JAXenter: Neu in Juno vertreten ist ja auch das Unterprojekt Model Focusing Tools. Worum handelt es sich dabei?

Steffen Pingel: Das Model Focusing Tools Projekt ist unter Mylyn Context angesiedelt und stellt Konnektoren für verschiedene Technologien aus dem Modeling-Umfeld zur Verfügung. Mit diesen lässt sich Mylyns Task-focused Interface mit EMF, GMF, UML2 und den Ecore Tools nutzen. Das bedeutet, dass beispielsweise in einem Diagramm Elemente ausgeblendet werden, die für den aktuellen Task nicht relevant sind. Mich freut besonders, dass MFT bereits in Produkten Anwendung findet, wie z.B. in UML Lab von Yatta Solutions.

JAXenter: Als neu ist auch das Mylyn-Unterprojekt Intent gekennzeichnet.

Steffen Pingel: Mit Intent lassen sich Dokumentation und andere Artefakte wie Quellcode oder Modelle enger verknüpfen, und die IDE-basierten Werkzeuge helfen dabei, die Dokumentation auf einem aktuellen Stand zu halten. In Juno ist das erste 0.7 Release von Intent enthalten.

JAXenter: Auch außerhalb des Release Trains gab es Entwicklungen in den verschiedenen Mylyn-Teilprojekten. Kannst du einige Punkte nennen?

Steffen Pingel: Neben Intent und MFT ist auch das Vex-Projekt zu Mylyn hinzugekommen. Das Projekt verfolgt das Ziel, einen visuellen XML Editor für Eclipse zu entwickeln. Es gibt bereits regelmäßige Veröffentlichungen von Milestones und ich hoffe, dass das Projekt mit Kepler im nächsten Jahr auch zum Release Train hinzustoßen wird. Das gleiche gilt auch für Reviews for Eclipse (R4E), das parallel zu Juno ein erstes 0.10 Release veröffentlicht hat. Bei R4E geht es um die Entwicklung eines Eclipse-basierten Werkzeugs, mit dem sich Reviews sowohl für Modelle als auch für Quellcode in IEEE standardkonformen Arbeitsabläufen durchführen lassen.

JAXenter: Zurück zu Eclipse Juno: Welche persönlichen Highlights hast du – abgesehen von Mylyn?

Steffen Pingel: Es gefällt mir, dass die Plattform den Sprung auf 4.2 gewagt hat. Es gibt sicherlich noch einiges zu tun, vor allem die Performanz kommt noch nicht ganz an 3.8 heran, und über das UI Design kann man sicher geteilter Meinung sein. Aber die Modernisierung der Plattform, mit Modeling-Technologie und Dependency Injection, ist ein großer Schritt nach vorne. Von den neuen Projekten hat mich vor allem Code Recommenders begeistert, das einige neue Werkzeuge zur Code Completion in Eclipse integriert. Ich bin gespannt, was sich hier noch entwickelt.

JAXenter: Und was habt Ihr für das kommende Jahr geplant?

Steffen Pingel: Wir hatten das Glück, dass wir diesen Sommer gleich zwei Studenten für Mylyn gewinnen konnten, die im Rahmen von Google Summer of Code an Verbesserungen arbeiten. Sebastian Schmidt implementiert eine Erweiterung, mit der sich in Zukunft bei Task-Aktivierung Breakpoints automatisch als Teil vom Task-Kontext verwalten lassen. Timur Achmetow arbeitet an einer Task-Activity-Ansicht, mit der sich im Task-Editor anzeigen lässt, welche Change Sets für einen Task committet wurden, welche Builds angestoßen wurden und eine Liste von Code Reviews, die mit dem Task assoziiert sind. Die Ergebnisse der Projekte werden voraussichtlich in das nächste Release einfließen. Darüber hinaus haben wir noch keine Planungen im Detail vorgenommen, aber wir haben viele gute Ideen, wie wir Mylyn weiter verbessern können.

JAXenter: Dann wünschen wir viel Erfolg dabei! Steffen, vielen Dank für dieses Interview!

Steffen Pingel ist Softwareentwickler bei Tasktop Technologies im wunderschönen Vancouver. Er arbeitet an Werkzeugen, welche es Entwickler ermöglichen, fokussiert und produktiv zu bleiben. Während seines Informatikstudiums an der Universität Stuttgart wurde er 2006 Committer im Eclipse-Mylyn-Projekt. Seit Kurzem ist er auch im Eclipse-p2-Projekt engagiert. Steffen Pingel ist fasziniert von der Qualität und Erweiterbarkeit der Eclipse-Plattform, die ihn kontinuierlich zu Verbesserungen des Mylyn Frameworks inspirieren.
Kommentare

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht.