"2013 war unspektakulärer als ursprünglich erwartet"

Lars Röwekamp
©Shutterstock.com/Sergey Nivens

Das Java-Jahr 2013 war aus meiner Sicht unspektakulärer als ursprünglich erwartet. Sowohl Java 8 als auch Java EE 7 wurden in ihren Features deutlich beschnitten. Modularisierung, Mandantenfähigkeit, Cloud-Support und etliche andere Super-Hype-Marketing-Slogan sind auf dem Weg zur Realisierung der beiden JSRs Schritt für Schritt weggefallen.  Was zunächst eher ärgerlich schien, ist aus jetziger Sicht ein Gewinn, denn das, was am Ende released wurde hat Hand und Fuß. Die weggefallenen Konzepte dagegen waren wenig ausgereift und hätten somit keinen wirklichen Mehrwert geschaffen sondern der Java Plattform eher geschadet. Man mag Oracle als neun „Java Schirmherr“ mögen oder nicht, aber hier haben sie auf jeden Fall alles richtig gemacht. 

Als Vertreter des Enterprise-Umfeldes war für mich insbesondere das Zusammenwachsen von HTML 5 & Friends und Java Enterprise interessant zu beobachten. Dank verbesserter Unterstützung von JavaScript, JSON, WebSockets und Co. lassen sich mit Java EE 7 extrem benutzerfreundliche und gleichzeitig performante Enterprise-Web-Anwendungen realisieren. Wünschenswert wäre hier nur, dass den Web-Entwicklern und JavaScript Gurus endlich der Stellenwert in Projekten zugesprochen wird, der ihnen zusteht. 

Spannend – auch für die Zukunft – ist in der Enterprise-Java-Welt sicherlich auch die Positionierung von Oracle bzgl. seiner App-Server Strategie. Nachdem zumindest in Deutschland etliche Firmen auf den Glasfish Server gesetzt haben, scheint dies nach der Einstellung des professionellen Supports keine wirkliche Alternative mehr zu sein. Laut Oracle soll das Produkt zwar auch weiterhin gepflegt werden, wenn man sich aber die Anzahl der Maintenance-Releases seit erscheinen der Referenzimplementierung von Java EE 7 anschaut – faktisch 0.0 – ist ein produktiver Einsatz des Servers mittelfristig zumindest fraglich. Eine riesen Chance für den JBoss Server WildFly, wenn man es rechtzeitig schafft, eine stabile Version an den Start zu bringen. 

Ach ja, und dann ist da ja noch die Rückkehr meiner persönlichen Hassliebe Java ME bzw. Embedded Java. Natürlich nicht auf dem Smartphone oder Tablet sondern eher im Bereich des Wachstumsmarktes Machine-to-Machine. Das wird ein super spannendes Thema für 2014/2015. Ich glaube, ich rufe gleich einmal meinen alten Freund Kay Glahn an und wir machen dort weiter, wo wir vor 10 Jahren – völlig frustriert – aufgehört haben …

Dieser Beitrag stammt aus der Serie „Kaffeesatz lesen: Best of Java 2013“. Jeden Tag öffnen wir ein neues Türchen in diesem Jahresrückblick und lassen so langsam dieses spannende Jahr mit Ihnen ausklingen.

Aufmacherbild: Back view of businessman looking at collage drawing von Shutterstock / Urheberrecht: Sergey Nivens

Geschrieben von
Lars Röwekamp
Lars Röwekamp
Lars Röwekamp ist Gründer des IT-Beratungs- und Entwicklungsunternehmens open knowledge GmbH, beschäftigt sich im Rahmen seiner Tätigkeit als „CIO New Technologies“ mit der eingehenden Analyse und Bewertung neuer Software- und Technologietrends. Ein besonderer Schwerpunkt seiner Arbeit liegt derzeit in den Bereichen Enterprise und Mobile Computing, wobei neben Design- und Architekturfragen insbesondere die Real-Life-Aspekte im Fokus seiner Betrachtung stehen. Lars Röwekamp, Autor mehrerer Fachartikel und -bücher, beschäftigt sich seit der Geburtsstunde von Java mit dieser Programmiersprache, wobei er einen Großteil seiner praktischen Erfahrungen im Rahmen großer internationaler Projekte sammeln konnte.
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