Totgesagte leben länger

5 Argumente für einen Erfolg von Dart

Michael Thomas

© Shutterstock.com/Pedro Nogueira

Der Google-Mitarbeiter Filip Hracek ist kürzlich zum Dart-Entwicklerteam gewechselt. Ein Schritt, der nicht nur eher freundschaftlich gemeinte Kommentare (z. B. dass er damit hoffentlich kein totes Pferd reite) auch eindeutig negative Reaktionen provozierte. Doch er nennt gute Gründe, die seiner Meinung nach für den Erfolg von Googles Websprache sprechen.

Die negativen Reaktionen auf Hraceks Schritt kommen dabei nicht von ungefähr. Dart wurde bereits mehr als einmal für so gut wie tot erklärt: Im März 2015 gab Google bekannt, nicht mehr auf eine Browser-Unterstützung der DartVM zu setzen, sondern statt dessen dem Dart-to-JavaScript-Compiler breitere Anwendungsmöglichkeiten zu eröffnen. Der von Dart-Mitgründer Kasper Lund als Erneuerng der Web-Strategie bezeichnete Schritt wurde von Teilen der Community als Anfang vom Ende des Projekts interpretiert.

Vor allem Ranking-Daten wurden herangezogen, um Dart im Vergleich zu JavaScript einen entscheidenden Rückschlag nachzuweisen und Googles Projekt für gescheitert zu erklären. Andere, wie der Blogautor Richard Eng, verwiesen neben den noch nicht ausgeräumten Schwächen der clientseitigen Webentwicklung auf die Chancenlosigkeit von Dart im Angesicht vieler Alternativen:

No matter what are Dart’s features, or how easy Dart makes web development, the fact is, there are a lot of other options out there and they all make the same claims. They all compile to JavaScript. They’re all easy to learn. Just about any one of them is easier than programming directly in JavaScript.

Auch die Veröffentlichung der Sprache auf GitHub im Juni 2015 war für viele ein Anlass, Zweifel an der Zukunft von Dart zur Sprache zu bringen: Die einen machten die Aufgabe der Integration der DartVM in Chrome dafür verantwortlich und stellten in Frage, dass Dart die Browser-Vielfalt in einer großen Entwickler-Community bewältigen kann. Und wie schon im März wurd auch die Frage nach der Notwendigkeit von Dart gestellt: Während sich viele Entwickler an JavaScript selbst gewöhnt hätten, könnten andere den einfacheren Migrationspfad bevorzugen, der mittlerweile mit TypeScript oder CoffeeScript offen steht, hieß es damals.

Wie also kommt Hracek zu einer positiven Einschätzung des Zukunftspotentials von Dart? Er identifiziert insbesondere 5 Umstände.

1. Google legt viel Wert auf Dart

Fehlendes Vertrauen eines Unternehmens in ein Projekt oder Produkt ist nie ein gutes Zeichen. Zumindest in dieser Hinsicht muss man sich Hracek zufolge keine Gedanken um Dart machen. Demnach werden jeden Tag riesige Mengen Dart-Code geschrieben werden, der allesamt wichtig für den Unternehmenserfolg ist – das Produktteam, dass für den Großteil von Googles Umsatz verantwortlich zeichnet, nutzt Dart. Anders gesagt: Selbst wenn nur Google Dart nutzen würde, wäre das Überleben der Sprache auf längere Sicht gewährleistet.

2. Dart wird aktiv gepflegt

Obwohl Dart mit Version 1.13 ein recht stabiles Stadium erreicht hat, schreitet die Entwicklung Hracek zufolge im altbekannten Tempo voran: Zur Zeit finden sich auf GitHub 139 aktive Repositories; allein im Dezember 2015 ergaben sich hunderte von Commits:

Excluding merges, 32 authors have pushed 408 commits to master and 412 commits to all branches. On master, 828 files have changed and there have been 93,059 additions and 88,236 deletions.

Im Vergleich zu ähnlichen Projekten steht Dart damit sehr gut da. Auch wenn Masse nicht unbedingt Klasse bedeutet, so zeigt es doch die großen Investements, die in die Entwicklung der Sprache fließen.

3. Dart wird bald überall laufen

Dart zielt zur Zeit zwar auf das Web ab (durch die Kompilierung in JavaScript läuft Dart-Code in jedem Browser; sowohl Befehlszeilentools als auch Event-Server können in Dart geschrieben werden), wurde jedoch im Grunde als Allzweckprogrammiersprache geplant. So soll Dart-Code laut Hracek schon bald auch für Mikroprozessoren (wie Raspberry Pi) und Mikrocontroller (wie Arduino) nutzbar sein. Das Gleiche gilt für native Android- und iOS-Apps.

4. Dart ist stabil und beständig

Wer von den ständigen Änderungen an Tools und Bibliotheken ermüdet ist, für den dürfte Dart Hracek zufolge einen seltenen Ruhepol darstellen: Zwar entwickelt sich die Sprache ständig weiter, allerdings nutzen bis zu zwei Jahre alte Projekte immer noch die selbe Standardbibliothek, die selben Sprachfeatures sowie die selben Package- und Dependency-Manager. Zudem folgt ein großer Teil der Community den offiziellen Stil-, Nutzungs- und Design-Guides – die Lesbarkeit des Codes wird offenbar groß geschrieben.

5. Dart „fühlt sich richtig an“

Zwar gibt Hracek zu, dass Dart nicht jedermanns Sache ist. Allerdings existieren für ihn mehrere Umstände, die dafür sorgen, dass sich die Arbeit mit Dart subjektiv „richtig anfühlt“. So fühle man sich insbesondere wenn man C#, C, ActionScript, Java o. ä. kennt, syntaktisch gesehen direkt bei Dart zuhause. Des Weiteren habe man keine bösen Überraschungen in semantischer Hinsicht zu erwarten, die Standardbibliothek sei wohl durchdacht, Standarddinge wie Async/Await, String-Interpolation etc gingen leicht von der Hand und dank optionaler Typen sowie optionaler Generics, Bibliotheken, Packages und Transformer sei das einfache Schreiben robusten Codes möglich.

Aufmacherbild: Three miniature businessman walking to the center of a dartboard von Shutterstock / Urheberrecht: Pedro Nogueira

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Michael Thomas
Michael Thomas
Michael Thomas studierte Erziehungswissenschaft an der Johannes Gutenberg-Universität Mainz und arbeitet seit 2013 als Freelance-Autor bei JAXenter.de. Kontakt: mthomas[at]sandsmedia.com
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nicht zu vergessen das Flutter Projekt, das sehr interessante Wege zur crossplattform entwicklung für iOS und android geht und dart zur oberflächenbeschreibung nutzt.
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