„We, the Software Developers ...“

6 „Grundrechte“ für Programmierer

Moritz Hoffmann

(c) Shutterstock / kasezo

Programmierer gehören nach gängiger Ansicht eigentlich nicht zu einer besonders schutzbedürftigen Berufsgruppe. Auf dem Arbeitsmarkt heiß begehrt, gut bezahlt und versorgt mit jeder Menge gutem Kaffee in den Start-Ups und IT-Abteilungen dieser Welt, darf sich doch kein Entwickler so wirklich über seine Arbeitsbedingungen beschweren, oder? Doch, meint zumindest Jeff Atwood, Mitbegründer von Stack Exchange und Discourse, der bereits vor einiger Zeit eine Bill of Rights für Programmierer vorgelegt hat…

Obwohl auch Atwood nicht bestreitet, dass Entwickler in der Regel mit einem guten Verdienst rechnen können, lässt er dies nicht als Rechtfertigung dafür gelten, die IT-Experten mit einer lahmen Internetverbindung, unbequemen Sitzgelegenheiten und veralteter Hardware zu quälen. Dabei wäre es doch so einfach, für einige grundlegende Bedingungen zu sorgen, unter denen Programmierer ihre Arbeit gut und gerne erledigen können.

Bislang stand ein solcher Katalog noch nicht wirklich zur Debatte – für Atwood dürfte dies ein Grund mehr gewesen sein, die Programmer’s Bill of Rights zu veröffentlichen und auf ihre Verbreitung zu hoffen. Aus den gröbsten Verfehlungen und Problemen im Berufsalltag von Entwicklern auf der Website Coding Horror, hat er 6 „Paragraphen“ zusammengestellt, für die Entwickler in Zukunft kämpfen sollen:

  1. Every programmer shall have two monitors
    In Zeiten des Preisverfalls für LCDs und der allgemeinen Verfügbarkeit von Grafikkarten mit zweifachem Ausgang sei die Verweigerung von zwei Bildschirmen für Entwickler schlichtweg verrückt, zumal die Produktivitätssteigerung durch den doppelten Bildschirm, so Atwood, längst belegt worden sei.
  2. Every programmer shall have a fast PC
    Um IDEs, Datenbank-Engines, Web-Server und Virtual Machines in Betrieb zu halten führe an einem schnellen Rechner mit großem Arbeitsspeicher kein Weg vorbei, denn: „Time spent staring at a progress bar is wasted time.“
  3. Every programmer shall have their choice of mouse and keyboard
    Ebenso wie Handwerker am liebsten mit ihrem eigenen Werkzeug arbeiten, so Atwood, sollte den Programmierern die gleiche persönliche Beziehung zu ihrem alltäglichen Arbeitsinstrumenten zugestanden werden.
  4. Every programmer shall have a comfortable chair
    Atwood empfiehlt, Entwickler sollten ihre acht Stunden am Tag nicht nur auf annehmbaren, sondern auf bequemen und vielleicht sogar schön designten Stühlen zubringen.
  5. Every programmer shall have a fast internet connection
    Auch wenn ein Blick ins Hand- oder Fachbuch von Zeit zu Zeit weiterhelfen mag, so ist es laut Atwood doch das Internet, in dem die meisten Entwickler ihr Code-Material beziehen. Ohne schnelles Internet sei ein effizientes Programmieren quasi nicht zu leisten.
  6. Every programmer shall have quiet working conditions
    Sie kennen das. Die Arbeit am Code hat keinerlei Chancen zum Flow zu werden, weil um Sie vom Geschehen um ihren Schreibtisch herum ständig abgelenkt werden. Atwood besteht dagegen auf der Notwendigkeit für jeden Programmierer, sich in seinem Arbeitsumfeld auf seine Aufgabe konzentrieren zu können.

Es mag ein wenig befremdlich wirken, dass der Erfinder der Bill of Rights für Entwickler meint, die von ihm postulierten Grundrechte überhaupt begründen zu müssen. Und auch der Titel „Bill of Rights“ scheint etwas hoch gegriffen, gehen die unveräußerlichen Menschenrechte ihrem Charakter nach doch weit über ein Recht auf einen bequemen Bürostuhl hinaus. Atwood scheint es dabei aber eher um den grundlegenden Charakter der Forderungen zu gehen, hinter die kein Programmierer zurückfallen dürfe.

Wie er selbst betont, handele es sich dabei nicht um überzogene Ansprüche, sondern um die Minimalbedingungen, die alle Entwickler in ihren Unternehmen selbstbewusst einfordern sollten. Was meinen Sie? Bestehen Sie auf Ihren „Grundrechten“ als Entwickler?

Aufmacherbild: The first amendment on green background von Shutterstock / Urheberrecht: kasezo

Geschrieben von
Moritz Hoffmann
Moritz Hoffmann
Moritz Hoffmann hat an der Goethe Universität Soziologie sowie Buch- und Medienpraxis studiert. Er lebt seit acht Jahren in Frankfurt am Main und arbeitet in der Redaktion von Software und Support Media.
Kommentare

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5 Kommentare auf "6 „Grundrechte“ für Programmierer"

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Daniel Fisher
Gast

Hallo Herr Hoffmann,

Atwood hat das am 24 Aug 2006 geschrieben! Das meiste ist zwar noch richtig, sollte aber *aktualisiert* werden…

2-3 Monitore mit FullHD, wenn nicht 2K oder Mehr
Neben dem Stuhl ist auch der Schreibtisch wichtig (höhenverstellbar…)
Schneller und vor allem freier Internetzugang. Ist schon doof, wenn man sich nicht Wissen von Youtube und Co holen kann, weil die Corporate-Firewall das blockt…

Und ich persönlich finde ja guten Kaffee lebensnotwendig 🙂

Daniel

Lutz Horn
Gast

Gesundes Arbeitsgerät, also ein Stuhl, der keine Rückenschmerzen verursacht, und Maus und Tastatur, die kein RSI auslösen, sind schon aus Gründen der Gesundheitsfürsorge Pflicht. Der Arbeitgeber muss die Gesundheit seiner Mitarbeiter fordern, dazu gehört selbstverständlich auch gesundes Arbeitsgerät.

Sandra
Gast

Hallo,
ich finde auch, dass es das Mindeste ist dass man vernünftige Büromöbel hat. Viele Firmen unterschätzen glaube ich auch wie wichtige das Internet und eine schnelle Verbindung sind und wieviel das einer Firma kostet wenn ein Entwickler statt 1 Stunde, 2 Stunden zur Lösung braucht.
Wir müssen immer in Time und Budget entwickeln und bekommen aber ständig Steine in den Weg gelegt.
Ich würde es gut finden wenn sich ein paar Dinge ändern würden und auch mal an die Mitarbeiter gedacht wird. Ich finde solche Regeln super.
Ein Handwerker bekommt schließlich auch eine Hilti und keine Bosch zum Arbeiten.
Viele Grüße

Paul B
Gast

Also ich sitze bei den IT Support in einem Raum, Ruhe ist da Fehlanzeige und produktiv ist man da schon garnicht besonders weil die einen noch zusätzlich anquatschen