4-D-Druck, Hoverbike, Ice Bucket Challenge für Maker [M2M Minutes]

Redaktion JAXenter
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Studie: bis 2019 nutzen 69 Prozent der Verbraucher ein IoT-Gerät zuhause | erster 3-D-gedruckter Halswirbel implantiert | Neue Studie zu 4-D-Druck | Entwickler präsentiert kreative Version der Ice Bucket Challenge | Hoverbike: umgebauter Quadrocopter wird zum fliegenden Fahrrad

IoT-Heimgeräte bis 2019 Mainstream

Laut einer neuen Studie der Acquity Group, die zu Accenture gehört, werden 69 Prozent der Verbraucher bis zum Jahr 2019 ein IoT-Gerät in ihrem Haushalt verwenden. Aktuell kommen lediglich bei 4 Prozent der Verbraucher Geräte wie Thermostate oder Überwachungskameras zum Einsatz. Dieser Anteil soll sich laut der Studie bis Ende 2015 auf 13 Prozent erhöhen.

Auch werden voraussichtlich immer mehr Wearables, darunter Smart Watches und Fitness-Tracker, an den Mann und die Frau gebracht. Fast 50 Prozent der Verbraucher nennen bereits ein Gerät dieser Kategorie ihr Eigen oder erwägen, innerhalb der nächsten fünf Jahre eines anzuschaffen. Besonders beliebt seien tragbare Fitnessmesser: 22 Prozent der Befragten gaben an, entweder bereits ein solches Wearable zu besitzen oder sich bis 2015 eines zulegen zu wollen. Nur halb so viele wollen in eine elektronische Sicherheitsvorrichtung für ihr Zuhause investieren.

Am schlechtesten schnitten in der Studie vernetzte Kleidungsstücke und Heads-up Displays ab: Nur drei Prozent aller Teilnehmer der Studie planen, bis Ende 2015 ein solches Accessoire zu kaufen.

Ein weiteres Ergebnis der Studie: Männer sind IoT-Technologien gegenüber aufgeschlossener als Frauen. 19 Prozent der männlichen Befragten gaben an, schon einmal vom IoT gehört zu haben. Bei den weiblichen Teilnehmern waren es lediglich 8 Prozent. Vom Namen einmal abgesehen: Wenn es um den konkreten Einsatz von IoT-Technologien geht, ist diese „Gender Gap“ weniger frappierend: Immerhin 45 Prozent aller Verbraucherinnen möchten in den nächsten fünf Jahren ein Wearable erwerben. Bei den männlichen Verbrauchern sind es 53 Prozent. Fitnessgeräte sind bei Frauen sogar beliebter.

An der Studie mit dem Titel „2014 State of the Internet of Things Study“ nahmen 2.000 US-Amerikaner unterschiedlicher Altersgruppen und aus verschiedenen Regionen der USA teil.

3-D-Druck gegen Knochenkrebs

3-D-Drucker könnten künftig ganze menschliche Ersatzteillager produzieren: In Peking ist es Chirurgen erstmals gelungen, einem jungen Patienten mit Knochenkrebs einen 3-D-gedruckten Wirbel zu implantieren, wie CCTV berichtet. Der künstliche Knochen ersetzt den zweiten Wirbel in der Halswirbelsäule des zwölfjährigen Patienten. Im 3-D-Druckverfahren lasse sich ein viel originalgetreuerer Abguss des organischen Wirbels herstellen als bei traditionellen Methoden, berichtet der zuständige Arzt. Der Zustand des Patienten sei stabil.

Der 3-D-gedruckte Wirbel wird eingesetzt.

Transformers: 4-D-Druck = the next big thing?

Industrieller 3-D-Druck hat laut Gartner noch nicht einmal den Höhepunkt der Hypekurve erreicht, da bahnt sich schon der nächste Trend bzw. die vierte Dimension an: 4-D-Druck, ein Begriff, der schon länger kursiert, aber erst jetzt Gestalt anzunehmen scheint. 4-D-Druck bedeutet, dass bereits gedruckte Materialien ihre Form selbständig weiter verändern können. In einem TED-Talk liefert der 3-D-Druck-Spezialist Skylar Tibbits folgende Definition:

Die Idee hinter 4D-Printing ist, dass man von 3D-Printing mit verschiedenen Materialien ausgeht – man kann also mehrere Materialien verwenden – und eine neue Fähigkeit dazunimmt, die Transformation, sodass sich die Teile direkt und selbständig von einer Form zur anderen transformieren. Das ist wie Robotik ohne Kabel und Motoren. Man kann dieses Teil komplett drucken und es transformiert sich in etwas anderes. 

Wie man sich vorstellen kann, eröffnet diese intelligente Anpassungsfähigkeit von Materialien eine Vielzahl an Perspektiven. Tibbits nennt als Beispiel anpassungsfähige Infrastruktur, konkreter: Wasserleitungen, die sich selbständig an die Menge und Art des Wassers anpassen.

Zum Thema 4-D-Druck hat das Marktforschungsunternehmen Frost & Sullivan gerade eine Studie veröffentlicht. Die Analysten glauben, dass 4-D-Druck vor allem in vier Märkten eine tragende Rolle spielen wird: im Gesundheitswesen (Nanopartikel, Nanoroboter), im Automobilbereich, in der Luft- und Raumfahrt und im Militär-/Verteidigungssektor. Um die Entwicklung voranzutreiben, investiert der amerikanische Staat massiv in diesen Technologiezweig: Laut der Studie investiert die Forschungsabteilung der U.S. Army bereits in einige universitäre Einrichtungen, die zu dem Thema forschen.

Ein Schlüsselkonzept dieses neuen Technologietrends ist die Selbstassemblierung. Den hebt auch die Studie hervor: Miteinander kommunizierende physische Einheiten ordnen sich selbst nach einem vorgegebenen – programmierten – Formschema an. Oder, in Skylar Tibbits’ Worten:

Self-Assembly is a process by which disordered parts build an ordered structure through only local interaction.

Möglich also, dass wir in den nächsten Jahren eine Entwicklung von der Assembly Line, dem Fließband à la Henry Ford, zur Self-Assembly Line beobachten werden.

Die komplette Studie von Frost & Sullivan lässt sich als PDF herunterladen.

Skylar Tibbits: The Emergence of 4 D printing.

Ice Bucket Challenge für Maker

Nichts für Warmduscher ist eine Spendenkampagne, die sich derzeit viral verbreitet:  die „Ice Bucket Challenge“. Wenn Ihnen die allgegenwärtigen Bilder von Damen mit Wetlook-Frisur und harten Kerlen in nassen T-Shirts auf den Zeiger gehen, dann sicher nur deshalb, weil die Statusmeldungen und Tweets sich alle irgendwie ähneln. Die wenigen Perlen darunter fallen kaum ins Gewicht.

Eine beeindruckende Portion Kreativität und Bastelfreude hat der in Toronto lebende Entwickler und Maker Christopher Lewis in seine Interpretation der wohltätigen Eiskübeldusche-Aktion gesteckt: Dank Elektronik leert sich sein Eis-Eimer über ihm aus, ohne dass er einen Finger krümmen müsste. 

In einem Blogpost erläutert er ausführlich, welche Komponenten dabei zum Einsatz kamen: u.a. ein Arduino Uno und der Luftdruck- und Temperatursensor MPL115A2 von Adafruit. Über einen Schlauch zum Mund hat der Träger dieses Eiskübel-Rucksacks die Möglichkeit, den Luftdruck zu verändern – die Maschinerie reagiert.

Diese Spielerei ist nicht nur herrlich nerdig, sondern hat auch einen symbolischen Wert, den Lewis zu Beginn des Videos erläutert: Menschen mit der Nervenkrankheit ALS, denen diese Kampagne gewidmet ist, leiden u. a. an Muskelschwund, wodurch sich ihre Beweglichkeit nach und nach einschränkt. Lewis’ Variante der Ice Bucket Challenge, wenn auch etwas „over-engineered“ wird dem ursprünglichen Zweck der Kampagne damit gerechter als so manche prahlerisch dargestellte Pseudo-Mutprobe im Netz.

Hoverbike: Fliegendes Quadrocopter-Fahrrad

Chris Malloy hat das Rad neu erfunden – das Fahrrad. Seine Erfindung Hoverbike, unser Crowdfunding-Projekt der Woche, befindet sich auf der Zielgeraden ihrer Finanzierungskampagne. Oder sollte man eher sagen: im Landeanflug?

Viele werden sich an „Huvr“ erinnern, das vermeintliche Hoverboard, das ganz offensichtlich von „Zurück in die Zukunft“ inspiriert war. Das entsprechende Werbevideo, das sich Anfang des Jahres viral im Netz verbreitete, war natürlich ein Scherz. Aber so verfehlt scheint diese Vision gar nicht zu sein, wie das Hoverbike jetzt zeigt: Bei dem Kickstarter-Projekt handelt es sich zwar nicht um ein schwebendes Skateboard, aber – immerhin – um ein in waagerechter Lage fliegendes Fahrrad. Eigentlich steckt dahinter nur ein etwas umgemodelter Quadrocopter mit kleiner Ladefläche zwischen den vorderen und den hinteren Rotoren. Darauf kann beispielsweise ein menschlicher Passagier rittlings Platz nehmen – oder ein Roboter-Artgenosse (s. Bild).

Hoverbike

Nun, bislang ist das Frachtgewicht noch auf 4,7 kg begrenzt. Auch die Flugzeit ist batteriebedingt kurz: Ganz ohne Fracht und mit einem 12-Ah-Akku ausgestattet bleibt das fliegende Fahrrad maximal 20 Minuten in der Luft. Wieder einmal ist es die Batterie-Technologie, die dem Erfindungsgeist hoffnungslos hinterherhinkt und die Achillesferse einer ansonsten bahnbrechenden Innovation darstellt. Das scheint den Erfolg des Projekts allerdings nicht zu schmälern: Drei Tage vor Ende der Kampagne hat das Hoverbike die Ziellinie von 30.000 Britischen Pfund (37.700 Euro) schon fast zweifach überquert.

 

PSA: Statt der M2M Minutes lesen Sie nächste Woche auf JAXenter Berichte von der ersten Internet of Things Conference in Berlin. Stay tuned!

Internet of Things Conference

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