Quo Vadis, DevOps?!

Die 5 wichtigsten DevOps-Trends für 2019: NoOps, DevSecOps, KI und Co.

Harbinder Kang

© Shutterstock / zaniman

Der DevOps-Ansatz hat sich in der Software-Entwicklung in den vergangenen Jahren immer weiter durchgesetzt. Die effizientere und effektivere Zusammenarbeit von Entwicklung und IT-Betrieb bringt allen Beteiligten zahlreiche Vorteile: So steigt nicht nur die Qualität der Software, sondern auch die Geschwindigkeit, mit der neue Lösungen entwickelt und ausgeliefert werden. Es verwundert also nicht, dass mit der Ausbreitung von DevOps auch neue Tools und Ausbildungsrichtungen entstanden sind, welche die Popularität noch einmal zusätzlich befeuert haben. Wo die weitere Entwicklung hingeht, zeigt der folgende Ausblick auf die fünf wichtigsten DevOps-Trends 2019.

Trend #1: Von DevOps zu NoOps

„No Operations”-Konzept nimmt an Fahrt auf

Wenn Entwickler auf IT-Ressourcen wie zum Beispiel Testumgebungen zugreifen wollen, müssen sie sich dafür meist erst mit dem entsprechenden Team im IT-Betrieb abstimmen und darauf warten, dass ihr Vorgang bearbeitet wird. Mit NoOps – sprich „No Operations“ – kann der Betrieb diesen Prozess deutlich vereinfachen und verschlanken. Denn NoOps bieten Entwicklern mehr Self-Service-Möglichkeiten durch intelligente Automatisierung und mehr Transparenz im Betrieb. Entwickler können dadurch direkt und ohne zu warten auf IT-Ressourcen zugreifen und steigern dadurch nicht nur ihre eigene Produktivität, sondern auch die des gesamten Unternehmens.

Die folgende Analogie verdeutlicht das Prinzip: Was würde passieren, wenn Internetnutzer vor jedem Zugriff ihren Internet Service Provider (ISP) kontaktieren und abwarten müssten, bis ihre Anfrage bearbeitet ist? Richtig, kein User würde dies praktikabel finden. Gleiches sollte für IT-Anfragen gelten, wie etwa den Einsatz einer Testumgebung. Hier sind nahtlose Prozesse gefragt.

Während in den vergangenen Jahren viel über NoOps diskutiert wurde, geht es in diesem Jahr verstärkt an die praktische Umsetzung. Das Platform-as-a-Service-Modell eignet sich beispielsweise gut dafür, den NoOps-Ansatz zu verwirklichen. Hier werden auf einer Cloud-Plattform etwa webbasierte Low-Code-Entwicklungsumgebungen zur Verfügung gestellt, in denen sich schnell und effizient neue Anwendungen erstellen lassen. Die Zusammenarbeit in einem Ökosystem wird gefördert und die Notwendigkeit für die Anschaffung eigener zusätzlicher Infrastruktur im Unternehmen entfällt. Aufgrund des großen Potenzials für die Beschleunigung von Innovationen gibt es in Branchen wie der Finanzindustrie bereits eine verstärkte Nachfrage nach diesem Konzept.

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Trend #2: Integration von KI und DevOps

Die Datenanalyse wird intelligenter

DevOps werden zunehmend datengetrieben. Da verstärkt Applikationen über cloudbasierte Software-as-a-Service-Modelle bereitgestellt werden, sammeln Unternehmen immer mehr Daten – und zwar nicht nur über Nutzung der Anwendungen, sondern auch über deren Bereitstellung. Sie erhalten damit wertvolle Einblicke in Sachen Delivery-Durchsatz und -Stabilität, die durch Kennzahlen wie Deployment-Häufigkeit und Vorlaufzeiten für die Umsetzung von Änderungen. Ebenso lässt sich ermitteln, wie lange die Wiederherstellung von Services und die Verbesserung von Ausfallraten dauert. Genau hier kommen künstliche Intelligenz (KI) und maschinelles Lernen (ML) ins Spiel. Durch den Einsatz von maschinellem Lernen in der Software Delivery können Unternehmen herausfinden, wo Engpässe, Hemmnisse oder Kapazitätsprobleme aktuell oder in Zukunft auftreten können. Aus diesen Informationen lassen sich vorausschauende Aussagen ableiten, um künftig die Bereitstellung effizienter zu gestalten. Aufgrund dieser Vorteile werden KI- und Datenwissenschaftler in 2019 noch enger mit DevOps-Teams zusammenarbeiten und gemeinsam den Software-Delivery- und Testprozess kontinuierlich optimieren.

Trend #3: DevSecOps

Sicherheit rückt an den Anfang der Entwicklungsprozesse

Das Thema DevSecOps gewinnt 2019 weiter an Bedeutung, denn das so genannte „Shift-Left“-Prinzip setzt sich in DevOps immer weiter durch. Aus gutem Grund: Denn dieses Mindset bedeutet, dass wichtige Aufgaben in der Software-Entwicklung nach links auf der Zeitleiste gerückt – sprich früher erledigt – werden, anstatt sie aufzuschieben, bis es zu spät ist. So rückt der Sicherheitsaspekt nun vom Ende des Delivery-Prozesses an den Beginn der Entwicklung: Code wird direkt sicher geschrieben. Des Weiteren werden Produkt- und Betriebssicherheit kontinuierlich in den gesamten Delivery-Zyklus integriert, wodurch sich Test- und Korrekturdurchläufe deutlich beschleunigen lassen.

In diesem Jahr werden Security-Teams stärker in die Optimierung von DevOps einbezogen, um durch integrierte Policies in einer automatisierten und integrierten DevSecOps-Umgebung besser von Sicherheits-Tools und -Plattformen zu profitieren. DevSecOps können etwa automatisch Sicherheitslücken aufspüren und schneller beurteilen, ob es sicher ist, einen bestimmten Code mittels Quality Gates für Umgebungen bereitzustellen, auf die Kunden Zugriff haben. Hier geht es darum, den Kunden den größtmöglichen Mehrwert weiterzugeben, aber nicht auf Kosten der Sicherheit.

Trend #4: Mehr Agilität durch Microservices

Etablierte Strukturen werden aufgebrochen

Microservices sind eine gute Möglichkeit für Unternehmen, ihren Kunden neue Features zu liefern. Dabei wird ein größeres System in eigenständige, lose verbundene Bestandteile aufgebrochen, die durch voneinander isolierte Container bereitgestellt werden und über diese auch laufen. Neuentwicklungen lassen sich dadurch noch schneller implementieren.

Da Unternehmen immer agiler werden müssen, werden sie auch verstärkt auf Microservices zurückgreifen. Mit diesem Trend steigt auch die Nachfrage nach Open-Source-Plattformen wie Kubernetes von Google und Functions-as-a-Service-Anwendungen. Während Entwickler normalerweise auf bereitgestellte Infrastruktur zurückgreifen, auf der ihre Services laufen, sorgen die großen Cloud-Computing-Anbieter dafür, dass die Infrastruktur für den Entwickler nahezu bedeutungslos wird. Denn sie können heute eine Cloud-native, serverfreie Anwendung schreiben, ohne zu definieren, wo oder in welcher Infrastruktur die Applikation laufen wird. Cloud-basierte Funktionen sind aktuell zwar noch begrenzt. Aber sie werden stetig weiterentwickelt und können damit immer komplexere Probleme lösen.

Trend #5: Von Continuous Delivery lernen

IT wird mehr denn je zum Performance-Faktor

Der Continuous-Delivery-Ansatz wird in diesem Jahr Einzug in die Software-Entwicklung bei großen Unternehmen halten. Management-Teams erkennen nämlich zunehmend, dass Techniken, Prozesse und Tools, welche die Software-Auslieferung optimieren, auch dazu beitragen, die Unternehmensleistung und -abläufe zu verbessern. Untersuchungen wie der State of DevOps Report 2018 von Puppet und Splunk zeigen, wie IT die Performance von Unternehmen effektiv steigern kann. Dass IT also nicht nur als Kostenfaktor wahrgenommen wird, ist eine wichtige neue Denkweise, die sich 2019 weiter durchsetzen wird.

Fazit

2019 wird für DevOps ein spannendes Jahr, und es ist nicht davon auszugehen, dass die Entwicklung in absehbarer Zeit an Fahrt verliert. Entwickler und Unternehmen sollten die Möglichkeiten, die vor ihnen liegen, gut nutzen und weiter daran arbeiten, die Welt der Software-Entwicklung für einen größeren Userkreis zu öffnen. Denn es warten große Potenziale, die genutzt werden wollen.

Geschrieben von
Harbinder Kang

Harbinder Kang ist Global Head of Developer Operations bei Finastra.

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