Aus dem Entwicklernähkästchen

10 + 1 Antworten auf die Frage: Warum ist Java eigentlich immer noch nicht tot?

Hartmut Schlosser

Aus dem Entwickler-Nähkästchen plaudern Java-Entwickler aller Couleur über ihre persönlichen Erfahrungen mit der „beliebtesten Programmiersprache der Welt“. Heute stellen wir die Frage:

Nach so vielen Jahren: Warum ist Java eigentlich immer noch nicht tot?

Java ist ein Dinosaurier. Selbige waren auch nicht für Geschwindigkeit (Ausnahmen bestätigen die Regel) bekannt, dafür existierten sie sehr lange, und man konnte sich darauf verlassen, dass es sie im nächsten Jahr auch noch geben würde. Wenn Java verschwinden sollte, dann mit einem großen Knall! Uwe Sauerbrei (Leader JUG Ostfalen )

Ich denke, die Plattformunabhängigkeit gehört zu einer der größten Stärken von Java, auch wenn einige Schlampigkeiten und Sicherheitslücken (in der Regel im Betriebssystem darunter, siehe Windows oder Mac vs. Linux, wo man praktisch nie von „Java-basierenden Angriffen“ hört) gelegentlich als Schwäche gedeutet werden mögen. James Gosling formulierte es treffend auf der JavaOne 2013, dass Java eigentlich für den „M2M“ Bereich und kleinste Endgeräte, die das „Internet der Dinge“ ausmachen, geschrieben wurde. Große Server oder „Java EE“ seien eher als „Versehen“ entstanden, wenn auch ein sehr lukratives Geschäft für Hersteller inklusive Oracle. Da man sich auf den ursprünglichen Zweck und Ziel von Java nun vermehrt besinnt, sieht es so aus, als würde Java der „Zweite oder Dritte Frühling“ sogar erst noch bevorstehen. Werner Keil (Creative Arts & Technologies) 

Lustige Frage. Nur weil etwas ein paar Jahre schon existiert, heißt es doch nicht, dass es gleich sterben muss. Ich denke, Java ist erwachsen geworden und strotzt momentan nur so vor Kraft und Tatendrang. Ein Seniorendasein kann ich jedenfalls noch nicht feststellen. Andy Bosch (JSF-Academy.de)

Die Sprache Java entwickelt sich kontinuierlich weiter, und Java Enterprise stellt heute eine über ein Jahrzehnt gereifte Plattform dar, auf deren Basis sich recht einfach moderne und skalierende Geschäftsanwendungen entwickeln lassen. Ich kann deshalb keinen Grund erkennen, warum ein Unternehmen das Risiko eingehen sollte, auf eine neue, nicht erprobte Technologie zu setzen. Wie heißt es doch so schön: „Never change a winning team!“ Bernhard Löwenstein (javatraining.at)

Die Frage würde ich ganz gern auch anderen Vertretern der Zunft stellen. Warum ist Cobol noch nicht tot? Oder Delphi? Oder, oder? Wer benötigt das alte Zeug noch? Schließlich ist deren Entwicklung schon vor Ewigkeiten stehen geblieben! 😉

 

Aber im Ernst: Java wird sicherlich in den kommenden Jahren mit der weiteren Diversifizierung der Angebote für Entwickler zu kämpfen haben, vermutlich noch stärker als bisher. Allerdings ist Java mittlerweile ein Dinosaurier und jung gebliebener Partner zugleich. Sicherlich kann Java mit der Dynamik anderer Plattformen nicht immer mithalten. Aber kann ich mich wirklich auf Lösungen verlassen, die oft nur von einer sehr kleinen Anzahl an Entwicklern vorangetrieben werden? Gerade die jüngste Zeit zeigte, dass kleinste politische Verstimmungen auch in OSS-Projekten zu großen Unsicherheiten führen können.

Unsere Kunden haben darüber hinaus oft das Problem, dass sie nicht nur den einen in Deutschland verfügbaren Spezialisten für die Java-Alternative X benötigen, sondern 5, 10 oder 30 gute Entwickler, die Businessanwendungen realisieren. Und hier hat Java nach wie vor ein sehr gutes Standing. Es bleibt aber abzuwarten, wie lange der Entwicklernachwuchs fundiertes Java Know-How vorweisen kann. Aktuell sehe ich da noch keine Gefahr. Jens Schumann (open knowledge GmbH)

Weil es einfach ist, weil es leicht zu erlernen ist, weil es sehr viel Legacy-Anwendungen auf Basis von Java gibt. Aber vermutlich vor allem, weil es die JVM gibt, welche der eigentliche Star ist. Joachim Arrasz (synyx GmbH & Co. KG, @arrasz)

Java ist lebendiger denn je. Nicht nur die Sprache selbst sondern das gesamte Ökosystem. Zugegeben, Java 8 hätte bereits vor zwei Jahren erscheinen müssen. Trotzdem gibt es keine andere Sprache, die es so einfach macht, produktiv zu arbeiten. Und es wird noch besser, wir haben Spring 4.0, JEE 7, (irgendwann) Wicket 7. Und wem das nicht reicht, der kann immer noch mit Groovy ein bisschen „nachwürzen“. Martin Dilger (Effective Trainings & Consulting)

Java entwickelt sich weiter, nicht so schnell wie der eine oder andere gerne hätte, aber wohl richtig für die Industrie. Und nicht zu vergessen: Es macht Spaß, in Java zu entwickeln, denn viele sehr gute Werkzeuge stehen einem zur Verfügung. Der wichtigste Grund meiner Meinung nach ist allerdings die Verfügbarkeit der JVM auf immer mehr Plattformen. Das in Verbindung mit IoT ist eine sehr spannende Mischung. Sven Rupert (SiteOS AG)

Java ist nicht auf eine bestimmte Nische spezialisiert, sondern heute in allen Bereichen anzutreffen: von der verteilten Enterprise-Anwendung zum Infotainment-System im Auto, von der Batch-Anwendung im Rechenzentrum zum Rich Client auf dem Desktop. Ich glaube, eben weil Java so viele Jahre im produktiven Einsatz auf dem Buckel hat und inzwischen „gut abgehangen“ ist, wird uns die Sprache noch eine ganze Zeit lang begleiten. Florian Thienel (Eclipse Vex Project Lead)

Ich denke, die ganz große Stärke von Java liegt in der Community einerseits, und in dem unglaublichen Universum von Frameworks, Tools und Bibliotheken andererseits. Wer in Java programmiert, kann überall Unterstützung finden und sich mit einer Vielzahl von erfahrenen Entwicklern austauschen. Auch die große Auswahl an bestehenden Lösungen, die als Open Source verfügbar sind, kann nicht hoch genug bewertet werden. Wer außer Java hat das in diesem Umfang zu bieten? Hinzu kommt, dass die JVM ein wirklich ganz hervorragendes technologisches Fundament darstellt.

 

Und was die Sprache selbst betrifft: Obwohl es immer Kritik gegeben hat, hat sich die Zahl der Java-Entwickler nicht verringert. Im Gegenteil. Dabei könnte man doch auf recht einfache Weise auch andere JVM-Sprachen bei der Entwicklung einsetzen, und dennoch auf bestehende, in Java entwickelte Frameworks zurückgreifen. Mein Eindruck ist, dass nur ein kleiner Teil der Teams diesen Weg einschlägt. Weshalb? Vielleicht, weil die Java-Sprache in Wirklichkeit gar nicht so schlecht und unproduktiv ist, wie oftmals behauptet wird. Es kommt eben immer darauf an, welche Art von Anwendung entwickelt werden soll. Und für einen sehr großen Teil der Anwendungen scheint Java offenbar gut zu passen. Thilo Frotscher (Freiberuflicher Softwarearchitekt und Trainer)

 

 

Java ist sehr leicht zugänglich. Damit meine ich nicht nur die Erlernbarkeit der Sprache an sich, sondern vor allem, dass auch relativ unerfahrene Java-Entwickler den Quellcode von Experten in der Regel gut lesen und nachvollziehen können. Einige der oft kritisierten Aspekte von Java, wie die Tendenz zu viel Boilerplate-Code oder der Verzicht auf bestimmte Sprachfeatures, wirken sich hier tatsächlich positiv aus. Patrick Peschlow (codecentric AG)

Geschrieben von
Hartmut Schlosser
Hartmut Schlosser
Hartmut Schlosser ist Redakteur und Online-Koordinator bei Software & Support Media. Seine Spezialgebiete liegen bei Java-Enterprise-Technologien, JavaFX, Eclipse und DevOps. Vor seiner Tätigkeit bei S & S Media studierte er Musik, Informatik, französische Philologie und Ethnologie.
Kommentare
  1. Jadehase2013-12-23 20:29:59

    Java ist so gut wie tot. Das hat nur noch nicht jeder bemerkt. Derzeit fehlt noch ein ernstzunehmender Nachfolger.

  2. Atari Man2014-01-10 14:44:00

    Java hat längst die kritische Masse überschritten. So wie Cobol. Beides sind Dinosaurier, die nur noch durch einen Meteoriteneinschlag ausgerottet werden können.

    Nein, der Grund sind nicht mit tollen Fremdwörtern gespickte hochfilosofische Paradigmen-Betrachtungen.

    Grund ist der schnöde Mammon, die "was krieg ich für mein Geld"-Mentalität der Quartalszahlen-Anbeter und Buchhalter. Kein Firmenmanagement rückt das Budget raus, um einen riesigen Softwarebestand in einer "modernen" Sprache neu zu programmieren.
    Und falls doch mal: wenn man nach Jahren und vielen Millionen Euros allen Code in der supersexy neuen Sprache neu geschrieben hat, ist diese auch schon wieder veraltet, und man kann mit der Noch-toller-Sprache wieder von vorn anfangen.

    Und wenn schon Filosofie:
    Ich glaube man kann in jeder Sprache übersichtlich und strukturiert programmieren.
    Und man kann in jeder Sprache solchen Schrottcode erzeugen, dass ihn keiner mehr versteht.

  3. Harry2014-10-23 08:44:21

    Na ja, leider verlangen manche Tools, teilweise sogar Banksoftware, dieses Java. Aus meiner Sicht kann ich nur sagen Java ist sch.... schlecht ;) und sollte von Firmen nicht mehr genutzt werden wenn möglich!

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