Karrieretipps der besonderen Art

10 Karrieretipps: Wie Ego-zentrisches Programmieren hilft, sich im Job zu behaupten

Hartmut Schlosser
©Shutterstock/ DrimaFilm

Wer als Entwickler Karriere machen möchte, steht vor einem Problem: In Zeiten von Agile, DevOps und verteilten Versionskontrollsystemen verschwimmt die Leistung des Einzelnen immer mehr im Kollektiv. Geschafft hat es schließlich das Team, die Mannschaft, die Abteilung, und die Beförderung geht dann allenfalls wieder mal an den Team-Leiter, der am wenigsten mit dem Erfolg des Projektes zu tun hatte.

„Vergessen Sie das eigene Ego nicht“, lautet deshalb die Devise dieser Folge der Karrieretipps. Am besten, Sie nehmen sich die folgenden 10 Gebote des Ego-zentrischen Programmierens zu Herzen, mit denen Sie weiter kommen werden als mit blutleerer Selbstlosigkeit:

1. Du bist der beste.

Gehe immer von der Prämisse aus, dass du der beste Programmierer im Unternehmen bist. So strahlst du Selbstbewusstsein aus und baust dir mit der Zeit einen Club von Bewunderern auf. Glücklicherweise ist die IT so komplex, dass man eigene Fehler immer auf andere schieben kann.

2. Dein Code bist du.

Wenn ein Kollege dennoch einen Fehler von dir im Code erkennt, nimm es erstmal hin – sicher war es ja nur ein Flüchtigkeitsfehler. Stelle den Kollegen aber auf jeden Fall nach Feierabend zur Rede und frage, ob er persönlich etwas gegen dich hat.

3. Coole Programmiertricks sind geheim.

Je mehr coole Programmiertricks du kennst, desto angesehener bist du im Entwickler-Kollektiv. Weise immer mal wieder auf deine Magie hin, enthülle sie aber niemals ganz. Und vor allem: Frage niemals nach den Tricks der anderen, denn du würdest dich selbst erniedrigen.

4. Rambo-Mentalität.

Wer im Alleingang die neue Software-Komponente über Nacht programmiert, ist der Held. Code-Review-Systeme oder Pair Programming sind für Anfänger und schaden deinem Ruhm.

5. Wissen ist Macht.

Lass es Leute, die weniger wissen als du, immer spüren, dass du überlegen bist – am besten in Anwesenheit eines Vorgesetzten.

6. Der schnelle Erfolg zählt.

Wer die Software-Komponente am schnellsten fertigstellt, hat gewonnen. Verschwende also niemals Zeit mit Dingen wie Modularität, Flexibilität, Wartbarkeit – wenn die Software nicht mehr passt, weil sich die Anforderungen geändert haben, ist es ja nicht deine Schuld.

7. Autorität kommt nicht vom Programmieren.

Autorität kommt von deiner Position im Unternehmen, nicht von deinem Können. Wenn du es vom Entwickler endlich zum Team-Leiter oder Manager geschafft hast, musst du dich ohnehin um andere Dinge kümmern, als ständig fit im Programmieren zu bleiben.

8. Akzeptiere niemals eine Niederlage.

Niederlagen sind keine Option. Wenn deine Ideen im Team-Meeting überstimmt werden, steht dir eine wunderbar reiche Palette an versteckten Sabotage-Aktionen zur Verfügung. Mit etwas Glück kommen Probleme auf und du kannst triumphieren: „Ich habe es Euch doch gleich gesagt!“

9. Bleibe in der Entwickler-Kaffeeküche.

Verirre dich niemals lange in andere Abteilungen des Unternehmens. Deine Entwickler-Kollegen würden dich sofort als Verräter abstempeln. Andere Abteilungen sind der Entwickler-Elite ohnehin hoffnungslos unterlegen.

10. Nutze Bugs als Gelegenheit.

Fehler im Code sind immer eine willkommene Gelegenheit, den Urheber des Fehlers zu kritisieren. Mit etwas Übung werden dir Sätze wie „Typisch X – der hat wieder mal die Variablennamen vertauscht“ bald in Fleisch und Blut übergehen.

Lassen Sie sich also nicht beirren vom derzeit herrschenden Geist der selbstlosen Teamarbeit, wie ihn Agile- oder DevOps-Evangelisten predigen. Und wenn Ihnen jemand mit Gerald M. Weinbergs Zehn Geboten für ein Ego-loses Programmieren kommt, dann halten Sie ihm entgegen, dass diese schon 1971 aufgestellt wurden und deshalb natürlich völlig veraltet sind!

Welche Ego-Programmiertechniken können Sie empfehlen?

Aufmacherbild: „Me“ written in red on a big white board von Shutterstock / Urheberrecht: DrimaFilm

Geschrieben von
Hartmut Schlosser
Hartmut Schlosser
Content-Stratege, IT-Redakteur, Storyteller – als Online-Teamlead bei S&S Media ist Hartmut Schlosser immer auf der Suche nach der Geschichte hinter der News. SEO und KPIs isst er zum Frühstück. Satt machen ihn kreative Aktionen, die den Leser bewegen. @hschlosser
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4 Kommentare auf "10 Karrieretipps: Wie Ego-zentrisches Programmieren hilft, sich im Job zu behaupten"

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Ulf Steinke
Gast

Na ja, die Hälfte von den aufgelisteten Punkten würde ich als "fragwürdig" einstufen.

Christoph Bimminger
Gast

Bitte künftig mit <sarkasmus> </sarkasmus> kennzeichnen, dass es wirklich jeder versteht 😉

Torsten
Gast

Mal nicht funktionierende Ironie-Detektoren sind ja an sich nicht so schlimm, aber dann nur die Hälfte der Punkte als fragwürdig zu beurteilen erschreckt mich dann ehrlich gesagt doch ein bischen 😉

Heiner Kücker
Gast
Mein Kommentar ist wahrscheinlich etwas off topic, weil der Punkt "Gemeinsame Code-Ownership" (als negiert, veralbert) nicht explizit vorkam. Aber eine wichtige Möglichkeit der Produktivitätssteigerung in allen Formen der Arbeit (nicht nur Software schreiben) ist Spezialisierung. Wenn jeder alles tut, kann sich keiner spezialisieren. Es ist durchaus möglich und sinnvoll ökonomisch betrachtbar, dass die Kosten des Wegfalls eines Spezialisten den Produktivitätsvorteil der Spezialisierung übersteigen. Ich glaube aber, dass im Rahmen der Agile-Mode einfach in ein weiteres Extrem gefallen wird. Wasserfall in reiner Form haben sowieso nur Leute mit beschränkter Sicht in reiner Form betrieben, was zum Beispiel im V-Modell gar nicht… Read more »