Ein Magazin feiert seinen 20. Geburtstag

Happy Birthday Java Magazin: 20 aufregende Jahre – Autoren und Wegbegleiter berichten

Redaktion JAXenter
Java

© Shutterstock.com / Maksim Kabakou

Während wir in der Redaktion ein wenig in Melancholie schwelgen, haben sich einige unserer Autoren, Wegbegleiter und Unterstützer Gedanken zu den bewegendsten Moment der letzten 20 Jahre gemacht. Zusammen werfen wir einen Blick zurück auf beeindruckende Momente und widmen uns der Frage, was sich in dieser ganzen Zeit verändert hat.

Java – Eine Erfolgsgeschichte mit Höhen und Tiefen

Modern Talking feiern ihr Comeback, das Schweinsohr wird Pilz des Jahres und der 1. FC Kaiserslautern wird Deutscher Meister. 1998 war ein mehr als bewegendes Jahr. Auch für die IT-Welt. Denn hier tut sich gerade so Einiges. Von Menlo Park aus ist vor wenigen Monaten das noch unbekannte Unternehmen „Google“ online gegangen, der iMac kommt auf den Markt und Java entwickelt sich gerade Lingua Franca. Grund genug, der Programmiersprache – die damals gerade in der Version 1.2 erschienen war – ein eigenes Heft zu widmen: Das Java Magazin.

Vor 20 Jahren kam die erste Ausgabe frisch aus der Druckerpresse. Seither ist viel passiert. Bei uns, bei unseren Autoren, Mitstreitern und Unterstützern. Inzwischen ist Java aus der IT-Welt nicht mehr wegzudenken. Wir haben nachgefragt:

Was war dein persönlich am meisten beeindruckender Java-Moment in den letzten zwanzig Jahren, und was hat dein Bild des Java-Ökosystems seitdem am nachhaltigsten geprägt oder gar verändert?

Experte für Enterprise Java und Systemintegration. @thfro

Thilo Frotscher

Es gibt für mich nicht den einen Moment oder das eine Ereignis. Was mich an Java am meisten beeindruckt, ist die ständige Innovation, die nun schon zwanzig Jahre lang anhält. Natürlich gibt es viele Stimmen, die genau das Gegenteil behaupten und anführen, dass andere Sprachen wesentlich innovativer seien. Was ich jedoch meine, ist nicht nur die Sprache selbst, sondern das komplette Ökosystem um die Sprache herum. Hier geschieht unwahrscheinlich viel Innovation, und es fällt wirklich schwer, auch nur einigermaßen Schritt zu halten.

Unabhängiger Technologieberater Mobile Applications und Services.

Kay Glahn

Am nachhaltigsten geprägt hat mein Bild des Java-Ökosystems die Veröffentlichung der Java Micro Edition für den Palm Pilot im Jahr 1999. Für mich hat damit das Zeitalter der mobilen App-Entwicklung begonnen. Hierüber habe ich damals in der Ausgabe 6.1999 des Java Magazins in dem Artikel „Java im Taschenformat“ ausführlich berichtet. Obwohl es auch vorher schon Anwendungsplattformen für mobile Endgeräte gab und selbst Java bereits davor in Konzeptstudien auf mobilen Endgeräten eingesetzt wurde, war dies für mich persönlich der Startschuss für die App-Entwicklung und somit der Vorgänger moderner Android- und iOS-Apps, wie wir sie heute kennen und täglich nutzen. Auf diese Weise hat mich der Java-Pfad zu meinem Beratungsschwerpunkt im Bereich mobile Apps und Services geführt.

Freiberuflicher Softwareentwickler.

Arno Haase

Ein großes Highlight war für mich, als ich mir vor einigen Jahren die Optimierungen von HotSpot in der Tiefe angesehen habe. Eine Counter-Klasse mit mehrstufiger Vererbung und Delegation wird dank Escape Analysis und spekulativem Inlining in genauso effizienten Maschinencode übersetzt wie eine einfache int-Variable in C – das hat mich beeindruckt.

Seit mehr als 25 Jahren in der IT tätig, CTO der Crossbow GmbH.
@malagant

Michael Johann

Anfangs lagen meine Hoffnungen noch auf der Sprache Java und dem Versprechen „Write once, run anywhere“. Schnell wurde klar, dass dies gerade im Bereich der Application Server nur bedingt funktionierte. Was mir nach vielen Jahren der reinen Java-Programmierung negativ auffiel war, dass inzwischen viele Entwickler anderer Camps immer mehr mit dynamischen oder gar funktionalen Sprachen programmierten und Java hier nicht im Ansatz Mittel und Wege kannte, um beispielsweise Lambdaausdrücke zu unterstützen.

Die Produktivität bei der Java-Programmierung hatte in meinen Augen 2008 einen Tiefpunkt erreicht. Zudem hatte ich den Eindruck, dass die breite Masse an Java-Entwicklern kein Interesse an neuen Konzepten und gesteigerter Produktivität hatte. Dies hat sicher auch mit der damals herrschenden Unternehmenskultur zu tun. Zugegeben, wer konnte damals immer mit der neuesten Java-Version arbeiten?

Dies führte letztlich dazu, dass ich 2011 aufhörte, meine Dienste im Bereich Java-Enterprise anzubieten. Ein Schritt, den ich mir zuvor nie hätte träumen lassen, der mir aber viel mehr Zufriedenheit verschaffte. Heute arbeite ich mit vielen verschiedenen Programmiersprachen und Tools, hauptsächlich Ruby on Rails, JavaScript, React/Redux und Swift.

Trainer, Consultants, zusammen Ko-Autoren mehrerer Bücher.

Dr. Angelika Langer und Klaus Kreft

Zwanzig Jahre sind eine lange Zeit. Da neigt der Mensch dazu, weit entfernte Ereignisse zu vergessen und die kürzer zurückliegenden Begebenheiten deutlicher in Erinnerung zu haben. So geht es auch uns. Für uns war Java 8 das Highlight von Java. Es war nach der Übernahme von Sun Microsystems durch Oracle das Signal, dass Java nicht tot ist – wie manche schon prophezeit hatten – sondern dass es mit Java weitergeht.

Ist Principal Consultant bei innoQ.
@bitboss

Michael Plöd

Ich denke es ist schwer, diese Frage auf nur einen großen Moment zu reduzieren. Retrospektiv würde ich sagen, dass die Etablierung von Open Source als Haupttreiber für mich die nachhaltigste Entwicklung im Java-Ökosystem ist. Heute ist so ziemlich alles im Java-Umfeld Open Source, und wenn man sieht, welchen Einfluss einst junge wilde Open-Source-Projekte wie Hibernate oder Spring auf die derzeitige Java-Welt innerhalb oder außerhalb offizieller JSRs hatten, dann ist das eine große Errungenschaft. Ohne Open Source geht in der Java-Welt nichts mehr, und das ist eine sehr gute Entwicklung.

Fellow bei innoQ, seit mehr als fünfzehn Jahren Architekt und Berater.
@ewolff

Eberhard Wolff

Ein wichtiger Moment war, James Gosling persönlich zu treffen – ohne ihn gäbe es Java einfach nicht, und er ist eine beeindruckende Persönlichkeit. Das Wichtigste am Java-Ökosystem sind aber die gesamte Community und alle Personen in der Community. Ich persönlich habe der Java-Community insgesamt und insbesondere der Spring-Community sehr viel zu verdanken. Alle diese positiven Erfahrungen mit der Community prägen mein Bild des Java-Ökosystems.

Ist mit embarc unterwegs. Blickt auf zwanzig Jahre IT-Erfahrung zurück und stets gespannt nach vorn.
@StefanZoerner

Stefan Zörner

Bezüglich Neuigkeiten in Java habe ich mich lange Zeit am JCP (Java Community Process) und seinen JSRs orientiert. Und dann waren plötzlich unabhängige Open-Source-Projekte die eigentlichen Innovatoren der Java-Welt, und nicht mehr Firmen wie IBM oder damals noch Sun. Spring und Hibernate trieben Standard Java EE (damals noch J2EE) vor sich her und setzten die Impulse. Der eine Moment ist für mich das Erscheinen des Buchs „J2EE Development without EJB“ im Jahr 2004. Aus Sicht der Standardisierungsjünger pure Ketzerei, ist sein Autor Rod Johnson rückblickend eine Art Java-Luther geworden. Open Source ist meiner Ansicht nach weiterhin Innovationstreiber der Java-Welt (z. B. der Netflix-Stack). Mehr und mehr beobachtet man allerdings Projekte, die nicht in Java geschrieben sind (z. B. Ansible in Python, RabbitMQ in Erlang).

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