Egal, ob Freelancer, Quereinsteiger oder Akademiker: Aller Anfang ist schwer!

Hürdenlauf & Stress: 5 Tipps für den Einstieg ins Entwickler-Berufsleben

Ann-Cathrin Klose

© Shutterstock.com / blocberry

Die IT-Branche wächst und gedeiht. Eine immer weiter wachsende Vielfalt lockt Menschen aller Hintergründe an, die ihr Glück in der Branche versuchen wollen. Aber wie gelingt der Einstieg in die Entwicklung, ins Design, in die Tech-Branche im Allgemeinen. Wie übersteht man sein erstes Jahr als professioneller Nerd?

Ob als Entwickler oder Designer, selbstständig als Freelancer oder in der ersten Festanstellung: Wer neu im Beruf ist, muss so einiges lernen. Die Universitäten sind nur allzu oft noch immer akademische Elfenbeintürme; wer sich hier nicht bereits im Studium darum bemüht, sein Wissen um praxisnahe Elemente zu erweitern, hat irgendwann ein Problem. Auf Quereinsteiger trifft natürlich umso mehr zu, dass sie einiges zu lernen haben. So oder so gilt, dass manche Fähigkeit nur in Eigenregie erworben werden kann.

Die JAXenter Karrierewoche

  1. Die Bewerbung:
  2. Nachgefragt: So sollten sich Entwickler bewerben

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  4. Die lieben Kollegen ticken einfach anders

  5. So werden Sie Teamleiter:
  6. Vom Entwickler zum Teamleiter

  7. Der Weg zur eigenen Unternehmensgründung:
  8. Vom Entwickler zum Gesellschafter

  9. Vom Entwickler zum Freelancer:
  10. Freelancer berichten: Vom wahren Leben als Selbstständiger

Erste Hürden: Unvermeidlich

Natürlich ist es aber eigentlich schon Ehrensache für jeden Informatiker, nicht stumpf dem Lehrplan zu folgen, sondern auch an eigenen Projekten zu arbeiten. Immerhin ist Informatik für Viele mehr als nur ein Job! Und doch: Der erste feste Job ist noch mal etwas anderes als das Praktikum oder der kleine Nebenjob. Die Verantwortung wächst, die Erwartungen steigen. Und nun?

Das Netz ist voll mit guten Tipps für das erste Jahr als professioneller Nerd. Jeder Entwickler, der bereits eine Weile im Beruf ist, hat einige Erfahrungen gesammelt und manches gelernt, was er lieber früher gewusst hätte. Manche davon teilen ihr Wissen. Einige Tipps wirken zwar ein wenig veraltet – man kann wohl davon ausgehen, dass inzwischen die meisten Absolventen mit GitHub vertraut sind. Andere Ratschläge scheinen außerdem mit dem Klischee des sozial vollkommen inkompetenten Nerds zu spielen: Dass man sein Feierabendbier bitte nach Feierabend trinken sollte und nicht davor, müsste doch eigentlich klar sein.

Guter Rat – schlechter Rat

Andererseits gibt es aber auch eine Reihe guter Tipps für Einsteiger in die IT-Berufswelt, die durchaus sinnvoll wirken. Fünf davon, ausgerichtet auf Quereinsteiger, Freelancer und frischgebackene Akademiker, haben wir einmal genauer betrachtet.

1. Quereinstieg: Gut planen, richtig qualifizieren

Die wichtigste Frage vor dem Quereinstieg in die IT lautet, ob man sich eine längerfristige Zukunft in der Branche vorstellen kann. Natürlich locken die guten Jobchancen. Am Ende kommt es aber nicht nur darauf an. Ein Umstieg aus einer anderen Branche ist immer mit viel Aufwand verbunden, der sich demnach auch lohnen sollte. Wer sich in drei Jahren nicht mehr in der IT sieht, ist hier also nicht richtig.

Wie gut sind die Jobchancen für Quereinsteiger denn aber tatsächlich? Einer Bitkom-Befragung aus dem Jahr 2015 zufolge soll die Quote der Quereinsteiger unter den Angestellten der IT-Branche in den kommenden Jahren sinken. Obwohl die Chancen bisher gut waren, auch als Quereinsteiger einen Job zu bekommen, lassen immer komplexere Systeme die Anforderungen steigen und somit die Wahrscheinlichkeit für einen Quereinstieg sinken. Spezifisches Fachwissen ist gefragt, das Arbeitgeber eher bei fertig ausgebildeten Kräften zu finden glauben. Darum wird erwartet, dass sich die Quote der Quereinsteiger in der IT-Branche bis 2020 von rund 25 Prozent auf elf Prozent reduzieren wird.

Andererseits beurteilt aber nicht jeder die Perspektiven für Quereinsteiger so pessimistisch. Dem Gehaltsreport von Robert Half zufolge werden vor allem Fachkräfte auf den Gebieten der IT-Security, Softwareentwicklung, Netzwerktechnik, Anwendungsentwicklung und Systemadministration gesucht. Wer aus seinem vorherigen Beruf Kenntnisse und Fähigkeiten mit in das neue Betätigungsfeld einbringen kann, hat also besonders gute Chancen auf eine Stelle in einem dieser gefragten Bereiche. Am Erlernen entsprechender Fachkenntnisse führt allerdings auch dann kein Weg vorbei.

2. Freelancer: Auf das Geld kommt es an

Frei vor sich hin arbeiten, nur spannende Aufträge annehmen, an schönen Orten Geld verdienen – vielleicht sogar am Strand! Das klingt traumhaft, ist es aber nicht immer. Gerade Berufseinsteiger haben es oft schwer, sich als Freelancer am Markt zu behaupten und einen Kundenstamm aufzubauen.

Von besonderer Bedeutung ist dabei die Frage nach dem Stundenlohn: Erstens haben viele Neueinsteiger in die freie Arbeitswelt wenig Erfahrung mit Gesprächen über das liebe Geld; zweitens neigt so mancher dazu, einen niedrigen Stundenlohn zu akzeptieren, um eine Referenz zu erhalten. Davon raten erfahrene Freelancer jedoch eher ab, obwohl sogar manche Auftraggeber auf diese Weise versuchen, den Stundenlohn zu drücken. Wichtig ist, dass der Stundenlohn ausreicht, um davon leben zu können. Und das unterschätzen viele Anfänger erst einmal.

Achtung, Mehrkosten!

Einberechnet werden müssen alle Extrakosten, die im freien Berufsleben auf einen zukommen. Experten empfehlen, bereits früh zum Steuerberater zu gehen, um sich beispielsweise Hilfe für die Steuererklärung zu suchen. Das kostet allerdings Geld. Und die Kosten fangen bereits viel basaler an: Wo arbeitet man? In Cafés und Coworking Spaces entstehen Kosten für den Aufenthalt (und/oder Verzehr); wer daheim arbeitet, muss für einen geeigneten Arbeitsplatz sorgen.

Eine schnelle Internetverbindung gehört heute natürlich zum Standard. Aber ist der eigene kleine Laptop wirklich als alleiniges Arbeitsgerät geeignet? Das alles muss bedacht werden, wenn der Stundenlohn berechnet wird. Auch die erhöhten Nebenkosten der Wohnung, wenn man auf einmal auch tagsüber heizt und aktiv Strom verbraucht, stellen einen relevanten Faktor für die Berechnung des Stundenlohns dar.

Andererseits ist es aber auch so, dass die Lohnentwicklung für Freelancer in den letzten Jahren durchaus als positiv eingestuft werden kann. Immer mehr Unternehmen benötigen für ihre Projekte Unterstützung von außen. Je spezialisierter ein Freelancer ist, desto mehr kann er damit dann auch verdienen.

3. Die erste Festanstellung: Raus aus dem Hörsaal

Nach der Uni kommt der Realitätscheck. Die meisten Informatiker werden bereits über Praktika, Nebenjobs und eigene Projekte Erfahrungen in der „echten Welt“ gesammelt haben und steigen somit nicht völlig unvorbereitet ins Berufsleben ein. Und doch kann manches durchaus zur Hürde werden, wenn sich die akademische Ausbildungsstätte als Elfenbeinturm entpuppt.

Debuggen und die Arbeit mit Code von anderen gehören zu den am häufigsten benannten Fähigkeiten, die sich Entwickler mühevoll im ersten Jahr im Job aneignen mussten. Natürlich debuggt man auch im Studium Code; große, komplexe Projekte, zu denen man selbst nicht viel beigetragen hat, gehören allerdings häufig nicht zum Standard in der Ausbildung. Hier lohnt es sich also, bereits frühzeitig zu üben. Im Job kommt nämlich kaum ein Entwickler um Code Reviews, das Lösen von Problemen, die er nicht selbst verursacht hat und das Bearbeiten von Code der Kollegen im Allgemeinen herum.

Ein anderes Talent, das an der Uni nur bedingt gefördert wird, ist das selbstständige und zielgerichtete Lernen. Wie bringt man sich eine neue Programmiersprache oder den Umgang mit einem neuen Framework selbst bei? John Sonmez berichtet, dass er zu Beginn seiner Karriere ganze Bücher verschlungen hat, um etwas aus ihnen zu lernen – und dass er das heute nicht mehr so macht. Sinnvoller sei es, sich zuerst einen groben Überblick zu verschaffen und dann gezielt die Dinge nachzuschlagen, die man benötigt. Das gilt natürlich auch für Tutorials und Dokumentationen im Web: Wer versucht, alles zu verstehen, gerät ganz schnell in den Binge-Learning-Kreislauf des Studiums. Schnell erlernt, schnell vergessen. Im Berufsleben bringt das aber nichts.

4. Mentoren finden

Egal, auf welchem Weg man in die IT-Branche einsteigen möchte; ein paar grundlegende Tipps gelten für jeden Berufsanfänger gleichermaßen. Jedem unerfahrenen Entwickler, Web-Designer, IT-Experten kann es helfen, einen erfahrenen Mentor zu finden, dem man alle Fragen stellen kann, um sich in der Branche zu orientieren. Ein Mentor kann dabei helfen, gewisse Fehler zu vermeiden und auch dazu beitragen, schneller Anschluss im Unternehmen zu finden oder ein Netzwerk potentieller Kunden aufzubauen.

Leider ist es nicht immer ganz einfach, einen geeigneten Mentor zu finden. Derjenige muss über genug Erfahrung verfügen, um Fehler auch tatsächlich zu erkennen; er braucht ein gewisses Fingerspitzengefühl im Umgang mit Menschen und muss natürlich genug Zeit für die Aufgabe haben. Manchmal finden sich in einschlägigen Communities die richtigen Ansprechpartner, in manchen Fällen übernimmt ein Kollege aus dem gleichen Team diese Rolle. Die Suche kann also durchaus aufwändig sein, lohnt sich in vielen Fällen aber.

5. Fehler machen

Obwohl die Kooperation mit einem Mentor dabei helfen kann, gewisse Fehler zu vermeiden, gilt insgesamt doch, dass Fehler zum Berufseinstieg gehören und ganz normal sind. Sogar Arbeitgeber rechnen damit, dass ihre neuen Angestellten Dinge falsch machen! Insofern ist es wirklich nicht schlimm, wenn mal etwas schief geht. Wichtig ist nur, dass man sich darum bemüht, eine Lösung zu finden und den gleichen Fehler nicht in der gleichen Weise wiederholt. Das zeigt, dass man dazu lernen kann und sein Verhalten reflektiert. Auch Freelancer müssen im Umgang mit Auftraggebern nicht perfekt sein. Solange sie die Deadline einhalten und ihre Fehler ausbügeln, ist es auch hier normal, dass mal etwas nicht klappt wie geplant.

Viele Stolpersteine – viel Durchhaltevermögen

Der Berufseinstieg bringt also eine ganze Menge Stolpersteine mit sich, die es zu überwinden gilt. Das ist aber ganz normal. Keinem fällt der Einstieg in einen neuen Job leicht; sogar erfahrene Entwickler haben häufig mit Problemen zu kämpfen, wenn sie eine neue Stelle antreten. Insofern lohnt sich also ein Blick auf die zahlreichen Tipps im Web für den Einstieg in den Entwicklerjob, um nicht jeden Fehler selbst zu machen. Und darüber hinaus gilt: Augen zu und durch. Es wird leichter, wenn die ersten Schritte geschafft sind.

Geschrieben von
Ann-Cathrin Klose
Ann-Cathrin Klose
Ann-Cathrin Klose studiert allgemeine Sprachwissenschaft, Geschichte und Philosophie an der Johannes Gutenberg-Universität Mainz. Seit Februar 2015 verstärkt sie als redaktionelle Mitarbeiterin die Redaktion bei Software & Support Media. Zuvor war sie als freie Autorin tätig und hat erste redaktionelle Erfahrungen bei einer Tageszeitung gesammelt.
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