10 Kommunikationsprobleme in Entwickler-Teams

Judith Lungstraß

(c) Shutterstock / Ellagrin

Das Bild vom einsamen Software-Entwickler, der in seinem abgedunkelten Schlafzimmer programmiert und dabei Unmengen an Pizza, Chips und Cola verschlingt, gehört mehr und mehr der Vergangenheit an. Realität ist heute auch im Bereich Software-Entwicklung die Teamarbeit.

Doch sobald ein Team aus mehr als nur einer Person besteht, fangen die ersten Probleme an. Der kann nicht mit dem, dieser Entwickler hat andere Vorstellungen als jener, und allgemein scheint man prinzipiell aneinander vorbei zu reden, wobei eine Unmenge an Zeit verloren geht.

Die Lösung für diese Probleme? Richtig, Kommunikation! Doch leider scheinen viele Entwickler auch heute noch ihrem verloren gegangenen Image nachzutrauern und geben sich als Einzelgänger. So treten in Entwickler-Teams häufig Kommunikationsprobleme auf. Die zehn bedrohlichsten darunter hat John Mueller in seinem Blog zusammen gestellt:

1. Fehlende Kommunikationsziele

Unterhaltungen und Meetings schwenken oft ohne wirkliche Zielsetzung von Thema zu Thema. Doch um Kommunikation effektiv zu gestalten, braucht sie ein Ziel. Das kann sein, über die Anforderungen der Anwendung zu informieren, Engagement für das Projekt zu erzeugen oder einfach nur verschiedene Meinungen zu einem Thema zu sammeln und sich anschließend auf eine zu einigen.

2. Vielfalt der Gruppe

Eine Gruppe besteht aus Menschen mit unterschiedlichen Interessen, Fähigkeiten und Erfahrungen – ja, manchmal genügt schon die Verwendung einer anderen Programmiersprache, um die Kommunikation zwischen mehreren Entwicklern unmöglich zu machen. Da Vielfalt Probleme hervorrufen kann, sollten in einem Team stets die zweifelsohne vorhandenen Gemeinsamkeiten betont werden.

3. Interne Rivalitäten

Machtkämpfe gibt es in jedem Team, denn um zusammen arbeiten zu können, muss jeder einen Teil seiner Autonomie und Macht abgeben – und wer tut das schon gerne? So hat Kommunikation oft nicht zum Ziel, effizient das Projekt voran zu bringen, sondern die eigene Stellung zu festigen. Um das zu vermeiden, sollte das Management hin und wieder einschreiten und eine Gewaltenteilung regelrecht erzwingen.

4. Unentschlossene Kunden

Oft wissen Kunden nicht genau, was sie wollen, oder halten bestimmte Auffassungen für selbstverständlich, über die sich die Entwickler keineswegs im Klaren sind. Doch wie soll ein Entwickler vernünftig arbeiten, ohne dass er weiß, auf welches Ziel seine Arbeit eigentlich hinaus läuft? Kunden jedenfalls sollten ihre Anforderungen und Wünsche so klar wie nur irgend möglich formulieren und so auch zum Ausdruck bringen.

5. Unterschiedliche Sichtweisen

Zu Beginn eines Projektes herrschen naturgemäß verschiedene Meinungen über die Lösungen, welche eine Anwendung bringen soll. Im Laufe des Projektes sollten jedoch jegliche Unklarheiten verschwinden, und eine gemeinsame Vision sollte entstehen. Um das zu bewirken, sind visuelle Methoden gut geeignet – abstrakte Ideen lassen sich am besten mit Hilfe von Bildern darstellen.

6. Vergeudete Zeit

Manche Entwickler sind der Meinung, dass ein Projekt nur dann rechtzeitig fertig werden kann, wenn man entwickelt anstatt zu reden. Und tatsächlich ist ein Großteil der durchgeführten Meetings ineffizient. Man sollte sich einmal Gedanken darüber machen, öfter mal den Instant Messenger, E-Mails oder ein unternehmenseigenes Wiki zu benutzen, bevor man ein Meeting einberuft.

7. Steife Kommunikation

Um wirklich effizient zu werden, muss Kommunikation demokratisiert werden: Jeder sollte das Recht und auch die Möglichkeit dazu haben, Ideen beizutragen. Geschieht das nicht, haben einige Mitarbeiter den Eindruck, dass ihre eigenen Wünsche im finalen Produkt nicht berücksichtigt wurden. Die Balance zwischen Anonymität und dem Übernehmen von Verantwortung ist in diesem Zusammenhang eine Herausforderung, die erst einmal bewältigt werden muss.

8. Wünsche und Notwendigkeiten

Notwendigkeiten braucht ein Produkt auf jeden Fall, Wünsche gelten als Bonus. An einem gewissen Punkt der Software-Entwicklung ist es wichtig, Wünsche beiseite zu stellen und sich ausschließlich um die wirklichen Anforderungen zu kümmern. Übrigens sollte man auch aufpassen, diese beiden Kategorien nicht zu verwechseln.

9. Ineffektives Feedback

Entwickler sind oft zu nah am Produkt, um es wirklich beurteilen zu können – aus diesem Grund sind ihre Tests nicht repräsentativ und ihr Feedback ineffektiv. Stattdessen sollte man die Nutzer, die später auch mit der entwickelten Software agieren werden, als Tester gewinnen. Ihr Feedback ist am effektivsten, da es der Realität am nahesten kommt.

10. Fehlendes Engagement

In jeder Gruppe gibt es einige Mitglieder, die sich von den anderen tragen lassen. Sie geben vor, ein vollwertiges Mitglied zu sein, tragen im Grunde genommen aber nie etwas bei und hören teilweise nicht einmal zu – so schlägt die Kommunikation mit ihnen fehl. Um das Problem zu lösen, muss Engagement geschaffen werden, im Zweifelsfalle durch Bonus-Aktionen.

Kommen Ihnen diese Kommunikationsprobleme bekannt vor? Oder sehen Sie einige Punkte darunter nicht als Problem?

Aufmacherbild: Vector. Mind Map Illustration von Shutterstock / Urheberrecht: Ellagrin

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Judith Lungstraß
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