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Fehler als Bremse und Motor des Joberfolgs

10 Do’s & Dont’s für die Entwickler-Karriere

Ann-Cathrin Klose

© Shutterstock /num_skyman

Wer von Fehlern spricht, meint in unserem Metier meist Bugs im Code. Genau darum soll es heute aber einmal nicht gehen. Wir betrachten die Dinge, die einem die Karriere so richtig verhageln können – so etwas wie fehlende Soft Skills. Aber keine Sorge: Auch das ewige Vorurteil des sozial inkompetenten Informatikers soll hier nicht weiter thematisiert werden. Wie ist es allerdings mit dem „Ja“ und dem „Nein“ gegenüber dem Chef? Was ist richtig? Und wie lassen sich vermeintliche Fehler nutzen, um endlich richtig durchzustarten?

Jeder hat schon einmal einen Job verloren oder sogar selbst gekündigt, weil es karrieretechnisch einfach nicht vorwärts ging. Und auch die Unsicherheit, wohin der berufliche Weg eigentlich führen soll, kennen wohl die meisten Menschen zumindest noch aus grauer Vorzeit (oder der letzten Midlife Crisis). Das alles ist also erst einmal normal.

Trotz großer Jobauswahl im IT-Bereich haben viele Menschen aber dauerhaft mit solchen Problemen zu kämpfen und wissen einfach nicht so recht, wie sie ihre Karriere in Schwung bringen können. Das muss nicht sein! Darum folgen nun einige Beispiele für echte Karriere-Killer und deutlich bessere Verhaltensweisen.

Fehler 1: Orientierungslos in die Karriere starten

Wer kein Ziel hat, kommt nirgendwo an. Das ist eine alte Binsenweisheit und doch wahr. Wer seine Karriere nicht plant, kann sich nur treiben lassen. Das mag für Berufseinsteiger noch funktionieren, langfristig gesehen überlässt man die eigene Karriere so aber dem Zufall. Das kann klappen – muss aber nicht.

Besser ist es, sich an den eigenen Traumjob zu erinnern und einmal zu vergleichen, wie nah man diesem eigentlich gekommen ist. Das kann frustrierend sein, am Ende aber auch als guter Antrieb funktionieren. Wer sein Ziel kennt, kann aktiv daran arbeiten es zu erreichen! Soft Skills, neue Programmiersprachen, Open-Source-Erfahrung in der Freizeit: All das kann dabei helfen, sich dem Ziel zu nähern.

Fehler 2: Wessen Ziele?

Wer zum Chef geht und mehr Gehalt verlangt, braucht gute Argumente dafür. Immerhin widersprechen die eigenen Wünsche des Öfteren den Vorstellungen des Chefs. Man will mehr Geld, einen besseren Job und ein größeres Büro. Das Problem daran ist folgendes: Der Chef hört das ziemlich oft und findet das alles erst einmal furchtbar uninteressant. Er weiß eh, welcher Mitarbeiter gute Arbeit leistet. Sich selbst gut zu verkaufen, reicht also nicht für den Karriere-Aufstieg.

Sinnvoller ist es, die Ziele des Teams, des Chefs und des Unternehmens zu kennen und aktiv zu verfolgen. Wer sich dadurch hervortut, sich besonders für das Unternehmen einzusetzen, hat gute Chancen auf die Beförderung. Auch wer sich als Mentor für neue Kollegen hervortut, wird mit Sicherheit eher berücksichtigt als diejenigen, die sich nur um ihre eigenen Ziele kümmern.

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Fehler 3: Job-Hopping

Drei Monate in Projekt A, fünf im Job B, dann geht es weiter nach New York, ein halbes Jahr für einen Global Player arbeiten. Viele junge Menschen haben in der IT die freie Wahl zwischen verschiedenen Jobs und nutzen das, um alles einmal auszuprobieren. Das ist für eine Weile auch in Ordnung; auf lange Sicht werden zu häufige Jobwechsel aber doch zum roten Tuch für Arbeitgeber. Und das ist dann ein Problem, wenn man sesshaft werden will.

Also lohnt es sich, auch einen weniger spannenden Job in Erwägung zu ziehen, der aber eine langfristige Perspektive bietet. Zumindest ein oder zwei Jahre am Stück sollten drin sein. Das bringt viel tiefere Einblicke in Projekte mit sich, die wiederum für Arbeitgeber wichtig sind, wenn es um Positionen mit mehr Verantwortung geht.

Fehler 4: Angst vor Veränderungen

Zwanzig Jahre im selben Job können genau so problematisch sein, wie nur drei Monate. Wer rastet, der rostet! So oder so ähnlich ist es auch mit den Fähigkeiten von Entwicklern. Man merkt einfach, wenn der JavaScript-Code von jemandem geschrieben wurde, der zuvor zehn Jahre lang nur mit Java gearbeitet hat. Das senkt den eigenen Marktwert. Auch die Hoffnung auf eine Beförderung oder Gehaltserhöhung wird irgendwann müßig, wenn es bereits seit vielen Jahren nicht vorwärts ging.

Wann der perfekte Zeitpunkt zum Jobwechsel ist, muss natürlich jeder für sich selbst beantworten. Manche sprechen von vier bis sechs Jahren, andere geben Entwicklern mehr Zeit – am Ende sind sich jedoch die meisten Ratgeber einig: Dann, wenn die eigenen Fähigkeiten optimal auf den Bedarf des Jobs abgestimmt sind, ist es an der Zeit, eine neue Herausforderung zu suchen.

Fehler 5: Nicht spezialisieren

Wer immer dann den Job wechselt, wenn er langsam richtig gut wird, kann in die gleiche Falle tappen, wie diejenigen, die eh ständig neue Jobs suchen. Veränderung ist gut; sie sollte einer Spezialisierung aber nicht im Weg stehen. Während es unmittelbar nach dem Studium sinnvoll ist, sich fachlich breit aufgestellt zu präsentieren, wird die Konkurrenz an Kollegen mit dem gleichen (flachen) Profil mit den Jahren nur größer.

Eine Nischen-Thematik ist natürlich der kürzeste Weg zur größtmöglichen Spezialisierung. Nicht jedem liegt es aber, Haskell zu lernen; auch in Java kann ein eigener Schwerpunkt gesetzt werden. Über den Tellerrand zu schauen ist gut, darf aber nicht übertrieben werden.

Fehler 6: Kommunikation: „Ja“ oder „Nein“?

Für den eigenen Status innerhalb eines Unternehmens kommt es sehr auf das Kommunikationsverhalten an. Man sagt nicht einfach „nein“, wenn der Chef mit einer wichtigen Aufgabe daher kommt! Zu unmöglichen Projekten „ja“ zu sagen, schadet dem eigenen Ruf aber auch mehr als alles andere.

Hier ist Fingerspitzengefühl gefragt. Das Wort „nein“ ist in vielen Fällen natürlich zu direkt, aber man könnte ja darauf hinweisen, dass man viel anderes zu tun hat und fragen, welches Projekt Priorität hat. Das zeigt die eigene Motivation und gleichzeitig den Konflikt auf, ohne dem eigenen Ruf zu schaden. Manchmal braucht es aber auch den Mut zu einer klaren Aussage, auch wenn das meist als Fehler gilt: „Das müssen wir anders machen“ kommt auf lange Sicht besser an als ein gegen die Wand gefahrenes Projekt.

Fehler 7: Beförderungen: Pro und Kontra

Die Gerüchteküche behauptet, dass es kaum Entwickler im Alter jenseits der 40 Jahre gibt. Das stimmt so natürlich nicht. Häufig ändert sich allerdings die Berufsbezeichnung im Laufe der Karriere. Unternehmensgründer haben einen anderen Titel als Programmierer; Teamleiter ebenfalls. Wer jedoch nicht für eine solche Rolle geeignet ist, sollte vorsichtig damit sein, eine angebotene Beförderung anzunehmen. Wer eigentlich nur Code schreiben will, tut besser daran, keine Leitungsverantwortung zu übernehmen.

Andererseits will auch eine Ablehnung gut überdacht werden. Wer ein die Chance bekommt, aber nicht nutzt, wird künftig wahrscheinlich übergangen werden. Um das eigene Gehalt dann noch zu steigern, muss schon der Arbeitgeber gewechselt werden. Alternativ kann im Rahmen einer angebotenen Beförderung über das Aufgabengebiet verhandelt werden. Wichtig ist auch zu bedenken, dass auch ein BWL-Studium nicht wirklich darauf vorbereitet, ein Team zu führen. Das lernen die meisten Menschen erst dann, wenn sie es tun. Der Grat zwischen Fehler und mutiger Entscheidung ist hier also schmal – und besitzt keine klare Ausrichtung.

Fehler 8: Gruppenphänomene

Nicht in der Masse zu verschwinden ist wichtig für die gelungene Karriere; Außenseiter werden allerdings auch nicht befördert. Gruppen-Dynamiken können jedoch auch wieder Gift für die Karriere sein, wenn sie sich gegen andere Abteilungen richten: Lästereien und Feindseligkeiten vergiften die eigene Einstellung, obwohl sie das Zusammengehörigkeitsgefühl einer Gruppe stärken.

Jeder, der auf den Karrieresprung hofft, sollte darum sehr auf die eigenen Aussagen achten. Auch dann, wenn sie nur intern getroffen werden, spiegelt sich das Gesagte oft im Umgang mit den Kollegen wider – ohne, dass man es selbst bemerkt. Den Anderen fällt es aber auf. Ein Chef, der bemerkt, dass ein Kollege auf Distanz geht, wählt diesen nicht für die Beförderung aus.

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Fehler 9: Die falsche Zeiteinteilung

Überstunden werden vom Chef häufig gern gesehen. In Hinblick auf die eigenen Karrierechancen halten viele Angestellte es darum für klug, ständig im Büro zu sein. Bis spät in die Nacht arbeiten sie durch, um Höchstleistungen zu vollbringen. Das muss aber nicht unbedingt zum Erfolg führen.

Das Problem mit der Zeiteinteilung ist vielschichtig. Einerseits gibt es Situationen, in denen Überstunden dringend nötig sind; dann sollten Angestellte ihre Zeit zur Verfügung stellen. Wer ohne echte Not länger bleibt, kann aber den Eindruck erwecken, dass er seine Zeit nicht gut nutzt. Und der gefürchtete Burnout tritt so unter Umständen sogar noch schneller ein als die erhoffte Beförderung kommt. Das lohnt sich nicht.

Fehler 10: „Das geht nicht“

Erfolg ist schlussendlich eine Sache der Einstellung. Wer auf Fragen von Kunden, Vorgesetzten oder Kollegen mit „das geht nicht“ antwortet, erweckt den Eindruck, dass er bloß nicht will. Immerhin ist es sein Job, eine Lösung zu finden! Wer es nicht erst probiert, kann also nicht besonders motiviert sein, oder? Zumindest sehen viele Vorgesetzte das so. Also ist „ich werde mir das mal ansehen“ die bessere Reaktion, wenn man die Antwort nicht kennt.

Dieser Fehler setzt sich fort, wenn es um die eigenen Karrierechancen geht. Wer damit rechnet, dass er ohnehin nicht mehr befördert wird, erreicht die erhoffte Beförderung tatsächlich nicht; wer nicht glaubt, einen anderen Arbeitgeber finden zu können, wird gar nicht erst auf die Suche gehen. „Das geht nicht“ sollte also auf allen Ebenen aus dem Wortschatz gestrichen werden. Dann klappt es auch mit der Karriere!

Aufmacherbild: silhouette achievements successful arm up man via Shutterstock / Urheberrecht: num_skyman

Geschrieben von
Ann-Cathrin Klose
Ann-Cathrin Klose
Ann-Cathrin Klose hat allgemeine Sprachwissenschaft, Geschichte und Philosophie an der Johannes Gutenberg-Universität Mainz studiert. Bereits seit Februar 2015 arbeitete sie als redaktionelle Assistentin bei Software & Support Media und ist seit Oktober 2017 Redakteurin. Zuvor war sie als freie Autorin tätig, ihre ersten redaktionellen Erfahrungen hat sie bei einer Tageszeitung gesammelt.
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