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Der Heilige Krieg des guten Programmierens... - oder ob Entwickler ein Beruf oder eine Berufung ist

Der Heilige Krieg des guten Programmierens... - oder ob Entwickler ein Beruf oder eine Berufung ist

Hartmut Schlosser

Ein Musiker spielt sein Instrument nicht nur auf der Bühne - in langen Stunden des ausgiebigen Trainings hat er vorab alle Details seines Instruments verinnerlicht, hat sich umfangreiche Techniken angeeignet, kennt die Theorie und Geschichte der Musik aus dem Effeff.

Genauso muss ein Entwickler, der seine Profession ernst nimmt und sich als Experte seines Faches verstehen möchte, ständig eines tun: Üben, üben, üben.

So beschreibt Robert Martin (aka Uncle Bob) die eigentliche Grundposition des Manifesto of Software Craftmanship - das Manifest, das in den letzten Tagen kontrovers in der Blogosphäre diskutiert wurde und u.a. von BDD-Erfinder Dan North kritisiert wurde, dass es zuviel Wert auf eine kunstvolle Architektur lege und den Aspekt der Kundenorientiertheit und effizienten Problemlösung vernachlässige.

Martin weist solche Vorwürfe in seinem Blog "Software Craftsmanship: What it's all about" vehement zurück und präzisiert seine Position in klaren Sätzen:

"Wir haben es satt, Schrott zu entwickeln". Für Uncle Bob geht es beim Manifesto of Software Craftmanship nicht darum, den Code ins Zentrum aller Betrachtungen zu rücken und die Geschäftsaspekte und Kundenbeziehungen auszublenden. "Wir sind es schlicht leid, uns selbst und unseren Auftraggebern damit auf die Nerven zu gehen, lausige Software abzuliefern".

Deshalb sollen folgende Tätigkeiten fortan unterlassen werden:

  • Wir liefern keinen schlechten Code mehr ab, nur um Releasepläne einzuhalten.
  • Wir akzeptieren nicht die alte dumme Lüge, die Dinge später einmal ins Reine zu bringen.
  • Wir glauben nicht an die Behauptung, dass schnell auch "unsauber" bedeutet.
  • Wir erlauben es keinem, uns dazu zu zwingen, unprofessionell zu handeln.

Von jetzt an soll hingegen folgende Praxis umgesetzt werden:

  • Wir werden unsere Zeitpläne einhalten - mit dem Bewusstsein, dass "schnell sein" nur auch bedeutet, gut zu sein.
  • Wir werden unsere Kunden zufrieden stellen, indem wir den besten Code abliefern, den wir schreiben können.
  • Wir werden unsere Auftraggeber ehren, indem wir das beste Design abliefern, das wir entwickeln können.
  • Wir werden unser Team ehren, indem wir alles testen, was getestet werden kann.
  • Wir werden bescheiden genug sein, zuerst unsere Tests zu schreiben.
  • Wir werden ständig trainieren und uns weiterbilden, um besser in unserem Beruf zu werden.

Professionellen Entwicklern gehe es nicht darum, nur ein Manifest zu unterschreiben, um sich zu einer elitären Bewegung zu bekennen, wie Dan North in seinem Blogeintrag "Programming is not a craft" kritisiert hatte. Es gehe vielmehr um eine persönliche Einstellung, die darin bestehe, den eigenen Beruf als Software-Entwickler ernst zu nehmen.

It's a promise made to one's self: "I will do a good job. I will not rush. I will write tests. I will go fast by going well. I will not write crap. And I will practice, practice practice so that I can be a professional. Bob Martin

Der Heilige Krieg des guten Entwickelns

Wie schon im Manifest verwendet Robert Martin einen fast schon religiös anmutenden Sprachstil, um die Positionen des Manifests zu verteidigen. Kritisiert wird dieser Stil etwa von Jason Gorman, der sich fragt, ob es wirklich nötig war, einen neuen "Heiligen Krieg des guten Entwickelns" auszurufen. Denn es gehe schließlich allen um das selbe: um die Zufriedenheit des Auftraggebers.

So, enough with the Holy Wars! Let's get on and get better at delivering working software that will satisfy, maybe even delight, our customers. Jason Gorman

Kritisch wird weiterhin angemerkt, dass den guten Absichten des Manifests, sich selbst und seine Einstellung zu seinem Beruf ernst zu nehmen, sicherlich niemand widersprechen wird. Gerade aber diese Allgemeinheit des Manifests eröffne den Raum für Interpretationen und man laufe Gefahr, ungewollt eben doch übergroße Entwickler-Egos heranzuzüchten, die sich in einer Art Selbstverliebtheit als die wichtigste Variable im Spiel verstehen.

But, we know that in anything, from a profession, to politics, to sports, people often will get a cause (or movement) and twist it in absurd ways to convey their egos or wills. lucashungaro

Entwickler - Beruf oder Berufung?

Genauso wie der Musiker sein ganzes Dasein auf seine Kunst und die Musik einstellt - und nicht nur einfach auf der Bühne seinen Job tut - muss auch der Entwickler sich ganz seiner Profession der Softwareentwicklung widmen.

Wie stimmig ist Robert Martins Metapher? Und inwiefern hilft das Manifesto of Software Craftmanship dabei, die Professionalisierung des Entwickler-Berufstandes voran zu bringen?

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