Qualität verbessern

4 Tipps, wie Sie Ihre Softwarequalität verbessern

Kypriani Sinaris

©Shutterstock/Nenov Brothers Images

Das kennen Sie vielleicht: Ein Projekt neigt sich dem Ende zu und Sie als Entwickler klopfen sich ob Ihres tollen Codes schon innerlich auf die Schulter. Doch dann präsentieren Sie Ihr Ergebnis dem Projektmanager und dieser rümpft nur die Nase, da er die Qualität als nicht ausreichend betrachtet … Das kann ganz schön entmutigend sein. Findet auch Johanna Rothman.

Wenn der Manager die entwickelte Software kritisiert, dann bezieht man diese Kritik schnell mal auf sich: Was habe ich als Entwickler falsch gemacht? Die Software läuft – warum mag er sie nicht? Um diese Frage zu beantworten, zitiert Johanna Rothman in dem frei verfügbaren eBook „DZone’s Guide to Code Quality and Software Agility, 2015 Edition“ den US-amerikanischen Informatiker Gerald Weinberg:

Quality is value to some person.

Und das ist eben der springende Punkt: An einem Softwareprojekt arbeiten viele verschiedene Parteien zusammen, die alle unterschiedliche Ziele verfolgen und jeweils andere Schwerpunkte setzen. Und wenn es eigentlich auch in Ordnung ist, als Entwickler vorrangig die Entwicklersicht zu vertreten, so rät sie doch zu einem Blick über den Tellerrand.

Was ist Qualität?

Betrifft Qualität wirklich nur den Code? Wie Johanna Rothman meint, geht es dabei eben nicht nur um das Eliminieren von Fehlern aus der Software. Es geht auch um die Feature-Varietät, die Verfügbarkeit dieser Features und die Kosten des Projekts. Damit vergrößert sie automatisch die Menge derer, die sich um Qualität kümmern: Nämlich nicht nur der Entwickler, sondern das gesamte Team. Automatisch nimmt aber auch die Komplexität zu, denn während für Entwickler eben vor allem die Features der neuen Software im Fokus stehen, wird sich der Product Owner wohl eher um den Release-Termin sorgen, so Rothman.

Der Kunde ist König

Am Ende wollen doch alle, dass ihre Software dem Kunden gefällt – schließlich geht es nicht nur um einen guten Ruf, sondern auch um Geld. Und so rät Rothman Entwicklern, den Kunden nicht aus dem Auge zu verlieren und ihre Prioritäten an jene der Kunden anzupassen. Gerade wenn es zeitlich sehr eng wird, sollten Entwickler also immer das Projekt als Ganzes im Kopf haben und sich eben nicht von kleineren Fixes ablenken lassen.

Eine ähnlich pragmatische Herangehensweise rät Johanna Rothman auch bei Sponsoren: Diese bittet sie schon frühzeitig um die Festlegung ihrer Prioritäten. Sie präsentiert ihnen eine Liste möglicher Baustellen bei einem Softwareprojekt – beispielsweise das Vervollständigen der geplanten Features oder das Einhalten des Release-Termins – und lässt diese entscheiden, welcher dieser Punkte aus ihrer Sicht auf jeden Fall gegeben sein muss. Der Rest rutscht damit automatisch einen Rang weiter nach unten – und macht allen Projektbeteiligten eine klare Ansage zu Erwartungen, die möglicherweise anders nicht kommuniziert werden würden.

Angebot nach Nachfrage

Nicht jeder Kundenkreis erwartet das gleiche von einer Software – und so erfüllt auch nicht jede Software die Qualitätsanforderungen jedes Kundenkreises. Daher rät Johanna Rothmann zu einem genauen Blick auf die Zielgruppe: Was ist wichtig? Ein pünktliches Release? Oder eine breite Palette an Features?

Sie schätzt den Markt für kleinere Projekte eher so ein, dass schnelle Releases von Bedeutung sind. Mit der Vergrößerung des Kundenkreises, sollen die Features spezifischer werden und deren Palette sich vergrößern. Im Mainstream angelangt, so Rothman, zählt dann vor allem eins: Das jene Features, die man anbietet, auch funktionieren. Schnelle Releases bezeichnet sie zu diesem Zeitpunkt als weniger wichtigen Qualitätsfaktor. Daher rät sie Entwicklern, den Markt – und damit die Zielgruppe, für die sie entwickeln – immer im Auge zu behalten und die Realisierung des Projekts nach dieser „Vorgabe“ auszurichten.

Andere Standpunkte einnehmen

Dieser Punkt schließt nahtlos an den vorherigen an. Was findet der Manager des Projekts wichtig? User Experience! Johanna Rothman rät Entwicklern, diesen Faktor bei einer Präsentation ihres Projekts keinesfalls wegzulassen. Ein wichtiger Indikator dafür, dass diese gut oder weniger gut ist, findet sich schon im eigenen Team: Arbeiten die Kollegen gerne mit der Software? Wenn Entwickler sich nicht um Installation, Upgrades usw. im Team bemühen, dann würde die Software auch kaum Anwendung finden. In den Augen eines Managers ein Zeichen schlechter Qualität, so Rothman.

Fazit

Haben Sie beim Lesen des Artikels hier und da mal mit dem Kopf geschüttelt? Das muss nicht zwingend bedeuten, dass Johanna Rothman und Sie nicht auf einen Nenner kommen. Ganz im Gegenteil: Sie merkt sehr richtig an:

Quality is not one size fits all

Und so kann man nicht sagen, dass es sich bei den genannten Punkten um die ultimativen und einzigen Richtlinien für gute Qualität handelt. Sie zeigen aber auf, in welche Richtungen ein Entwickler denken kann und welche Faktoren er außerhalb des Codes beachten sollte, um die Qualität des Projekts zu verbessern.

Was meinen Sie? Wie kann man die Qualität der Software verbessern?

Aufmacherbild: quality concept von Shutterstock / Urheberrecht: Nenov Brothers Images

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Kypriani Sinaris
Kypriani Sinaris
Kypriani Sinaris studierte Kognitive Linguistik an der Goethe Universität Frankfurt am Main. Seit 2015 ist sie Redakteurin bei JAXenter und dem Java Magazin.
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