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Braucht die Entwicklerwelt mehr Frauen?

Judith Lungstraß

Der Software-Entwicklerwelt mangelt es an Diversität, besonders Frauen sind hier stark unterrepräsentiert - das ist eine Tatsache. Martin Fowler, renommierter Autor und Vordenker in Sachen IT-Architektur und agiler Software-Entwicklung, stellt sich in seinem Blog Post "DiversityImbalance" die Frage: Ist die Unterrepräsentanz von Frauen - im US-amerikanischen Raum aber auch von Afro-Amerikanern und anderen ethnischen Gruppen - in der Entwicklerwelt ein Problem, welches man beheben sollte, oder könnte man es auch schlicht und einfach so hinnehmen?

Häufig wird der Mangel an Frauen in der Softwarebranche dadurch erklärt, dass diese entweder nicht die Fähigkeiten oder nicht die Neigung zum Programmieren besäßen. Fowler jedoch stellt fest, dass es für diese Argumentation bislang keine stichhaltigen Beweise gibt. Weder belegen Untersuchungen eine biologische Benachteiligung der Frau in Sachen Programmierungsfähigkeiten, noch hat man herausstellen können, dass Frauen keine Ambitionen haben, in der Entwicklerwelt Karriere zu machen.

Andere behaupten, die mathematischen Fähigkeiten von Männern und Frauen seien unterschiedlich stark ausgeprägt, was das weniger starke Interesse und Vermögen von Frauen, in Entwicklerkreisen Fuß zu fassen, bedinge. Die Mathematikerin und Computerwissenschaftlerin Terri Oda widerlegt diese These gleich in doppelter Hinsicht. Zum einen belegt sie anhand wissenschaftlicher Quellen die Ungültigkeit der Annahme, dass Frauen schlechtere Mathematiker seien als Männer. In Wahrheit ist der Unterschied, was die mathematischen Fähigkeiten der beiden Geschlechter angeht, nämlich so gering, dass er ohne Bedenken ignoriert werden kann. Zum anderen merkt sie aber auch an, dass man zum Programmieren gar nicht so ausgeprägte mathematische Fähigkeiten brauche, wie allgemein angenommen. Ein durchschnittliches Talent hierfür sei mehr als ausreichend. Ganz egal, von welcher Seite her man argumentieren möchte: Es steht außer Frage, dass biologische Faktoren keineswegs für die Unterrepräsentanz von Frauen in der Entwicklerbranche verantwortlich zeichnen.

Behauptet man, das schlichte Nichtvorhandensein von weiblichen Entwicklern ist Beweis genug für mangelnde Lust oder Begabung am Programmieren, begeht man den logischen Fehler, von der Wirkung auf die Ursache zu schließen. Wie Fowler scharfsinnig bemerkt, ist es besonders verwunderlich, dass ausgerechnet Programmierer, die im logischen Denken eigentlich geschult sein müssten, für diesen Fehlschluss anfällig sind.

Fowler sieht gute Argumente dafür, das Diversitätsproblem nicht gleichgültig hinzunehmen. Allein schon aus moralischer Sichtweise stehe außer Frage, dass dieses Problem behoben werden müsse. Gehe man davon aus, dass Frauen prinzipiell die gleichen Fähigkeiten besitzen wie männliche Programmierer, so müsse man ihnen auch die Chance geben, ihre Talente auszuleben und in der Entwicklerbranche Fuß zu fassen. Alles andere komme einer Diskriminierung gleich.

Darüber hinaus schade die Verschwendung des möglichen Potentials von weiblichen Entwicklern der Branche. Wie könne man schließlich sagen, man stelle die besten Arbeitskräfte ein, wenn man einen großen Teil der Bevölkerung ignoriert? Softwarefirmen sollten sich, Fowlers Meinung nach, auch einmal Gedanken darüber machen, welche Bereicherungen eine größere Diversität dem Entwicklerteam einbringen kann. Immerhin schlagen Bevölkerungsgruppen mit einer unterschiedlichen Sichtweise auch stets andere Wege vor, Probleme zu lösen und bringen dadurch mehr Innovationen und Effektivität in die Arbeitsgruppe. Und wer weiß - vielleicht könnte ja gerade die weibliche Sichtweise auf ein Problem den entscheidenden Durchbruch bringen?

Obwohl Fowler das altbekannte Frauenproblem in der Entwicklerwelt pointiert darstellt und analysiert, fehlt es ihm doch an einem Lösungsvorschlag. Was könnte man tun, um Arbeitgeber dazu zu bringen, mehr weibliche Entwickler in ihr Team aufzunehmen? Die Relevanz des Problems steht schon lange außer Frage - mittlerweile geht es nur noch darum, eine Lösung zu finden.

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