht verarbeiten. Zudem lässt sich menschliches Gerechtigkeitsempfinden schwer in einen Algorithmus packen. Nichtsdestotrotz dürfte, wie Müller selbst zugibt, der Vortrag in fünf bis zehn Jahren wahrscheinlich ein völlig anderer sein. Bis dahin gelten (zum dritten Mal: noch) die Verse Goethes, die den Status Quo in Bezug auf „KI-Richter“ zusammenfassen und mit denen die Session schließt:

Nur allein der Mensch
Vermag das Unmögliche:
Er unterscheidet,
Wählet und richtet…

Take-away #2: Microservices sind teurer

Wie bringt man eine Legacy-Anwendung in die Cloud? Diese Frage hat Roland Huß, Red Hat, anhand einer kleinen Demoanwendung aus dem Jahr 2008 beantwortet. Geschrieben damals mit Java 6, Jetty 2 und Wicket 1.3, bestand der erste Migrationsschritt in einem Update der Komponenten auf aktuelle Versionen. Dann wurde das Ganze in Docker Container verpackt, die von Kubernetes zusammengehalten wurden. Und ab damit auf eine Cloud-Infrastruktur wie AWS, Google Cloud, OpenShift oder Scaleway.

Muss man dabei unbedingt Microservices machen? Nein, muss man nicht, bringt aber u.U. Vorteile in Sachen Flexibilität und Skalierbarkeit. Allerdings muss man sich auch im Klaren darüber sein, dass die Aufteilung eines Monolithen in Microservices meist auf Kosten des Speicher-Footprints geht – insbesondere, wenn man im Java-Umfeld unterwegs ist und dicke Java-Runtimes mitzuschleppen hat. Und dann kann das schöne Microservices-Werk je nach Cloud-Hoster plötzlich teurer werden, als gedacht.

Take-away: Bei der Einführung von Microservices nicht die Kosten-Nutzen-Rechnung vergessen! Andere Sprachen, die explizit für Cloud-Szenarien entworfen bzw. optimiert wurden (Go), haben es in dieser Hinsicht deutlich leichter…

Take-away #3: Innovation als Superkraft und eine GitHub-Neuigkeit

Wie wird Softwareentwicklung in den nächsten Jahren aussehen? Mit dieser Frage begann Johannes Nicolai von GitHub seine Keynote. Die Art, wie man Code schreibt, hat sich in den vergangenen Jahren fundamental verändert und wird das auch in den kommenden fünf Jahren tun. Innovation spielt dabei eine Schlüsselrolle, da vor allem den neuen Ansätzen die Chance innewohnt, Softwareentwicklung signifikant weiter zu bringen.

KI, Algorithmen und Machine Learning beinhalten neue Ansätze, die die Arbeit von Entwicklern unterstützen können – sie sind keine Konkurrenten für die menschliche Entwicklerhand! So hatten Anfang des Jahres noch 50 Prozent aller JavaScript-Projekte mindestens eine Sicherheitslücke. Seit dem Launch von GitHub Security Alerts konnten 98 Prozent der Sicherheitslücken geschlossen werden. Security Alerts ist das Stichwort für Nicolai, der dazu direkt eine Neuigkeit verkündet: GitHubs Security Alerts kann nicht mehr nur mit JavaScript, Ruby und Python, sondern nun auch mit Java genutzt werden.

Anschließend wurden Beispiele präsentiert, wie intelligente Maschinen die Softwarelandschaft verändern können, um beispielsweise Frauen für die IT zu begeistern. Daher sei Innovation die Superkraft von Softwareentwicklern, es komme nur darauf an, wie man sie einsetze. Entwickler können Gestalter sein, oder wie es in der Keynote heißt: „Es ist nicht deine Schuld, dass der Code ist, wie er ist, es wär‘ nur deine Schuld, wenn er so bleibt.“

Take-away #4: Container vs. Serverless

Container sind in der Softwareentwicklung mittlerweile gesetzt. Als Alternative dazu wird mitunter Serverless gesehen. Doch was ist Serverless eigentlich, oder anders gefragt, wie gebrauchen wir den Begriff? Wie Niko Köbler zu Anfang seiner Session anhand zahlreicher Zitate expliziert, scheiden sich hier die Geister. Doch trotz der Fülle an Definitionen fällt auf, klar trennen lassen sich Container und Serverless eigentlich nicht. Zahlreiche Frameworks, die sich „Serverless“ nennen, sind containerbasiert.

Für Niko Köbler liegt aber eben genau darin das eigentliche Problem – in der Verwaltung von Containern. Es gehe vielmehr darum, containerless zu sein. „Entwickler sollten sich nicht mit Kubernetes, sondern mit Code befassen.“, meint Köbler. „Kubernetes ist nicht für Developer – Kubernetes ist für Ops.“ Ohne Container geht es dennoch nicht, allerdings könne für Verwaltungsarbeit beispielsweise AWS Fargate genutzt werden.

Container oder Serverless – wie fällt nun das Fazit aus? Köbler findet eine klare Antwort: „Es kommt darauf an“. Mit Blick auf die Zukunft steht für ihn dennoch fest: Der Zeiger dreht sich in Richtung Serverless.

Take-away #5: Deep Learning – Just do it!

Die Quintessenz der Session „Eine Einführung in Deep Learning“ lässt sich kurz und treffend formulieren: Just do it! Diese Aufforderung gaben Uwe Friedrichsen und Dr. Shirin Glander ihrem Publikum am Ende des Vortrags mit auf den Weg, nachdem sie in einem theoretischen und einem praktischen Teil sehr umfassend ins Thema Deep Learning einführten.

Die Materie mag laut Friedrichsen und Glander einschüchternd wirken, doch die Beschäftigung damit lohnt sich, da Deep Learning enormes Potenzial hat, das nicht in zu wenigen Händen ruhen sollte, aber noch ruht. Ein Plädoyer an dieser Stelle für eine Demokratisierung des Deep Learning!

Also, einfach ins kalte – oder besser tiefe – Wasser springen, es lohnt sich!

Take-away #6: So misst man den Erfolg von DevOps

Bei DevOps geht es um eine schnellere Auslieferung qualitativ hochwertiger Software an den Kunden – so weit die Theorie. Wie kommt es aber dann, dass laut Puppet State of DevOps Report zwei Drittel der DevOps-Betreibenden versuchen, den Erfolg ihrer Praktiken nach internen Faktoren zu bemessen – oder gar keine Ahnung haben, wie sie deren Erfolg beurteilen können?

Bernd Rederlechner, T-Systems, hat in seiner Abendkeynote die Frage aufgeworfen, ob DevOps wieder nur der nächste Hype ist, der in der Realität aber nicht viel bewirkt (wer erinnert sich noch an SOA?). Rederlechners Antwort: Nein, DevOps richtig betrieben kann wirklich Quantensprünge in Sachen Effizienz und Qualität vollbringen. Allerdings ist die Gefahr groß, dass man DevOps wieder nur in einem Silo bestehend aus Entwicklern und Admins betreibt, ohne die anderen, insbesondere die Business-Abteilung mitzunehmen.

Wie misst man nun aber den Erfolg von DevOps? Ein einfaches Kriterium zum mit nach Hause nehmen: Wie heftig wird bei Ihnen ein neues Release gefeiert? Wenn Sie nach dem Release-Tag als Kompensation zwei Tage frei bekommen, dann scheinen neue Releases bei Ihnen noch nicht so stressfrei zu verlaufen, wie das bei einer geölten CD-Pipeline eigentlich der Fall sein sollte…

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Geschrieben von
Hartmut Schlosser
Hartmut Schlosser
Content-Stratege, IT-Redakteur, Storyteller – als Online-Teamlead bei S&S Media ist Hartmut Schlosser immer auf der Suche nach der Geschichte hinter der News. SEO und KPIs isst er zum Frühstück. Satt machen ihn kreative Aktionen, die den Leser bewegen. @hschlosser
Katharina Degenmann
Katharina Degenmann
Katharina Degenmann hat Politikwissenschaft und Philosophie studiert. Seit Februar 2018 arbeitet sie in der Redaktion der Software & Support Media GmbH und ist nebenbei als freie Journalistin tätig.
Marius Nied
Marius Nied
Marius Nied ist Redakteur des Java Magazins.
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