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Entwickler - Rockstar!

5 Dinge, die einen guten Entwickler ausmachen

Selim Baykara

(c) shutterstock/alphaspirit

Programmieren ist nicht ein nur ein Job – Programmieren ist eine Kunst. So sieht das zumindest Matt Weisfeld. Für den Entwickler, der gleichzeitig Universitätsprofessor ist, ist das Schreiben von Software ein kreativer Prozess wie Musikmachen – demzufolge würde es auch ähnlichen Regeln unterliegen und vergleichbare Denkprozesse ansprechen.

In einem Beitrag erläutert Weisfeld seine Sicht der Dinge. Für ihn gibt es fünf Eigenschaften, die Programmierer und Musiker gemeinsam haben und nach denen man streben sollte, wenn man als echter „Programmier-Rockstar“ ausgezeichneten Code schreiben wolle.

An erster Stelle stehen für ihn die Leidenschaft und der Wille, Herausforderungen anzunehmen und etwas zu schaffen – nicht weil man es muss, sondern aus Spaß an der Sache.  Ein herausragender Programmierer ähnelt für Weisfeld in dieser Hinsicht einem Spitzengitarristen:

„Anyone who knows a really good guitar player understands that she doesn’t need to be told to practice. The same goes for good programmers.“

Der Top-Gitarrist übt weil er Spaß dran hat und nicht aus Zwang. Das gleiche gelte für angehende Programmier-Rockstars: nicht Dienst nach Vorschrift ist gefragt, sondern Leidenschaft, Begeisterung und Hingabe. Nur so könne man wirklich Spitzenergebnisse erzielen.

Begeisterung und der Wille allein reiche allerdings nicht aus. Ebenfalls erforderlich sei ein gewisses Maß an Durchhaltevermögen, um Durststrecken zu überwinden, die von Zeit zu Zeit unweigerlich auftreten würden. Weisfeld berichtet von einem Studenten, der bei einer ihm gestellten Programmier-Aufgabe bereits nach zehn Minuten aufgab – in den Augen des Professors eine schlechte Angewohnheit, da sie einen Mangel an Beharrlichkeit verrate, der sich auch in den späteren Ergebnissen widerspiegeln würde.

Wichtig sei auch die Kreativität. Weisfeld betont, dass Programmierer nicht ausschließlich gut in Mathematik oder Physik sein müssten. Im Gegenteil: viele Spitzenleute würden über einen eher kreativ-künstlerischen Hintergrund verfügen.

„I have found that the best programmers are often people with degrees in music, art, history and other liberal arts backgrounds.“

Menschen mit einem solchen Hintergrund würden eher dazu neigen, um die Ecke zu denken und unkonventionelle Lösungsansätze zu bevorzugen: genau diese Eigenschaften sieht Weisfeld auch als besonders erstrebenswert für Programmierer. Außerdem übe sowohl das Musizieren als auch das Programmieren einen relaxenden Effekt aus. Entwickler würden in vielen Fällen tatsächlich etwas erschaffen und nicht einfach nur stupid Code in ihre Entwicklungskonsole einhämmern –  deswegen sei bei einem Programmierer mit Leib und Seele der Beruf gleichzeitig immer auch sein Hobby.

Nicht zuletzt aus dieser Tatsache ergibt sich für Weisfeld  auch die ganz spezifische Geisteshaltung, die sowohl Programmierer als auch Musiker kennzeichnen würde: Unangepasstheit und das in Frage stellen von herkömmlichen Verhaltensmustern. Programmierer seien wie Musiker kreative Freigeister, die sich nicht so sehr um Regeln kümmern würden und genau aus diesem Individualismus die Energie zögen, ungewöhnliche Lösungsansätze zu entwickeln.

Als letzten Punkt nennt Weisfeld Selbstständigkeit. Die verschiedenen Programmierer in einem Team sollten sich im Idealfall wie die Mitglieder einer Band verhalten, die zunächst einmal jeder für sich ihr Instrument perfekt beherrschen müssten. Damit sei die Basis gelegt, von der aus man perfekt kooperieren könne, weil so jeder um seine eigenen Fähigkeiten und Beschränkungen wisse.

„Each individual member of a band must be totally self-sufficient and not impede the work of the others. They must be able to instinctively and seamlessly integrate with the other band members, and they intuitively must know when to stop and get the group to work out problems (and bugs) to get the sound to work just right.“

Weisfelds Herangehensweise ist interessant und bietet einige Denkanstöße. Aber ob es Sinn ergibt, eine zielgerichtete, an Ergebnissen orientierte Aktivität wie das Programmieren mit der zunächst einmal völlig zweckfreien künstlerischen Betätigung des Musizierens zu vergleichen, bleibt fraglich. Klar ist: wer Musik macht betätigt sich kreativ. In dieser Hinsicht gibt es sicherlich gewisse Überschneidungen zum Programmieren, ähnlich wie bei anderen „schöpferischen“ Tätigkeiten, z.B. Malen, Bildhauern, Schreiben etc. Der Unterschied besteht darin, dass Programme geschrieben werden, um konkrete Probleme zu lösen. Aber welches „Problem“ löst ein Rocksong, eine Skulptur oder eine Landschaftsstudie?

Der Programmierer Stanley B. Lippmann weist in diesem Zusammenhang darauf hin, dass die Analogie Kunst-Programmieren zwar zunächst einleuchtend scheint, einer eingehenden Analyse aber nicht standhalten würde. Er vergleicht das Schreiben eines Programms mit dem Schreiben eines fiktionalen Textes. In beiden Fällen würden kreative Energien freigesetzt und das Ergebnis könne erst nach vielen Revisionen erreicht werden. Im Unterschied zu einem Programm hätte der fiktionale Text aber keinen Wert an sich, da es hier ausschließlich um subjektive Gefühlsäußerungen ginge.

„The purpose of art is to project feelings and the reality of a subjective private life in the midst of public events into a particular plastic medium—words, in the case of prose. Of course, there is no value in that, not like the value intrinsic to a program.“

Insofern eribgt es vermutlich eher Sinn, das Programmieren als eine Art von Handwerk zu sehen. Das mag zwar vielleicht nicht ganz so sexy klingen, aber ein gutes Stück Handwerkskunst ist ein Wert, den man nicht unterschätzen sollte. Davon abgesehen: Rockstars leben gefährlich und sterben jung. Und wer will schon aus der Welt scheiden, wenn es noch so viel zu lernen und zu entdecken gibt?

Aufmacherbild: Businessman drawing modern business concept von Shutterstock / Urheberrecht: alphaspirit

Geschrieben von
Selim Baykara
Selim Baykara
Selim Baykara studiert Anglistik, Amerikanistik und Soziologie an der Johannes-Gutenberg-Universität Mainz.
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