Internet of Things Day & Night auf der JAX 2014

16 Stunden für das Internet der Dinge [M2M Minutes: JAX Special]

Redaktion JAXenter
© S&S Media

Volles Programm, volle Säle: Selten ging es auf einem Special Day der JAX so lebhaft zu wie beim diesjährigen Internet of Things Day. Nach den vielfältigen Vorträgen tagsüber fand nicht nur eine IoT-Keynote wie auf der JAX 2013 statt, sondern auch wieder eine IoT Night zum Erleben, Hacken und Mitmachen wie auf der W-JAX 2013. Von der ersten Morgensession bis zum letzten Roboter-Duell tief in der Nacht drehte sich alles um IoT-Technologien – beinahe 16 Stunden lang.

Vom allgemeinen Einstieg in die Thematik am Morgen über IoT-Protokolle wie MQTT oder CoAP am frühen Nachmittag bis hin zur Smartwatch mit Java SE 8 am Abend deckte der IoT Day ein breites Spektrum an Themen, Technologien und Trends ab. Viele der Teilnehmer besuchten den Track von früh bis spät. Im Anschluss an die Sessions umringten Scharen von Zuhörern die Referenten, um interessierte Fragen zu stellen. Die Säle waren durchgängig prall gefüllt. Der Vortrag über Eclipse SmartHome wurde sogar wiederholt, um den Platzmangel zu kompensieren.

Das alles ist wenig verwunderlich, tritt das Internet der Dinge doch Tag für Tag ein Stück mehr ins Bewusstsein von Entwicklern, Unternehmen und Privatkunden. Pro Sekunde werden aktuell 80-100 neue Geräte ans Internet angeschlossen, wie Christian Götz (dc-square GmbH) in seiner Session über die Protokolllandschaft das JAX-Publikum informierte. Zudem experimentieren immer mehr Entwickler mit offener Hardware wie dem Arduino, dem Raspberry Pi oder anderen Hardwareplattformen wie Electric Imp oder Spark Core, im Vortrag von Sven Haiges (hybris AG) zwei der Protagonisten.

„Software isn’t the hardest part“

Embedded-Software, leichtgewichtige Protokolle und preisgünstige Hardware inspirieren die Technologie-Start-up-Szene. Allerdings sind Internet-of-Things-Produkte weit mehr als die Summe ihrer Einzelteile. Das weiß jeder, der schon einmal eine Produktidee über Kickstarter oder Indiegogo schwarmfinanzieren wollte. Da gilt es nicht nur, die Idee technisch zu implementieren und selbst von ihr überzeugt zu sein; mindestens genauso wichtig ist es, ein genaues Bild von der Zielgruppe zu haben, Hardware und User Experience ansprechend zu gestalten sowie Vertrieb, Marketing, E-Commerce und vieles mehr zu koordinieren. Wer aus IoT-Technologien ein Geschäftsmodell entwickeln möchte, der muss entweder ein Multitalent sein oder mit den richtigen Partnern zusammenarbeiten. Nur so gelangt man von der Idee zum fertigen Produkt, „from zero to hero“.

Den langen, beschwerlichen und kostspieligen Weg vom ersten Geistesblitz bis zum marktreifen IoT-Produkt nahm Alexandra Deschamps-Sonsino (Twitter: @iotwatch) in ihrer Abend-Keynote „The next five years of the Internet of Things“ in den Fokus. „Der schwierigste Teil ist nicht die Software“, konstatierte die in London lebende Produktdesignerin, Unternehmerin und frühere Studentin des Arduino-Erfinders Massimo Banzi. Auf einer Software-Konferenz wie der JAX, deren Referenten und Teilnehmer mit selbstbewussten Slogans wie „Entwickler sind die neuen Königsmacher“ die Emanzipation der Softwareentwickler feiern, wählte sie mit dieser These nicht gerade den Weg des geringsten Widerstandes. Dass das Publikum dennoch zustimmend lächelte, nickte und twitterte, überraschte allerdings nicht. Denn die lehrreichen Erfahrungsberichte der jungen Gründerin frankokanadisch-italienischer Herkunft, die mit humorvollen Anekdoten und Pointen gespickt waren, überzeugten auf ganzer Linie – und stimmten vielleicht manch einen Zuhörer demütig. Die Beobachtung, dass „die besten Produktideeen von Softwareentwicklern stammen“, dürfte indes ein Ansporn gewesen sein. Ein Interview mit der Speakerin wird demnächst hier auf JAXenter zu sehen sein.

Alexandra Deschamps-Sonsino: "Software is your friend"

[ header = IoT Night: Das Reich des Homo ludens ]

IoT Night: Das Reich des Homo ludens

Der Dichter Friedrich Schiller trug nicht nur den Text zur „Ode an die Freude“ bei, die Vorlage für das diesjährige Konferenz-T-Shirt. Aus seiner Feder stammt auch ein Satz, der die Atmosphäre der IoT Night treffend beschreibt: „Der Mensch spielt nur, wo er in voller Bedeutung des Wortes Mensch ist, und er ist nur da ganz Mensch, wo er spielt“. Das erklärt, weshalb selbst nach einem zwölfstündigen Tagesprogramm der Anblick von „Sharky“, AR.Drone, NAO-Robotern und LEGO-MINDSTORMS-Baukästen noch kreative Energie freisetzt und für leuchtende Augen sorgt. Selbst den rationalsten Technokraten kann dies nicht kalt lassen. Denn auch wer über infantile Begeisterung für Gadgets im Allgemeinen die Nase rümpft, muss zugeben, dass ein ausgeprägter Spieltrieb doch häufig Motor technischer Innovationen ist. Den besten Eindruck von der ausgelassen-arbeitsamen Stimmung vermitteln die folgenden Bilder.

Die IoT Night fand diesmal in vier Räumen statt. Bernhard Löwenstein (javatraining.at), der als ehrenamtlicher Obmann des gemeinnützigen Instituts zur Förderung des IT-Nachwuchses sonst Kindern spielerisch das Programmieren beibringt, leitete den LEGO-MINDSTORMS-Workshop, der dieses Mal unter dem Motto „Real Steel“ stand. Ziel war es, einen Roboter zu bauen, ihn in Java zu programmieren und in einem Duell den Gegner aus dem Ring zu befördern. Mit etwa 90 Teilnehmern, verteilt auf 16 Teams, tüftelten fast doppelt so viele JAX-Besucher an Robotern wie auf der W-JAX. Das Siegerteam durfte sich über Freikarten für die Internet of Things Conference in Berlin freuen. Eine umfassende Bilddokumentation des Roboter-Workshops findet sich auf der Facebook-Seite des Instituts zur Förderung des IT-Nachwuchses.

Bernhard Löwenstein. Auf dem Tisch die beiden NAO-Roboter "Frank" und "Naomi"

Mitfiebern beim Roboter-Duell

Adam Giemza und Sven Manske (beide von der Universität Duisburg-Essen) präsentierten einen mit Kameras und Gesichtserkennungssoftware ausgestatteten AR.Drone-Quadrokopter, der einer Person, einmal erkannt, auf Schritt und Tritt folgt.

Adam Giemza, Sven Manske bei der Quadrocopter-Demo

Wie auf der MTC Spring war auch „Sharky“ wieder mit von der Partie, ein fliegender Helium-Hai, der mit einem ganz eigenen Technologie-Mix gesteuert wird, darunter OSGi, ein Vaadin-UI, Eclipse Paho (MQTT-Client-Referenzimplementierung), ein 3D-Sensor, drei BeagleBones, das Eclipse-Mihini-Framework, die Programmiersprache Lua und ein Arduino-Board. Der exzentrische Luftikus mit dem grimmigen Blick war auch dieses Mal wieder ein Publikumsmagnet.

Sharky, der erste fliegende Hai

Einen „Internet of Things Hackerspace“ mit diversen „Dingen“ leitete Stephen Chin (Oracle), der auch in seiner Nachmittags-Session schon ein ganzes Arsenal an Java-SE-8-fähigen Geräten und Spielereien präsentiert hatte, darunter der legendäre „LEGO-Duke“ (das Oracle-Maskottchen als LEGO-Figur), das Dukepad mit einem JavaFX8-Spiel sowie iOS-Geräte und Wearables. 

Stephen Chins IoT-Hackerspace

Chins Message war deutlich und fügt sich in die „Java-everywhere“-Vision: Java hat einen festen Platz im IoT eingenommen.

So gesehen ist es nur logisch, dass das IoT mittlerweile ein genauso fester Bestandteil der JAX ist.

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