Interview mit Dirk-Willem van Gulik auf der ApacheCon Europe 2019

20 Jahre Apache Software Foundation: „Wir sind von Open-Source-Foundations umgeben, die keine Community sind“

Katharina Degenmann

Die ApacheCon Europe steht in diesem Jahr unter einem ganz besonderen Zeichen: Die Apache Software Foundation (ASF) feiert ihr 20-jähriges Bestehen! Wir sprachen mit Gründungsmitglied, ehemaligen Präsident and Board Member der Apache Software Foundation Dirk-Willem van Gulik über den Werdegang der ASF, ihr Erfolgsgeheimnis und die spannendsten Projekte.

JAXenter: Wie bist du bei der ASF gelandet und was machst du heute?

Dirk-Willem van Gulik: Eigentlich bin ich nicht bei der ASF ‚gelandet‘ – ich bin einer ihrer Gründungsmitglieder 🙂 Als ich in den 90er Jahren für die Europäische Kommission in Italien arbeitete, musste ich für ein Projekt diverse Satellitenbilder aus unterschiedlichen Jahren miteinander vergleichen. Technologisch war das alles ziemlich schwierig, da die notwendigen Technologien noch nicht so fortgeschritten waren, beispielsweise gab es keine Container-Technologie. Wer mit Computer und Software arbeitete, musste sich alles Stück für Stück bzw. händisch aufbauen.

Später habe ich durch eines dieser Projekte von Datenservern erfahren – Webserver waren damals nicht wirklich zu gebrauchen und waren darum nicht viel im Einsatz. Datenserver hingegen machten die Daten zugänglicher. Sie haben es mir ermöglicht, meine Satellitenbilder einfacher zu kombinieren. Unter anderem auch der NCSA HTTPd Webserver – der später auch die Grundlage für den Apache HTTP Webserver lieferte. Diesem fügten wir einige Features hinzu und so entstand der Apache Webserver.

Dann geschah etwas großartiges. Robert McCool und Elisabeth Frank waren die Hauptentwickler des NCSA HTTPd Webservers, auf dem unser Server aufbaute. Sie verließen die Universität in Amerika und arbeiteten mit uns an der Entwicklung des Apache HTTP Webservers. Ich weiß noch, wie wir dachten: „Was passiert hier gerade – die Leute, die die Software entwickelten und die wir alle nutzten, haben zu uns, einer nicht-kommerziellen Firma, gewechselt. Nun waren wir eine Gruppe von Wissenschaftlern, Entwicklern und Studenten, die an diesem Server arbeiteten und aus diesen Leuten wurde dann die Apache Group.

Sie stellten uns die simple Frage: „Ihr nennt euch die Apache Group, aber wer seid ihr eigentlich?“

Nach und nach stießen immer mehr Leute zu uns, um gemeinsam an der Erweiterung des NCSA HTTPd Servers bzw. des Apache Webserver mitzuarbeiten. Durch die Resonanz zeigten auch die großen Player wie IBM Interesse an der Apache Group, doch wir waren mit zwei Grundsatzentscheidungen konfrontiert. Erstens, sind und wollten wir kein kommerzielles Unternehmen sein, sondern ein Bündel von Entwicklern, denen es vor allem um die Community geht. Der zweite Aspekt kam eher aus der Richtung der IBM-Juristen. Sie stellten uns die simple Frage: „Wer seid ihr Typen eigentlich – ihr nennt euch die Apache Group aber wer seid ihr?“ Das war ein guter Punkt. Es gab keine rechtlichen Grundlagen, es gab keine Vereinbarung – wir waren einfach nirgends verwurzelt. Das haben wir dann schrittweise nachgeholt: Wir haben die Lizenz und alle Ansprüche an der Software formalisiert und so wurden zur Apache Software Foundation. Das war der Anfang von allem.

JAXenter: An welchem Projekt arbeitest du derzeit am häufigsten und was sind Deine spannendsten Aufgaben bei der ASF?

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Dirk-Willem van Gulik: Heute bin ich nicht mehr am Apache Webserver beteiligt. Die meiste Zeit gehe ich meiner professionellen Arbeit nach. Ich unterstütze Unternehmen, die sich mit großen technischen Herausforderungen konfrontiert sehen. Meine Arbeit bei der ASF dreht sich viel mehr um die Kultur der ASF und die Kultur des Internets bzw. des World Wide Webs. Es geht dabei vor allem um die Frage, wie die Technologie zu einem Teil unserer Gesellschaft wird oder zu einer wichtigen Infrastruktur der Gesellschaft, wie Demokratie und wie Kommunikation in dieser Hinsicht funktionieren.

JAXenter: Was war oder ist Deiner Meinung nach das spannendste Projekt der ASF?
Dirk-Willem van Gulik: Einen Moment, an den ich mich besonders erinnere, ist also wir Gespräche mit IBM führten und es danach in San Francisco eine große Konferenz gab – damals hatte ich frisch bei der Apache Software Foundation begonnen. Eine Woche danach wurden wir auf eine Konferenz von Oracle eingeladen und ich hielt einen kurzen Vortrag. Dort gab es Pressevertreter, die uns zuriefen : „Oh, ihr seid diese Typen der Apache Group – ihr seid doch Oracle’s Bitch und tut, was Oracle von euch verlangt“. Bei der nächsten Konferenz hieß es: „Oh, ihr seid IBM’s Bitch, die du tun, was immer IBM will und drei Wochen später hieß es: „Du wirst doch von Microsoft“ bezahlt. Während dieser Zeit mit diesen drei riesigen Firmen in Verbindung gebracht zu werden, die zudem noch die größten Feinde waren, signalisierte uns, dass wir eine sehr gute neutrale Arbeit leisten. Und dann bekamen wir eine Menge Projektangebote von all diesen Unternehmen.

Unser Motto lautete schon immer: „Community over Code!“

JAXenter: Kannst du uns eine kleine Vorschau geben – welche Pläne hat die ASF für 2020?

Dirk-Willem van Gulik: Für das nächste Jahr ist nichts Besonderes geplant. Das Wichtigste ist für uns, dass die Community die Botschaft erhält, dass wir sicherstellen, dass sie sich auf ihre Projekte konzentrieren können. Wenn man sich umsieht, merkt man schnell, dass wir von Open-Source-Foundations umgeben sind, die keine Community sind. Sie werden von Unternehmen geleitet oder Unternehmen erstellen Open-Source-Code, der unter ihrer Kontrolle steht.

Für das nächste Jahr sollten wir die Nachricht verbreiten: „Was auch immer mit der Apache Software Foundation passiert, es ist Dein Code!“ Unser Motto lautete schon immer: „Community over Code!“

JAXenter: Welche Wünsche hast du für die ASF?

Dirk-Willem van Gulik: Der wichtigste Wunsch ist, dass wir unabhängig bleiben. Wir wollen ein Ort sein, an dem Menschen und Code sich sicher fühlen. Entwickler brauchen ihren Raum und Technologien sollten gepflegt werden – und das sollte über einen längeren Zeitraum tun können!

JAXenter: Vielen Dank für das Interview!

Dirk has been into open source for over 35 years as an internet engineering. He has worked for the Joint Research Centre of the European Commission, the United Nations, telecommunications firms, the BBC, national satellite&space agencies and founded several startups. He participated in international standards bodies, such as the IETF and W3C on metadata, GIS, PKI, Security, Architecture and Internet standards.

He has worked on Apache since the early days of the NCSA and help define what is now commonly referred to as `open source’ software. He helped created (and was the first president of) the Apache Software Foundation.

During the first startup boom – Dirk build the initial engineering team at Covalent, as VP of Engineering and was instrumental in the first two rounds of venture capital funding in San Francisco. Dirk-Willem was one of the Founders of Asemantics, a leader in Enterprise Information Integration; which helped make the Semantic Web, and standards such as RDF, a reality. He then initiated Joost.com, a peer to peer based video and build and lead the team that created the worlds first instant play P2P viewer and a back office system with user profile driven advert targeting and payment settlements. He was the Chief Technical Architect at the BBC where has helped shape the audience facing delivery platform Forge in the time for the Olympics. And where he made open standards, information security and compliance a core enabler for business processes. He currently works on several medical and privacy intensive security projects with a heavy emphasis on Architecture and Governance. Dirk firmly believes in the Digital Public Space as a key part of civil society – and tries to build small building blocks such as redwax.eu. When not at work, he loves to sail, hang out at the london hackspace or play with his lego.

Geschrieben von
Katharina Degenmann
Katharina Degenmann
Katharina ist hauptberuflich hilfsbereite Online- und Print-Redakteurin sowie Bücher- und Filme-Junkie. Nebenbei ist sie Möchtegern-Schriftstellerin, die heimlich hofft, eines Tages ihr Geld als Kaffee-Testerin zu verdienen. Seit Februar 2018 arbeitet sie als Redakteurin bei der Software & Support Media GmbH, davor hat sie Politikwissenschaft und Philosophie studiert.
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