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Entwickler – die stillen Königsmacher

Entwickler – die stillen Königsmacher

Auf der Suche nach einem interessanten Entwickler-Job bringt es die heutige Recruiting-Praxis meist mit sich, einen Marathon an Bewerbungsgesprächen zu bewältigen. Sie kennen das: Man sitzt da einem ganzen Team von Personalveranwortlichen und Abteilungsleitern gegenüber, die einem regelrechte Löcher in den Bauch fragen. „Die Schlacht um die Talente wütet“, heißt es dazu in Politik und einschlägigen Medien, sodass man als Arbeitssuchender den Eindruck bekommt, in den Job-Kreuzverhören übermächtigen Scharfrichtern ausgeliefert zu sein, die über das eigene Schicksal urteilen.

Trainings und Ratgeber, wie man die Fragen der allmächtigen Interviewer beantworten sollte, helfen hier auch nicht wirklich weiter, vermitteln doch auch sie das Bild, man habe als Bewerber allein Rechenschaft über sich, seine Qualifikationen und seine moralische Integrität abzulegen, um sich „des Jobs würdig zu erweisen“. Verunsichert geht man dann ins Gespräch mit der Prämisse im Hinterkopf: „Bloß nichts Falsches sagen!“


Erfrischend ist es daher, den Spieß einmal umzudrehen und sich vor Augen zu halten, dass es in einem Bewerbungsgespräch vor allem auch darum gehen sollte, als Bewerber zu erfahren, ob das Unternehmen bzw. der angestrebte Job zu einem passt.

Auf www.coderslexicon.com hat etwa Blogger Martyr2 acht Fragen zusammengestellt, durch die man mehr darüber erfahren kann, wie ein Unternehmen seine Entwickler behandelt. Scheuen Sie sich also nicht, im Job-Interview die eine oder andere der folgenden Fragen zu stellen:


1.     Was sind die neuesten Entwickler-Tools, die Ihr Unternehmen einsetzt?
2.     Was würden Sie sagen, wenn ich für ein Projekt die neue Sprache X verwenden möchte?
3.     Wie planen Sie Veränderungen an einer Software?
4.     Was unternehmen Sie, um Teamarbeit und die Moral innerhalb des Unternehmens zu fördern?
5.     Bieten Sie Trainings oder finanzielle Unterstützung für Weiterbildungen an?
6.     Was halten Sie selbst von Technologie Y?
7.     Wie legen Sie Konflikte zwischen Programmierern eines Teams bei?
8.     Gibt es einen Feedback-Mechanismus, über den man Verbesserungen im Unternehmen vorschlagen kann?
 
 
In die selbe Kerbe schlägt  Jules Jay Paulynice, der auf seinem Blog der Frage nachgeht, warum die meisten Unternehmen keine „guten“ Programmierer finden. Nun, die Antwort liegt für Paulynice nicht in der Talentknappheit, sondern in der Tatsache, dass viele Unternehmen schlicht keine guten Arbeitgeber für Entwickler sind.
 
"What most of those companies don’t realize is that they can’t attract “good” software engineers because they are not really “good” software companies."
 
Was hier wahrscheinlich noch mehr zum Tragen kommt, ist die Tatsache, dass die meisten Entwickler-suchenden Unternehmen überhaupt keine Software Companies sind und deshalb nur ein bescheidenes Verständnis darüber mitbringen, was Software-Entwicklung überhaupt beinhaltet. Als Entwickler strebt man zudem auch nicht unbedingt danach, langweilige CRM-Systeme für Autohändler totzupflegen...
 
Moral von der Geschicht: Entwickler sind ein kostbares Gut, und mit einem solchen Selbstverständnis sollte man auch auf Jobsuche gehen. Hat ein Unternehmen dies nicht verstanden und behandelt Entwickler immer noch als „Second Class Citizen“, dann sollte man besser die Finger vom angebotenen Job lassen. Denn den Markt durchdringen wird früher oder später die Erkenntnis, die Stephen O’Grady in seinem Buch „The New Kingmakers“ so treffend beschrieben hat:   Es waren Software-Entwickler, nicht die Manager in ihren grauen Anzügen, die in den Unternehmen Technologie-Entscheidungen getroffen und damit marktrevolutionäre Innovation hervorgebracht haben. Entwickler sind keine beliebig austauschbaren Güter – die Gruppe der Entwickler hat sich in den letzten Jahren branchenübergreifend zu einer der signifikantesten Kräfte innerhalb von Unternehmen entwickelt, von der Erfolg oder Misserfolg abhängt.
 
Vielleicht denken Sie ja einmal daran, in Ihrem nächsten Bewerbungsgespräch...

Kommentare

von Jules Jay Paulynice (Unveröffentlicht) am

Hi,

I read your blog and it is fantastic. I agree with you and that's exactly what I meant to say. Most companies aren't good fit for good sotware engineers. You said it much better. Bravo! I can read a little German plus little help from Google Translate.

Jules Jay

von Wolfgang (Unveröffentlicht) am

Stimmt irgendwie. Meine Ex-Arbeitgeber suchten kundenorientierte Entwickler. Kaum war ich eingestellt zeigte sich: das mit der Kundenorientierung war gelogen. Gesucht war in Wirklichkeit ein cheforientierter Entwickler. Der Chef-Entwickler hatte nämlich völlig andere Interessen als der Kunde. Das kann in kleinen Unternehmen natürlich nicht lange gut gehen.....

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