Warum 1 plus 1 gleich 3 ergibt und APIs kein Bier sind, sondern nur Dosen

6 Take-aways von der Serverless Architecture Conference 2019 & API Conference 2019

Dominik Mohilo, Thomas Petzinna

© Shutterstock / AR Pictures

Wir sagen „Auf Wiedersehen, Berlin“ und blicken mit einem Tränchen im Auge zurück: Die Serverless Architecture Conference 2019 und die API Conference 2019 sind leider vorbei. Wir haben viele interessante Gespräche und Interviews mit Speakern geführt, fantastische Keynotes und Sessions gesehen und hier an dieser Stelle unsere sechs wichtigsten Erkenntnisse für unsere Leser zusammengefasst.

Take-Away #1: APIs sind wie Bierdosen…

…nur die Brücke vom Bier zum Mund, sozusagen. Erik Wilde (Good API) zog in seiner Keynote diesen illustren Vergleich, um zu vermitteln, dass APIs nicht selbst der Wert einer Anwendung sind bzw. sein sollten. Sie sollten nur auf besonders gute Weise den Wert (das Bier also) zum Kunden bringen. Viele Unternehmen glauben heute immer noch an die Fabel vom Allheilmittel mit Namen „API“. C-Level-Personen auf der ganzen Welt geben Dinge zum Besten wie „Wir bauen das API grandios auf und schon rollt der Rubel“. Das, so Wilde, sei ein absolut gefährlicher Trugschluss und sollte keinesfalls das Geschäftsmodell oder die Idee hinter dem Entwurf eines APIs sein. Eine gute und durchdachte API-Strategie ist natürlich wichtig, das sei nicht zu bestreiten, doch sollte die Strategie immer auf die Wertvermittlung und nie auf die Wertschöpfung ausgerichtet sein. Den Value fürs Business „braut“ man an anderer Stelle.

Take-Away #2: Mehr Durchblick beim nächsten Technologiesprung

Einen spannenden Einblick in die IT-Strategie des Online-Optikers und Brillenshops Mister Spex gaben Ronny Karallus und Sven Blüge in ihrer Session „RESTful Apis in Aktion“. Gleich zum Anfang wurde die Frage aufgeworfen, ob man eine IT (z.B. bei der Transformation hin zu Microservices) im Unternehmen neu erfinden kann, ohne das Tagesgeschäft zu gefährden. Man kann. Und zwar ziemlich gut, wenn man ein älteres System inkrementell integriert, indem bestimmte Teile der Funktionalität nach und nach durch neue Anwendungen und Dienste ersetzt werden. Beim so genannten Strangler Pattern wird in der finalen Situation dann das alte System vom neuen System vollständig eliminiert. In der Transformationsphase existieren also zunächst Legacy und moderne Systeme parallel zueinander. Der Vorteil: Ein reduziertes Projektrisiko. Allerdings muss in allen Phasen des Projektes eine übergreifende Kommunikation mit allen beteiligten Abteilungen gewährleistet sein. Das Projekt wird dabei durch ein separates, vom Tagesgeschäft befreites Team, vorangetrieben. Innerhalb des Teams werden „Innovation Tokens“ für einen engen, fokussierten Kreis innovativer Techniken und Programmiersprachen vergeben. Das hält das Projektteam bei der Stange und gewährleistet einen weiteren Innovationsschub für das jeweilige Projekt.

Take-Away #3: Serverless ist mehr als FaaS & Architektur

Serverless wird – wie im übrigen auch DevOps (leider noch immer) – oft als rein technologisches Konstrukt gesehen: Container, Cloud, X as a Service und so weiter. Damit liegt man falsch, wie Jared Short (Trek10) in seiner Keynote klarstellte. Denn wie auch DevOps ist Serverless auch ein gewisses Mindset. Es lässt sich schwer in einem Satz zusammenfassen, doch gibt es vier einfache Regeln, die man beachten sollte: Wenn die Plattform die gewünschte Funktionalität hergibt, verwende sie. Wenn sie es nicht tut, kaufe sie. Wenn es sie nicht zu kaufen gibt, sieh zu, ob sie wirklich notwendig ist. Und wenn alle Stricke reißen, dann bau sie eben selbst, aber auf eine solche Weise, dass sie selbst als Business Value herhalten kann. Dies sind sozusagen die vier Gebote des Serverless-Mindsets.

Take Away #4: Great APIs – eine Rundreise

Nichts geht mehr ohne APIs. Alle großen Internetplayer haben mittlerweile ausgereifte APIs ins Netz gestellt. So kann man mit dem Google Maps API auf seiner Website interaktive Karten hinzufügen und diese mit eigenen Bildern und Inhalten individualisieren. Ein weiteres Beispiel, das Thilo Frotscher in seiner Session zeigte, war das PayPal API, das für die Zahlungsabwicklung eingesetzt werden kann. Besonders überzeugend bei diesem API ist die gute Dokumentation. Die kleine Rundreise zu den „great APIs“ ging u.a. mit dem Twitter API und dem Slack Web API weiter. Bleibt die Frage, wie die APIs am besten genutzt werden können? Startups wie Uber machen aus dem Mix mehrerer APIs erfolgreiche Geschäftsmodelle. Das passende Fazit dazu: APIs regieren die Welt!

Take-Away #5: Severless ist Power

Es gibt viele Definitionen von Serverless. Die von Jonas Schweizer (Laserhub GmbH) liest sich so: Serverless ist absolute Macht und absolute Abstraktion. Warum vor allem Startups diese Technologie einsetzen sollten, erklärte er in seiner Session. Entwickler lieben es, einfach draufloszuentwickeln, daher wären CTOs und generell die Engineering-Teams gut beraten, Serverless auf dem Schirm zu haben. Doch nur auf Serverless zu setzen hält er ebenfalls für falsch. Auch die ganze Container- und Kubernetes-Landschaft sollte von Startups im Blick behalten werden. Das Fazit ist also: Zweigleisig fahren – je nach Use Case.

Take-Away #6: Eins plus eins sind drei

In seiner Keynote stellte Kay Lummitsch nüchtern fest: You can´t kiss an API! In der Tat, ein API kann man nicht anfassen, fühlen, schmecken oder riechen. Ein API ist ein Konzept, ein Life Style, ein Mindset und vieles mehr, aber kein Selbstläufer, wenn es um die Vermarktung geht. Wer also mit seinem API an den Start geht, braucht neben der ausgereiften Technik ein klares Konzept und ein funktionierendes Produktmarketing. Doch um sich wirklich vom Markt abzuheben, braucht es zudem eine gute Strategy und eine Vision. Wer mit seiner API-Idee vom üblichen Marktgeschehen abweicht, wird dabei (meistens) gewinnen. So kann aus eins plus eins nicht zwei, sondern drei werden – auch wenn es mathematischer Unfug ist.

Geschrieben von
Dominik Mohilo
Dominik Mohilo
Dominik Mohilo studierte Germanistik und Soziologie an der Goethe-Universität in Frankfurt. Seit 2015 ist er Redakteur bei S&S-Media.
Thomas Petzinna
Thomas Petzinna
Thomas Petzinna studierte Wirtschaftskommunikation an der FHTW Berlin. Als Spezialist für strategisches Content Marketing, SEO und Social Media liegt sein Fokus darüber hinaus auf das Thema Digitalisierung. Bei Software & Support Media ist er als Redakteur für entwickler.de und das PHP Magazin zuständig.
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