In vier Schritten neues Personal langfristig binden

4 Tipps, wie Sie neue Entwickler ins Unternehmen einführen

Jan Weddehage

© Shutterstock / MediaGonzalo Aragon

Sie kennen das vielleicht: Ein neuer Entwickler kommt ins Haus, und Sie oder Ihre Admins sind noch hektisch damit beschäftigt, den Computer für den neuen Kollegen einzurichten. Oder Sie haben es selbst schon beim Antritt eines neuen Jobs erlebt, dass die ersten drei Tage erst einmal damit verbracht werden müssen, die nötigen Entwickler-Tools auf ihren Arbeitsrechner zu installieren. Ein denkbar schlechter Start ins neue Arbeitsverhältnis – doch das geht auch anders!

Bei den neuen Arbeitskräften schon von Tag 1 an einen guten Eindruck zu hinterlassen, besitzt viele Vorteile, die oftmals unterschätzt werden. Ein offensichtlicher Faktor, warum Softwareingenieure mit einem guten Gefühl ihren ersten Arbeitstag beenden sollten, liegt darin, dass die langfristige Bindung von neuem Personal nicht nur die Kosten gering hält, sondern auch den Teamzusammenhalt fördert. Und ein zufriedenes Team sorgt für eine positive Außenwahrnehmung.

Insbesondere IT-Fachkräfte sind heute am Arbeitsmarkt heiß begehrt und die Nachfrage nach qualifizierten Softwareingenieuren sehr hoch. Jedoch nicht jede Organisation kann es sich leisten, seinen Angestellten einen persönlichen Feel-Good-Manager an die Seite zu stellen, wie es jüngst in einem Handelsblatt-Artikel empfohlen wurde.

Aber mit ein bisschen persönlichem Einsatz können auch kleinere Unternehmen am ersten Arbeitstag einen guten ersten Eindruck hinterlassen. Wie das am besten zu bewerkstelligen ist, hat Daniel Kaplan in seinem Artikel „10 great ways to impress a software engineer on their first day“ zusammengetragen.

1. Den Computer vor Ankunft vollständig einrichten

Um Softwareingenieure bereits in den ersten Minuten positiv zu beeindrucken, sollte der PC vor ihrer Ankunft vollständig eingerichtet sein; das erfordert natürlich ein wenig Arbeit. Auf diese Weise wird den Neuen von Anfang an der Eindruck vermittelt, dass ihre Anliegen ernst genommen werden. Darüber hinaus wirkt das Unternehmen gut organisiert. Kaum etwas hat einen größeren negativen Effekt auf die langfristige Motivation als am ersten Arbeitstag das Gefühl zu haben, vergessen worden zu sein.

Zur Einrichtung eines PCs gehört nicht allein der Aufbau von Hardware. Wichtig – aber selten praktiziert – ist das Aufspielen der benötigten Software. Zumeist verbringen neue Angestellte die Hälfte ihres ersten Tages damit, die benötigte Software zu installieren. Und auch das gestaltet sich in der Regel oftmals als schwierig, da nur in den wenigsten Fällen eine ausführliche Dokumentation der einzelnen Installationsschritte vorliegt. Kaum etwas ist für neue Beschäftigte unangenehmer, als einen Fremden alle fünf Minuten fragen zu müssen, was als Nächstes zu tun ist. Die Automatisierung des Installationsprozesses wirkt sich positiv auf das Zeitmanagement aus und lässt die Arbeitnehmer daran arbeiten, wofür sie eingestellt wurden.

Neben der standardmäßig bereitgestellten Software sollten zudem die spezifischen Wünsche der neuen Softwareingenieure berücksichtigt werden. Da die meisten nicht direkt am ersten Arbeitstag teure Softwarewünsche stellen wollen, sollte man selbst die Initiative ergreifen und sie nach ihren Bedürfnissen fragen. So wird ihre Produktivität von Anfang an gesteigert. Des Weiteren wird ihnen bei späteren Anfragen das unangenehme Gefühl genommen, etwas einfordern zu müssen. Selbst wenn ein neues Tool sehr kostspielig sein sollte, lohnt sich die Investition auf lange Sicht: Bewerbungsgespräche und entsprechendes Personal kosten ebenso Zeit und Geld.

2. Neues Personal auf den aktuellen Stand bringen

Die Einrichtung eines funktionstüchtigen Arbeitsplatzes und die Bereiststellung der gewünschten Software sind nur der Anfang. Um den Arbeitseinstieg weiter zu erleichtern, sollten ebenfalls umfangreiche Informationen zum neuen Arbeitsfeld vorliegen. Eine ausführliche Dokumentation über die zu bearbeitenden Features und Funktionen ist hilfreich, um sich einen ersten Einblick in die Materie zu verschaffen. Unter anderem sollte thematisiert werden, warum die Produkte und ihre Architekturen überhaupt existieren. Allerdings kann hierbei leicht über das Ziel hinausgeschossen werden. Eine Dokumentation, die einige hundert Seiten umfasst, ist zwar gut gemeint, erfüllt jedoch selten ihren Zweck.

Von einer stets aktuellen und prägnant formulierten Dokumentation profitieren nicht nur neue, sondern auch alte Arbeitnehmer. Während die Neuen sich schnell über den aktuellen Stand informieren können, tragen die Alten die Verantwortlichkeit für eine angemessene Dokumentation über die Software, mit der sie tagtäglich arbeiten. Außerdem hat es sich als förderlich erwiesen, neue Teammitglieder durch erfahrene Angestellte in das Unternehmen, die Produkte sowie Aufgabenbereiche einzuführen. Das Management ist hierbei angehalten, die Betroffenen gleichzeitig über ihre Rollen zu informieren. Auf diese Weise kann vermieden werden, dass neue Beschäftigte in die unangenehme Situation geraten, fremde Mitarbeiter gleich zu Beginn nach einem Gefallen bitten zu müssen.

3. Einen praktischen Einblick in das Aufgabenfeld geben

Die Einführung neuer Kollegen durch erfahrende Teammitglieder schafft einen ersten Einblick in die Organisation und deren Produkte. Hierbei ist es wichtig, nicht einfach alle verschiedenen Gebiete vorzustellen, sondern klar zu kommunizieren, was erwartet wird und an welchen Funktionen und Features aus welchen Gründen mitgearbeitet werden soll. Neue Informationen können besser gefiltert und aufgenommen werden, wenn deren Relevanz von Anfang an richtig eingeschätzt werden kann. Neue Mitarbeiter lediglich kurz in die Materie einzuführen und sie ohne nähere Hinweise ins kalte Wasser springen zu lassen, ist selten von Erfolg gekrönt.

Wenn nicht gewusst wird, was genau getan werden soll, oder nicht von vornherein klar ist, wie etwas wirklich funktioniert, stellt sich schnell Frust und Langeweile ein. Konkrete Zielvorgaben und das gemeinsame Erschließen von Lösungsmöglichkeiten geben hingegen die nötige Sicherheit. Die Einführung sollte nicht nur zielorientiert, sondern auch praktisch sein. Statt bloß Orientierungshilfe zu leisten, sollten den Neulingen bereits am ersten Arbeitstag kleinere Aufgaben gestellt werden. Die zu bewältigenden Arbeiten müssen nicht sonderlich umfangreich sein. Meistens reicht es schon aus, wenn kleinere Veränderungen am Code vorgenommen werden müssen. Das praxisnahe Arbeiten schafft Erfolgserlebnisse und erleichtert den Einstieg ungemein.

4. Den persönlichen Kontakt suchen

Neben einer guten technischen Infrastruktur und einer ausführlichen Einführung in die Produkte und Aufgabenbereiche sollte sich ausreichend Zeit genommen werden, um das neue Personal in die Unternehmenskultur einzuführen. Das kann bereits beim Vorstellungsgespräch geschehen. Gibt es eine Kleiderordnung? Wie flexibel sind die Arbeitszeiten? Wer sind die wichtigsten Ansprechpersonen? Solche Fragen sollten so früh wie möglich und ohne Aufforderung beantwortet werden. Denn viele Kandidaten vergessen es, solche Fragen vor Beginn des Arbeitsverhältnisses zu klären.

Am ersten Tag sollte sich außerdem die Zeit genommen werden, die neuen Mitarbeiter ihren Kollegen vorzustellen. Durch das allgemeine Bekanntmachen werden mögliche Kommunikationsbarrieren sowie Einstiegsschwierigkeiten minimiert und der Zusammenhalt in der Belegschaft gefördert. Daneben ist es sinnvoll, sie, das Team und gegebenenfalls Personen aus anderen Abteilungen zum Essen einzuladen. So können nicht nur Kontakte innerhalb des Ressorts intensiviert, sondern sämtliche Betriebsangehörige in lockerer Atmosphäre kennengelernt werden. Wird den Neuen hingegen zugemutet, am ersten Arbeitstag alleine zu essen, wirkt sich das negativ auf die persönliche Moral und die Reputation des Unternehmens aus.

Aufmacherbild: Yellow adhesive note via Shutterstock / Urheberrecht: Gonzalo Aragon

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Jan Weddehage
Jan Weddehage
Jan Weddehage studiert an der Goethe Universität Frankfurt am Main und arbeitet seit März 2015 als Werkstudent bei Software & Support. Kontakt: jan[at]janweddehage.de
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1 Kommentar auf "4 Tipps, wie Sie neue Entwickler ins Unternehmen einführen"

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Sascha Thattil (yuhiro.de)
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Wer viele Entwickler einstellt kennt dieses Problem. Meistens fehlt einem auch die Übersicht, wann die neuen Leute anfangen. Die vorgeschlagenen Punkte sind natürlich schön. Ich denke einen Teil davon kann man davon sicher umsetzen. Besonders mit der Software auf den Rechnern, kann man verbessern und lässt sich von den meisten Unternehmen umsetzen. Die Dokumentation wäre natürlich ideal, ist bei den meisten Projekten jedoch nicht vorhanden. Sich in die Software einzuarbeiten kann dann ja ein Teil der anfänglichen Arbeiten sein. Der Punkt mit der Einführung in die Unternehmenskultur ist auch interessant. In unserem Unternehmen machen wir das noch nicht. Jedoch die… Read more »