Eclipse Magazin: Auf der EclipseCon Europe hast du Ariadne vorgestellt. Worum handelt es sich?

Alex Lagarde: Ariadne [4] ist ein Open-Source-Tool, mit dem man technische Artefakte (Java-Code, Git-Repositories und Commits, Bugzilla Issues, Plug-in-Abhängigkeiten, Checkstyle- Konfiguration etc.) als Modelle darstellen kann. Es stellt auch Visualisierungsmechanismen zur Verfügung, mit denen man die eigenen Projekte aus der Vogelperspektive sehen kann.

Dadurch, dass man Ariadne mit Intent integriert, kann man Teile aus einem Intent-Dokument mit diesen technischen Artefakten verbinden. Wenn man z. B. den Ort des Git-Repositories ändert, in dem die Beispielprojekte abgelegt sind, zeigt Intent Synchronisationsprobleme in dem Teil des Dokuments an, der angibt, wo man Beispielprojekte auscheckt.

Das mächtigste Feature von Ariadne: Dadurch, dass man all diese technischen Artefakte miteinander verbinden kann, kann man komplexe Constraints schreiben. Man kann beispielsweise dafür sorgen, dass jeder Entwickler mit der richtigen Zielplattform arbeitet, den richtigen Checkstyle-Regeln und Mylyn-Konnektoren. Außerdem kann man bei jedem Git-Commit überprüfen, ob es ein Bugzilla Issue referenziert, automatisch API-Änderungen generieren etc.

Eclipse Magazin: Deine Session auf der EclipseCon war voll bis auf den letzten Platz – und das bestimmt nicht nur wegen des griffigen Titels. Glaubst du, dass Dokumentation in der allgemeinen Wahrnehmung an Bedeutung gewinnt?

Alex Lagarde: Absolut. Wie vorhin erklärt, versuchen immer mehr einflussreiche Leute Entwicklern einzuschärfen, wie wichtig Dokumentation ist – besonders in Open-Source-Projekten, in denen Transparenz und Beiträge von Außenstehenden von hohem Stellenwert sind. Deshalb wird das Interesse an Intent immer größer.

Die Eclipse Foundation ist, wie neulich angekündigt, darum bemüht, langfristig ihre Prozesse und Technologien zu verbessern, um die Hürde für Beiträge von Externen zu senken. In diesem Zusammenhang ist es wichtig, Tools und Prozesse zu definieren, mit denen aussagekräftige Contribution Guides geschrieben werden können. Ich bin davon überzeugt, dass Intent und Ariadne dabei helfen können.

Eclipse Magazin: Möchtest du uns verraten, was man von Intent 2013 erwarten darf?

Alex Lagarde: Am wichtigsten ist uns, dass Entwickler erkennen, wie nützlich und wie pflegeleicht Dokumentation ist und dass man damit Best Practices festhalten und Wissen teilen kann. Die Roadmap für Kepler [5] ist also ziemlich geradlinig: Erstens wollen wir für besseres Tooling sorgen: Wenn man z. B. eine Java-Klasse in die Dokumentation einfügt, soll automatisch ein Link zwischen der Dokumentation und der Klasse hergestellt werden. Wir wollen außerdem neue Quick-Fixes für die Aktualisierung der Dokumentation bereitstellen, Eclipse Views erstellen, in denen man sehen kann, welche Teile des Projekts gerade dokumentiert werden, und uns um neue Export-Formate (PDF, HTML Bootstrap usw.) kümmern.

Zweitens wollen wir an der CDO-Unterstützung arbeiten und drittens an der Integration mit Ariadne, da wir wissen, dass die Möglichkeit, Code zu synchronisieren, das in der Eclipse-Community begehrteste Feature ist.

Auch wenn wir eine klare Vision vor Augen haben: Intent ist ein Open-Source-Projekt, und wir sind jederzeit bereit, Features zu verschieben, um auf den Bedarf der Community einzugehen. Zögern Sie also nicht, uns im Intent-Forum [6] mit Fragen, Ideen und Feedback zu überschwemmen…

Es wartet noch viel Arbeit auf uns in diesem tollen Projekt, und wir freuen uns über externe Beiträge und neue Committer. Ich bin überzeugt, dass Intent das Werkzeug der Zukunft für die Dokumentationsverwaltung ist.

Alex Lagarde ist Softwareingenieur bei Obeo. Er arbeitet am Obeo Designer, einer Tooling Factory für das grafische Design von Diagrammen, Tabellen, Matrizen, Bäumen etc. für domänenspezifische Modeling-Ansätze. Außerdem beschäftigt er sich mit den kollaborativen Aspekten modellgetriebener Prozesse, bei denen er EMF-Technologien wie CDO oder EMFTransaction verwendet. Wegen seines persönlichen Interesses an Dokumentationsprozessen und „Literate Programming“ übernahm er die Leitung des Mylyn-Intent-Projekts.

Twitter: @alex_lagarde

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