Lessons Learned

5 Dinge, die wir an Tag 1 der W-JAX gelernt haben

Redaktion JAXenter

Publikum der W-JAX 2015 (c) S&S Media

UI-Entwicklung, Reactive Programming, die Relativität von Qualität, Big Data und Flux. Mit dieser Themen-Strecke stellt die JAXenter-Redaktion einige Highlights aus dem ersten Tag des dicht gepackten Konferenzprogramms der W-JAX vor – nicht repräsentativ, aber dennoch ungemein spannend!

1. Das UI ist die Anwendung

Eine Applikation kann noch so gut sein – wenn die User Experience nicht stimmt, ist alles verloren. Denn „the UI is the application“. Unter dieser These stand der Vortrag von Robert Glaser und Roman Stranghöner (beide innoQ). Entwickler sollten starre Unternehmensstrukturen „guerillamäßig“ unterwandern und einfach mit den Beteiligten reden. Denn sich gemeinsam an ein Whiteboard stellen und Anwenderoberflächen zusammen skizzieren wirkt Wunder. Wichtig ist außerdem die Wertschätzung für Design und Designer; es geht eben nicht um reine Pixelschubserei. Außerdem ist es wichtig, dass sich Entwickler in den Anwender hineinversetzen und seine Probleme kennt – die „Schmerzen“ wie Glaser und Stranghöner sie nennen.

2. Von Reactive Programming profitieren auch „klassische“ Anwendungen

Reaktive Anwendungen programmieren – das ist auf der W-JAX kein neues Thema mehr. Zahlreiche Talks beschäftigen sich mit Reactive, Akka, Vert.x Co. Doch wer bisher meinte, dass reaktive Prinzipien zwar interessant, aber zu modern für die eigene Legacy-Anwendung wären, wurde in Arno Haases Session „Reaktive Geschäftsanwendungen“ eines Besseren belehrt. Responsiv, widerstandsfähig, elastisch und Nachrichten-getrieben – das ist nicht nur im Ganzen beim Bau völlig neuer Anwendungen zu haben, sondern kann schrittweise auch in klassische Architekturen eingebaut werden.

Denn die Umsetzung reaktiver Prinzipien ist auf vielfache Art und Weise möglich: Asynchrone Kommunikation à la NIO/Netty statt synchrone Ein-/Ausgabe-Operationen, parallele Requests statt Thread per Request, ausführbare JARs statt (Java EE) Application Server. Futures, Circuit Breaker, Software-Redundanz, Aktoren – möglich ist vieles. Und bei einer pragmatischen Herangehensweise können auch Legacy-Anwendungen Qualitätsverbesserungen erzielen, indem gezielt Komponenten nach reaktiven Prinzipien refaktorisiert werden. Nur Eines darf man dabei nicht vergessen: Reactive ist kein triviales Thema und bringt meist gesteigerte Komplexität bei verringerter Tooling-Unterstützung mit sich. Doch, so Arnos Fazit, es soll am Ende ja auch Spaß machen – und das ist bei Reactive definitiv der Fall!

3. Qualität ist total relativ

Was bedeutet Softwarequalität? Diese Frage beschäftigte André Neubauer (Mister Spex) und Manfred Rätzmann (E-POST) in ihrer Session „The new Job of QA – Was ein Quality Engineer zukünftig können muss“. Und diese Frage lässt sich gar nicht so einfach beantworten. Ist Softwarequalität mit einer guten Testabdeckung gleichzusetzen? Oder mit einer robusten Architektur? Findet traditionell ein großer Teil der Qualitätssicherung im Testing statt, so schlagen die Speaker einen ganzheitlichen Ansatz vor: Denn Qualität ist kein „Ding“, sondern „ein Erlebnis“, das alle Produktionsschritte von der Produktidee bis zum fertigen Produkt umfasst.

Die Produktionsseite ist das eine – die Kundenseite das andere. Wie wird Qualität auf der Kundenseite wahrgenommen? Neubauer und Rätzmann nennen Eigenschaften wie Termintreue, Wartbarkeit oder Vertrauen in die Korrektheit der Lösung. Für die Qualitätssicherung werden nicht unbedingt neue Methoden oder neue, „besser“ geschulte Mitarbeiter gebraucht, denn die Anforderungen an einen Quality Engineer sind nicht nur technischer Natur. Es geht um das ganzheitliche Ausschöpfen bereits vorhandener menschlicher und technischer Ressourcen.

4. Flux ist das neue Architektur-Kid-on-the-Block

Flux ist ein neuer Architekturstil, den Sie sich einmal anschauen sollten. Bei Facebook als Flux- Architekturpattern für unidirektionalen UIs entstanden, um die Probleme mit der eigenen Mega-Anwendung in den Griff zu bekommen, gibt es mittlerweile zahlreiche Implementierungen in Form von Redux, Alt, Fluxible, Fluxxor, Reflux… Stefan Toth und Oliver Zeigermann (Embarc) nannten in ihrer Session einige Vorteile gegenüber dem traditionellen MVC-Ansatz: eine deutliche Trennung aller Teile einer Anwendung, ein klarer Fluss von Daten im UI, ein einfacher Leitfaden für die Entwicklung.

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Oliver Zeigermann präsentiert Flux

Große Teile einer Anwendung können zustandslos als reine Funktionen implementiert werden, während zustandsbehaftete Seiteneffekte gezielt in Anwendungsteile – sogenannte action creators – über einen zentralen Zustand realisiert werden. Und dazu kommt noch etwas, was in den meisten Bewertungen von Architektur-Mustern nicht erwähnt wird: Durch die Möglichkeit des Hot Reload ist die Developer Experience laut Zeigermann „der Hammer.“

5. Big Data kann vor sich selbst gerettet werden

Big Data is here to stay – doch was bedeutet das für die Menschen, was bedeutet das für die Entwickler? Zwischen dem, was heute „legal“ möglich ist, und dem, was ethisch vertretbar ist, klafft eine deutliche Lücke. Doch keine Angst: Emmanuel Letouzé stellte in seiner Abendkeynote die durchaus positive Prognose, dass der heutige Daten-Analphabetismus bald der Vergangenheit angehören wird und jeder Bürger das Recht haben wird, über die Verwendung seiner von dritten gesammelten Daten selbst zu entscheiden.

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Emmanuel Letouzé auf der W-JAX Keynote-Bühne

 

Emmanuel Letouzé stellte die Erkenntnis in den Mittelpunkt, dass es unmöglich ist, Daten zu anonymisieren. Denn es ist immer möglich, jemanden durch Querreferenzierung wieder zu identifizieren. Daraus zog er den Schluss, dass wir „Big Data vor sich selbst retten müssen.“ Die Technik darf nicht außer Kontrolle geraten, denn nicht alles was technisch möglich ist, sollte man auch machen. Doch sein optimistischer Ausblick war es, dass wir Technik mit Technik im Zaum halten können und Entwickler so die rechtschaffenen Herren über ihre Schöpfungen bleiben können.

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