Vorbereitet ins Vorstellungsgespräch

3 Fragen, mit denen Entwickler beim Bewerbungsgespräch rechnen müssen

Kypriani Sinaris

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Bewerbungsgespräche sind wie Blind Dates: Wie wird die Person sein, der man begegnet? Worauf legt das neue Unternehmen wert? Was sollte man besser nicht ansprechen? Um Stolperfallen zu umgehen, versucht man sich da auf alle möglichen Fragen vorzubereiten. Bleiben Sie ruhig – wenn Sie Antworten auf die folgenden Fragen vorbereiten, dann sollte nicht mehr allzu viel schiefgehen.

Die technischen Skills

Der Entwickler und Blogger Javin Paul hat 50 Fragen für Telefoninterviews (inklusive möglicher Antworten) zusammengetragen, denen sich angehende oder auch schon etwas erfahrenere Entwickler stellen müssten. Sehr wahrscheinlich sind für ihn Fragen wie: Wie lange dauert es, um ein Element abzurufen, das in HashMap, einem binary tree und einer linked list gespeichert ist? Wie ändert sich das bei einer wachsenden Zahl an Einträgen? Was ist der Unterschied zwischen „Overriding“ und „Overloading“? Was ist der Unterschied zwischen dem Forking und dem Spawning eines Threads?

Speziell für die Java-Entwickler könnten folgende Fragen auftauchen: Warum sind Strings in Java unveränderlich? Kann eine abstrakte Klasse einen Konstruktor in Java haben? Welche zwei Methoden werden von einem Objekt überschrieben, um als Key in HashMap genutzt zu werden?

Neben solchen spezifischen Fragen, können natürlich auch allgemeinere Fragen nach aktuelleren Projekten gestellt werden. Denn es ist wichtig, dem Bewerber erst einmal die Möglichkeit zu geben, Projekte zu beschreiben, auf die er besonders stolz ist. Aber nicht nur Erfolge, sondern auch Misserfolge gehören zum Arbeitsalltag dazu. Daher sollte ein Bewerber auch mal offen zugeben, wann etwas schief gelaufen ist, vor allem, um herauszustellen, was er aus diesem Misserfolg gelernt hat, welche Tools er vielleicht nicht mehr nutzen würde oder wo eine Sprache versagt hat.

Kolumnist Andrew Oliver stellt die Wichtigkeit analytischen Denkens beim Bewerbungsgespräch heraus: Nehmen wir an, Sie haben eine Webapplikation gebaut, die den Kunden die Connection verweigert. Wie würden Sie vorgehen, um das Problem zu diagnostizieren und zu lösen? Dabei muss der Bewerber gar nicht die „richtige“ Antwort kennen, es geht vielmehr darum, Gedankengänge zu diskutieren. Außerdem werden hier wohl auch ein paar Keywords fallen: Welche Diagnose-Tools favorisiert der Bewerber? Wie geht er für die Lösung des Problems vor?

Die Social Skills

Viele Bewerbungsgespräche enthalten auch etwas „softere“ Fragen, in denen der Bewerber seine Interessen und seine Motivation darstellen kann. Forbes listet 5 Fragen, die einen Entwickler erwarten können, aber keine spezifischen Techie-Fragen sind:

  • Schildern Sie das letzte Mal, dass Sie einer Person, die nicht aus dem technischen Umfeld kommt, mit einem technischen Problem geholfen haben? An dieser Frage kann man nicht nur ablesen, ob ein Bewerber auch die Probleme von Personen mit nicht-technischem Hintergrund versteht, sondern auch, wie er für eine umfassendere Erklärung vorgehen würde.
  • Haben Sie mit der QA zusammengearbeitet? Wie hat Ihnen das gefallen, was würden Sie ändern? Unterschiedliche Abteilungen – unterschiedliche Interessen. Daher ist es immer spannend zu erfahren, wie ein Entwickler zu der Zusammenarbeit mit QA – oder alternativ auch mit Designern oder den Projektmanagern – steht.
  • Haben Sie mit Kundenkontakt gearbeitet? Wenn soziale Skills irgendwo besonders gefragt sind, dann in der Interaktion mit den Kunden. Hier geht es schließlich nicht nur um den Service-Gedanken, schließlich ist eine freundliche, offene Art auch für die Vermarktung eines Produkts nur von Vorteil.
  • Welche Hobbies haben Sie? Wenn es ums Fachliche geht – seien wir mal ehrlich –, dann versuchen Bewerber natürlich, sich von ihrer besten Seite zu zeigen, sprich: Sie geben vielleicht hier und da eine Passion vor, die in Wirklichkeit nicht ganz so ausgeprägt vorliegt. Fragt man den Bewerber aber nach seinen persönlichen Hobbys, so ergibt sich hier eine gute Möglichkeit, die Person hinter der Fassade kennen zu lernen.
  • Was mögen Sie an Ihrer aktuellen Arbeitsumgebung und was mögen Sie nicht so besonders? Diese Frage enthält einige Stolperfallen für den Bewerber. Mittlerweile hat sich wohl herumgesprochen, dass es keine gute Idee ist, über seinen aktuellen Arbeitgeber zu lästern. Die Art und Weise, wie aber über die aktuelle Situation gesprochen wird und mit welcher Energie der Bewerber an die neue Stelle herangeht, gibt einen guten Einblick in seine Persönlichkeit.

Die methodischen Skills

Neben den technischen und den sozialen Talenten des Bewerbers ist es auch interessant zu erfahren, wie er bei der Lösung von Problemen vorgeht. Dabei kann nicht nur ein konkretes Problem diskutiert werden. Es geht vielmehr um die Herangehensweise: Neben der Erarbeitung einer Lösung sollte der Bewerber auch die Pro- und Contra-Punkte seiner gewählten Lösung herausarbeiten können. Die methodischen Skills bewegen sich irgendwo zwischen den sozialen und technischen Kompetenzen des Bewerbers, schließlich bilden sie zum einen ab, welche Tools oder Methoden er zur Lösung eines Problems wählt, zum anderen zeigt die Herangehensweise auch viel über den Charakter des Bewerbers. Ein paar Beispiele für mögliche Fragen bietet dieser Post.

Fazit

Von einem Entwickler wird nicht nur erwartet, dass er sauberen Code schreibt und über aktuelle Trends informiert ist. Bewegungen wie DevOps oder Agile zeigen, dass es immer wichtiger wird, Persönlichkeit zu zeigen, kommunikativ und flexibel zu sein. Daher fragen Unternehmen auch immer stärker nach den sozialen und methodischen Skills der Bewerber. Also, geben Sie ruhig etwas mehr von Ihrem Charakter preis – schließlich ist Persönlichkeit genau das, was viele Unternehmen suchen.

Aufmacherbild: Telephone, Red, Telephone Receiver. von Shutterstock / Urheberrecht: www.BillionPhotos.com

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Geschrieben von
Kypriani Sinaris
Kypriani Sinaris
Kypriani Sinaris studierte Kognitive Linguistik an der Goethe Universität Frankfurt am Main. Seit 2015 ist sie Redakteurin bei JAXenter und dem Java Magazin.
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1 Kommentar auf "3 Fragen, mit denen Entwickler beim Bewerbungsgespräch rechnen müssen"

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Oliver
Gast

Eine Personalerin hat mir erst neulich mitgeteilt, dass persönliche Fragen (wie die nach Hobbies) eigentlich rechtlich nicht zulässig sind. Statt direkt zu fragen, kann man sie ja aber rauskitzeln im Sinne von „Was machen Sie, um Stress nicht mit nach Hause zu nehmen?“