Wer die Wahl hat, hat die Qual

6 Agile-Tools im Vergleich: Agilo for Scrum – ZenHub – Active Collab – ScrumDo – JIRA – Pivotal Tracker

Christine Bauers

© Shutterstock / Sergey Nivens

Projektmanagementtools im agilen Umfeld gibt es viele. Doch es kann recht zeitintensiv sein, das geeignete Werkzeug für seine Projektsituation zu finden. Dieser Artikel soll helfen, das Tool zu finden, das am besten zu den eigenen Prozessen und dem eigenen Unternehmen passt.

Die Auswahl eines Projektmanagementtools kann erheblichen Einfluss auf die Kosten und auf den Projektverlauf nehmen. Schließlich eignet sich nicht jedes Tool für jedes Projekt. Im Folgenden werden sechs Tools hinsichtlich ihrer Eignung, Features und Besonderheiten vorgestellt: Agilo for Scrum, ZenHub, Active Collab, ScrumDo, JIRA und Pivotal Tracker. Um eine fundierte Entscheidung treffen zu können, welche Anwendung sich am besten für den jeweiligen Projekteinsatz eignet, werden die Tools anhand der folgenden Kriterien verglichen:

  • Vorgehensmodell
  • Flexibilität beim Erstellen eigener Workflows
  • Funktionsumfang und Editionen
  • Art der Bereitstellung
  • Integrations- und Erweiterungsmöglichkeiten
  • Kostenentwicklung

Agilo for Scrum: Der Scrum-Experte

Agilo for Scrum ist ein Projektmanagementtool, dass von der Firma Agilo Software GmbH entwickelt wurde. Wie der Name vermuten lässt, eignet es sich für alle Projekte, denen Scrum als Vorgehensmodell zugrundeliegt. Agilo bildet den gesamten Scrum-Workflow ab, von der Erstellung eines Product Backlogs bis hin zur Retrospektive.

Mit der Anwendung lassen sich auch mehrere Sprints und Projekte gleichzeig verwalten. Jedem, der mit dem Scrum-Framework vertraut ist, dürfe die Bedienung intuitiv erscheinen. Das Tool bietet eine übersichtliche Benutzeroberfläche, mit der der Benutzer mit wenigen Klicks sowohl den Gesamtstatus als auch die Details des jeweiligen Sprints einsehen kann.

In der Reviewansicht, die eine separate Auflistung der User Stories enthält, hat der Product Owner die Möglichkeit, eine User Story zu akzeptieren oder abzulehnen. Die abgelehnte Story wird erneut im Board angezeigt.

Für die Retrospektive bietet Agilo die Möglichkeit, eine Liste mit Beobachtungen und Hindernissen, die während eines Sprints auftreten, zu führen und die einzelnen Vorkommnisse zu bewerten.

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Abb. 1: Scrum Board Agilo for Scrum (Quelle: Exxeta)

ZenHub: Im Bunde mit GitHub

Bei ZenHub handelt es sich um ein Projektmanagementtool der Firma Axiom Zen, das sich direkt in das bekannte Versionskontrollsystem GitHub integrieren lässt. ZenHub ist an kein bestimmtes Vorgehensmodell gebunden, sondern eignet sich für agile Vorgehensmodelle im Allgemeinen.

Das Kernfeature des Tools ist auch hier das Task Board. Es bietet neben den bekannten Vorgehensweisen innerhalb agiler Methoden, wie dem Erstellen von Schätzungen oder Burn-down-Charts, zusätzliche Features. So lassen sich mit ZenHub personalisierte To-do-Listen verwalten und es bietet die Möglichkeit, Dateien an einzelne Tasks anzuhängen. Sollte der von ZenHub vorgegebene Standardworkflow (Backlog, To-do, In Progress, Done, Closed) nicht ausreichen, besteht die Möglichkeit, eigene Workflows zu definieren.

Durch die Anbindung an das Versionskontrollsystem GitHub werden sämtliche Ereignisse innerhalb des Kontrollsystems automatisch im Task Board angezeigt, sofern sie weiteren Handlungsbedarf ergeben und somit Auswirkungen auf die Sprint-Planung haben. Das Board lässt sich mit beliebig vielen GitHub-Instanzen verbinden, wodurch das Team eine Übersicht über den Stand der Implementierung und die offenen Punkte erhält.

Für die Kommunikation innerhalb der Teams stellt ZenHub eine Schnittstelle zur Integration des webbasierten Instant-Messaging-Diensts Slack zur Verfügung. Da der Dienst auch auf mobilen Endgeräten verfügbar ist, ist das Team immer und überall auf dem neuesten Stand.

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Abb. 2: Task Board ZenHub (Quelle: www.zenhub.io)

Active Collab: Für den Wasserfall

Mit Active Collab, entwickelt von der gleichnamigen Firma, erhält der Benutzer ein All-in-one-Projektmanagementtool. Active Collab bietet umfassende Funktionen zur Projektplanung sowie -kontrolle und eignet sich daher eher für wasserfallartige Vorgehen.

Die erstellten Aufgabenlisten sind mit umfangreichen Filterfunktionen ausgestattet. Jeder Aufgabe können Unteraufgaben hinzugefügt werden, um eine möglichst feingranulare Auflistung der Aktivitäten innerhalb des Projekts zu erhalten. Neben der Verwaltung von Aufgabenlisten, Checklisten und der Erstellung von Reports bietet das Multiprojektmanagementtool auch einen Kalender für die jeweiligen Teams. Im kollaborativen Bereich bietet Active Collab die Möglichkeit, aufgabenweise Diskussionen zu starten. Einzelne Teammitglieder können dort über Annotationen erwähnt werden und erhalten eine Benachrichtigung, um unmittelbar darauf reagieren zu können.

Mit nur wenig Aufwand lassen sich, basierend auf den Aufgaben der einzelnen Projekte, Rechnungen erstellen. Um dies möglichst präzise zu tun, stellt Active Collab eine eigene Stoppuhranwendung zur Verfügung, die nachträglich installiert werden kann.

Active Collab steht sowohl webbasiert als auch für iOS zu Verfügung. An der Android-Version des Tools wird zurzeit der Erstellung des Artikels gearbeitet. Neben der webbasierten Bereitstellung der Anwendung kann diese auch auf einem eigenen Server erfolgen.

ScrumDo: Alles für Scrum und Kanban

Das Projektmanagementtool ScrumDo, entwickelt von ScrumDo LLC, eignet sich hervorragend für den Einsatz in Scrum- und Kanban-Projekten. Im Mittelpunkt der Anwendung steht ein vielseitig konfigurierbares Task Board, das sich für mehrere Teams nutzen lässt.

Mit ScrumDo gestaltet sich die Planung mehrerer Iterationen und Releases intuitiv. Es eignet sich nicht nur für das Erfassen und Verwalten von User Stories, sondern auch für Bug-Reporting. ScrumDo fördert die Zusammenarbeit innerhalb der Teams. Ein in die Webanwendung integriertes Messaging-System ermöglicht die zeitnahe Kommunikation mit den Teammitgliedern. Bei der gemeinsamen Planung einer Iteration unterstützt das Planning-Poker-Feature, bei dem jedes Teammitglied eine Karte mit der Anzahl der Story Points für eine User Story abgeben kann.

Konfigurierbare Diagramme zeigen den Fortschritt innerhalb der Iteration und ermöglichen es nachzuvollziehen, wie lange die Bearbeitung einer einzelnen Tasks dauerte.

In der Premium-Edition wird die Möglichkeit geboten, verschiedene Tools wie GitHub oder Slack zu integrieren. Auch ein eigenes REST-API stellt das Tool zur Verfügung, um die innerhalb von ScrumDo erfassten Daten zur weiteren Analyse oder in eigenen Anwendungen zu verwenden.

Besonders an ScrumDo ist das Coaching. Falls gewünscht, steht den Benutzern des Tools ein Coach der Firma ScrumDo LLC zur Verfügung, der die Organisation unterstützt, das agile Vorgehen zu etablieren.

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Abb. 3: Task Boards ScrumDo (Quelle: www.scrumdo.com)

JIRA: Von klein bis groß

Eines der bekanntesten und wohl komplexesten agilen Projektmanagementtools ist JIRA. Die Software wurde von Atlassian, ebenfalls bekannt durch Anwendungen wie Confluence, ursprünglich als Ticketsystem entwickelt.

Mittlerweile bietet JIRA umfassende Funktionen zur Planung, Durchführung und Nachverfolgung von Softwareentwicklungsprojekten. Mit JIRA lassen sich eigene Workflows definieren und beliebig viele Boards einrichten. Dadurch ist das Tool sehr flexibel und eignet sich im agilen Umfeld vom Einsatz in Projekten mit kleinen Teams bis hin zum Einsatz in Großprojekten.

Atlassian bringt mit einem eigenen Marketplace circa 800 Erweiterungen für JIRA mit. So lassen sich beispielsweise Tools für Test- oder Portfoliomanagement nachträglich installieren. Durch den hohen Bekanntheitsgrad des Tools ist auch das Wissen darüber sehr leicht zugänglich, und es steht umfassender Support zur Verfügung.

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Abb. 4: Backlog JIRA (Quelle: de.attlassian.com)

Pivotal Tracker: Der Projektplaner

Das webbasierte Projektmanagementtool Pivotal Tracker ist eine Software, die ebenfalls agile Methoden unterstützt. Mithilfe des Tools können sämtliche Planungen vorgenommen werden.

Die strategische Planung erfolgt meist durch das Festhalten von User Stories oder Ideen. Diese Ideen befinden sich in der so genannten „Icebox“, damit sie nicht in Vergessenheit geraten. Um die Priorisierung vorzunehmen, werden die User Stories in das Backlog verschoben. Durch die Reihenfolge innerhalb des Backlogs erfolgt die Priorisierung automatisch.

Jedes Teammitglied verfügt über eine individualisierte Ansicht innerhalb des Boards, in der sich nur die ihn betreffenden Storys befinden. Hinsichtlich der Qualitätskontrolle muss auch hier jede einzelne Story vom jeweiligen Product Owner akzeptiert werden.

Mit Pivotal Tracker lassen sich einige Diagramme zur Fortschrittskontrolle erstellen. Neben dem Burn-down-Chart bietet das Tools auch Charts zur durchschnittlichen Lieferzeit oder Burn-down-Charts für ganze Releases.

Die Anwendung bringt einen eigenen App Store mit, in dem sich viele nützliche Erweiterungen zu Pivotal Tracker befinden. Darüber hinaus bietet sie ein API an, um beispielsweise Daten aus Pivotal Tracker in anderen Anwendungen verwenden zu können.

Die Auswahl des geeigneten Tools

Welches Tool eignet sich nun am besten für das eigene Projekt? Das kommt ganz auf das gewählte Vorgehensmodell innerhalb des Projekts, auf die Größe der Teams, die Anzahl der Projekte und die Sicherheitsanforderungen an.

Während für kleine Teams in Projekten mit geringerer Komplexität und folglich weniger Managementaufwand ein einfaches Board ausreicht, stellt das Management komplexer Softwareprojekte mit mehreren Teams auch komplexe Anforderungen an die Nachverfolgbarkeit und an das Reporting.

Der Funktionsumfang, der bei einigen Herstellern in Abhängigkeit der Edition und somit wiederum der Lizenzkosten steht, ist ebenfalls ein Kriterium. Beispielsweise stellt der Hersteller ScrumDo LLC eine Premium-Edition zur Verfügung, die über einen deutlich größeren Funktionsumfang verfügt als die Standard-Edition.

Verschiede Hersteller bieten die Möglichkeit, die Anwendung auf einem eigens betriebenen Server zu installieren, wohingegen andere Hersteller nur die webbasierte Bereitstellung anbieten. Es ist wichtig im Vorfeld zu wissen, wie die Bereitstellung des Projektmanagementtools erfolgt. Denn gegebenenfalls ist bei der Bereitstellung auf einem eigenen Server spezielles Know-how innerhalb des Teams gefragt.

Für das Abdecken spezieller Sicherheitsanforderungen stellen einige Hersteller eine so genannte Enterprise-Edition bereit. Die Berücksichtigung der eigenen Sicherheitsanforderungen bezüglich der Erreichbarkeit (Intranet, Internet) oder der Anmeldung (LDAP-Authentifizierung) kann folglich ebenfalls Einfluss auf die Auswahl des Projektmanagementtools haben.

Zuletzt ist es wichtig in Betracht zu ziehen, wie vertraut das Team mit Projektmanagementtools im Allgemeinen ist. Denn was nutzt das Tool mit den umfangreichsten Features, wenn niemand es verwenden kann.

Welches Tool bietet was

Die Einigung auf ein bestimmtes Vorgehensmodell ist ein wichtiges Kriterium, denn nicht alle Projektmanagementtools eignen sich für alle Vorgehensmodelle. Tabelle 1 zeigt eine Übersicht, welches Tool sich für welches Vorgehen am besten eignet.

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Tabelle 1: Welches Tool eignet sich für welches Vorgehensmodell

Nicht selten besteht die Notwendigkeit, einen unternehmensspezifischen Workflow zu erstellen. Tabelle 2 zeigt eine Übersicht, welche Tools die Möglichkeit bieten, eigene Workflows zu erstellen.

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Tabelle 2: Eigene Workflows erstellen: ja oder nein

Die meisten Projektmanagementtools bieten die Möglichkeit, in der Cloud, also webbasiert, bereitgestellt zu werden. Somit sind keinerlei Konfigurationen notwendig. Die Notwendigkeit der Bereitstellung eines eigenen Servers und der benötigten Festplattenkapazität entfällt. Allerdings ist die Bereitstellung in der Cloud, insbesondere wenn Sicherheitsaspekte ins Spiel kommen, nicht immer gewünscht. Tabelle 3 zeigt die Art der Bereitstellung der einzelnen Tools.

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Tabelle 3: Art der Bereitstellung: webbasiert oder Self-hosted (die Möglichkeit, die Anwendung auf einem eigenen Server bereitzustellen)

In Abhängigkeit der Tools, die bereits im Projekt oder Unternehmen eingesetzt werden, kann es hilfreich sein, wenn sich das Projektmanagementtool in diese integrieren lässt. Tabelle 4 zeigt die Integrations-und Erweiterungsmöglichkeiten der einzelnen Tools.

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Tabelle 4: Integrations- und Erweiterungsmöglichkeiten

Mit der Anzahl der Benutzer steigen meist auch die Kosten. Die Tabellen 5 und 6 zeigen die Kosten des jeweiligen Tools in der Standard-Edition, gestaffelt nach Anzahl der Benutzer.

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Tabelle 5: Kostenentwicklung der Tools in der Standard-Edition (*zwei Monate gratis, bei einer Lizenzlaufzeit von zwölf Monaten)

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Tabelle 6: Kostenentwicklung der Tools in der Standard-Edition

Darüber hinaus sind für manche Projektmanagementtools Premium-Editionen und Enterprise-Editionen verfügbar, oder die Bereitstellung kann auf einem eigenen Server erfolgen (Tabelle 3). Tabellen 7 und 8 zeigt die Kosten für das jeweilige Tool in der Premium-Edition, Enterprise-Edition oder Self-hosted Edition (falls vorhanden). Der Unterschied der Editionen bezieht sich auf den Funktionsumfang und die Sicherheitsanforderungen. Bei einer Premium-Edition steht meist mehr Funktionalität zur Verfügung, wohingegen sich die Enterprise-Edition meist auf die Möglichkeit der Anbindung an einen LDAP-Server und weitere Securityfeatures bezieht.

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Tabelle 7: Kostenentwicklung der Tools in der Premium-Edition, Enterprise-Edition oder Self-hosted Edition

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Tabelle 8: Kostenentwicklung der Tools in der Premium-Edition, Enterprise-Edition oder Self-hosted Edition

Fazit

Projektmanagementtools gibt es viele. Für jedes Vorgehensmodell, jede Teamgröße und Organisationstruktur wird ein passendes Tool angeboten. Wichtig bei der Auswahl ist, wie schon bei der Softwareentwicklung selbst, die Anforderungen und Projektgegebenheiten im Vorfeld zu analysieren, um ein geeignetes Tool langfristig und effizient etablieren zu können.

Aufmacherbild: Back view of businessman via Shutterstock / Urheberrecht: Sergey Nivens

Geschrieben von
Christine Bauers
Christine Bauers
Christine Bauers arbeitet als Consultant bei der EXXETA AG in Frankfurt und verfügt über mehrjährige Erfahrung in der Durchführung von agilen Projekten im Java-Enterprise-Umfeld. In den vergangenen Jahren war sie in unterschiedlichen Kundenprojekten der Logistik- und Transportbranche tätig.
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