6 Erfolgskriterien für JavaFX auf Android und iOS

Hartmut Schlosser

Mit Objective-C auf iOS, mit Java auf Android – diese grobe Verteilungslage schien lange Zeit in Stein gemeißelt. Nun arbeitet die Java Community im Rahmen des OpenJDK-Projektes daran, die neue UI-Technologie JavaFX sowohl für iOS als auch für Android tauglich zu machen. Java könnte somit bald eine Renaissance auf dem iPhone erleben. Wie weit die Arbeiten an den iOS- und Android-Ports fortgeschritten sind, erklärt nun JavaFX-Leiter Richard Bair auf der Mailing-Liste.

Die JavaFX-Ports für iOS und Android seien auf dem Niveau „guter Prototypen“, sagt Bair. Da noch kein ausgefeiltes Testen stattgefunden hat, sei derzeit das größte Risiko das Unbekannte. In iOS-Land ist das Testen sicherlich ein weitaus kleineres Problem als bei den Androiden, wo es eine viel größere Gerätevielfalt gibt.

Nach dem Testen liegt die Hauptarbeit auf der Grafik- und Performance-Seite, schreibt Bair. Der Code für die Integrationsschicht steht indes schon fest, sodass es jetzt an der Community liege, die native Plattform-Integration weiter voranzutreiben.

Bair fasst zusammen:

So those would be the main things from my perspective: performance testing,  functional / unit testing, native platform integration, and graphics.

Sechs Kriterien zum Erfolg 

JavaFX auf dem iPhone? Das klingt erst einmal abenteuerlich. Müssen wir uns da auf schwerfällige Apps einstellen, die weder nach iOS noch nach Android aussehen und noch dazu nicht über die gängigen App-Stores bezogen werden können?

Diese Fragen hat auch User Felix Bembrick und stellt sechs Kriterien auf, wann man JavaFX-Apps für iOS und Android wirklich als ernstzunehmende Alternative ansehen könnte:

1. Das Look and Feel müsste sich nicht von nativen Apps unterscheiden.

An dieser Stelle muss laut Richard Bair noch einiges an Arbeit investiert werden, entweder in die Emulatoren oder in der Möglichkeit, Zugriff auf die nativen Controls zu erhalten – technisch machbar, aber noch mit einem großen Arbeitsaufwand verbunden.

2. JavaFX-Apps müssten genauso schnell wie native Apps geladen werden.

Hier scheint alles im grünen Bereich zu sein: „I expect this to work reasonably well.“

3. Auch nach dem Laden müsste die Performance so gut wie bei nativen Apps sein.

Das ist noch eine offene Frage, sagt Bair. Ob Grafik oder CPU ein Perfomance-Flaschenhals darstellen, muss sich noch zeigen.

4. Es müsste möglich sein, alle (oder zumindest die meisten) der nativen APIs, Devices und Features zu nutzen.

Über JNI lässt sich jedes API ansprechen. Um jedoch ein natives Widget einzubetten, muss noch das Problem gelöst werden, wie sich Natives in den JavaFX Scene Graph einbetten lassen.

5. JavaFX-Apps müssten als native Apps über die üblichen Kanäle verfügbar sein (z.B. iOS App Store)

Das betrachtet Bair als gegeben. „Nothing to do here, except making whatever tweaks  Apple deems necessary“

6. Updates müssten so einfach und über die selben Kanäle wie bei nativen Apps bezogen werden können.

Wie 5.) sollte auch das funktionieren, sagt Bair.

Die Community soll’s richten

Welches Bild erhalten wir nach diesen klärenden Aussagen? Nun, eine Menge Arbeit scheint noch vor uns zu liegen, bis wir JavaFX-Apps ganz natürlich auf Android und iOS Devices bringen können. Zwei Dinge sind hier aber zu betonen: Erstens stellt Richard Bair klar heraus, dass eine Mobile/Tablet-Zukunft für JavaFX tatsächlich möglich ist. Technisch gibt es hier keine unüberwindbaren Hürden. Zweitens verweist Bair aber auch stets auf die Community, die sich aktiv an der Entwicklung beteiligen muss. Oracle selbst wird also wohl nicht massiv in dieses Projekt investieren.

Die Frage lautet daher: Ist die Community bereit, JavaFX auf iOS und Android zu bringen (sowohl bzgl. Motivation, Ressourcen als auch Know How)? Bisher lässt sich noch keine wirklich massive Bewegung in diese Richtung feststellen. Aber wer weiß, vielleicht ändern sich die Vorzeichen ja nach dem Java 8 Release und dem möglichen Siegeszug von JavaFX?

Geschrieben von
Hartmut Schlosser
Hartmut Schlosser
Hartmut Schlosser ist Redakteur und Online-Koordinator bei Software & Support Media. Seine Spezialgebiete liegen bei Java-Enterprise-Technologien, JavaFX, Eclipse und DevOps. Vor seiner Tätigkeit bei S & S Media studierte er Musik, Informatik, französische Philologie und Ethnologie.
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