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15 Jahre Apache Software Foundation: Gemeinschaft über Code

Michael Thomas
© Shutterstock/Rene Jansa

Der erste Teil der Artikelserie zum 15. Geburtstag der Apache Software Foundation (ASF) hatte deren Arbeitsweise und Organisationsstruktur zum Inhalt, im zweiten Teil wurden Finanzierungskonzept und Ausgabenstruktur erläutert. Im dritten und letzten Teil beschäftigt sich der leitende Vizepräsident der Stiftung Rich Bowen nun mit seinem Lieblingsmotto: „Gemeinschaft über Code“.

Das Herz der ASF

Denn die Community ist das Herzstück der ASF. Natürlich ist der Code der eigentliche Daseinsgrund der Community, ohne ihn würde sie gar nicht erst existieren. Allerdings drückt das Motto aus, wie es um die Prioritäten bestellt ist bzw. wie sich die Mitglieder der Gemeinschaft sehen: Als eine gesunde Gemeinschaft, die wichtiger ist als guter Code.

Veranschaulicht wird dies durch ein Beispiel von Brian Behlendorf, dem Gründer des Apache Web Server-Projekts: Sollte guter Code aus welchen Gründen auch immer verloren gehen, so kann eine lebendige Community ihn problemlos neu erschaffen. Krankt die Community jedoch, wird über kurz oder lang auch der Code auf der Strecke bleiben.

Im Mittelpunkt einer gesunden Community steht dabei die Philosophie der gemeinschaftlichen Entwicklung. Doch wie gestaltet sich eine Community, in der die Gemeinschaft einen höheren Stellenwert einnimmt als der Code, den sie produziert, in der Praxis?

Rüpel raus!

Ein einfaches Beispiel: Man stelle sich einen Star-Programmierer vor, der zwar ausgezeichneten Code schreibt, jedes andere Projektmitglied jedoch wie einen Idioten behandelt. Zwei mögliche Folgen wären denkbar. Erstens: Viele Mitarbeiter verlassen das Projekt, weil sie dieses Verhalten auf Dauer nicht ertragen. Zweitens: Die Mitarbeiter passen ihr Verhalten an; werden selber zu Rüpeln, was den Entfremdungsprozess beschleunigt und schlussendlich dazu führt, dass sich niemand mehr freiwillig an dem Projekt beteiligen möchte.

Zudem werden derart feindselige Communities von Firmen im Zweifelsfall als schlechtes Investment eingestuft und übergangen. Ein nicht zu unterschätzender Nachteil: kommerzielle Unternehmen sind eine wichtige Stütze der ASF, sei es in ihrer Rolle als Sponsor, als Nutzer der Software oder – durch die Freistellung von Mitarbeitern – als direkt am Entwicklungsprozess Beteiligter.

Vorteile der Kooperation

Der Wert einer gesunden Gemeinschaft besteht also in mehr als einem guten Gefühl. Eine gesunde, vielfältige und respektvolle Community ist ein Garant für Wachstum, Stabilität und finanziellen Erfolg der Unternehmen, die das jeweilige Projekt als Basis für eigene Technologien nutzt, weshalb die ASF bei Aufnahme eines neuen Projekts auch besonderen Augenmerk auf diese Tugenden legt. Gleiches gilt für die monatlichen Projektberichte: Der Bewertung der Community wird darin eine deutlich prominentere Rolle zuteil als dem technischen Fortschritt.

Der Gedanke der gemeinschaftlichen Entwicklung reicht gar so weit, dass Unternehmen, die auf dem freien Markt in scharfer Konkurrenz zueinander stehen, im Rahmen eins ASF-Projekts die harten Bandagen komplett ablegen. Die Open Source-Entwicklung ist somit eines der wenigen Beispiele, in denen das Konzept des Kooperationswettbewerbs in die Tat umgesetzt wurde. Stellt also vielleicht auch hier die IT wieder einmal die Weichen für die Zukunft, für einen Paradigmenwechsel? Die Zeit wird es zeigen.

Aufmacherbild: Many candels in birthday cake von Shutterstock / Urheberrecht: Rene Jansa

Geschrieben von
Michael Thomas
Michael Thomas
Michael Thomas studierte Erziehungswissenschaft an der Johannes Gutenberg-Universität Mainz und arbeitet seit 2013 als Freelance-Autor bei JAXenter.de. Kontakt: mthomas[at]sandsmedia.com
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