JAXenter.de

Das Portal für Java, Architektur, Cloud & Agile
X

W-JAX Countdown: Alle Infos zu W-JAX und Business Technology Days!

Knigge für Softwarearchitekten

Autor: 
Peter Hruschka und Gernot Starke
Verlag: 
entwickler.press
Erschienen: 
2012
Seiten: 
180
Preis: 
12,90 Euro
ISBN: 
978-3-86802-080-9

Das Wort "Knigge" ruft automatisch Assoziationen mit Tischmanieren und anderen gesellschaftliche To-dos hevor: Freiherr Adolph Knigge hat uns im 18. Jahrhundert Benimmregeln beschert, die auch heute noch gerne zitiert werden und Gültigkeit haben. Was aber hat das mit Softwarearchitekten zu tun, mag man sich fragen. Nun, laut den Autoren des vorliegendes Buches sollten gewisse Dos und Don'ts, wie Knigge sie einst beschrieben hat, auch in der Softwarearchitektur eingehalten werden.

So sichert man nicht nur ein gutes Miteinander in Projekten, sondern auch daraus resultierende Systemqualität. Anders als der Freiherr beleuchtet das Autorenduo sowohl gutes als auch schlechtes Verhalten von Softwarearchitekten. So werden im Wechsel Architektentypen und Verhaltenmuster positiver und negativer Art vorgestellt. Während Verantwortungsbewusstsein und Kommunikationsfähigkeit den Erfolg vorantreiben, sind allzu starres Beharren auf Prinzipen und Ignoranz Indikatoren für potenzielles Scheitern.

Der "Proaktive" ist etwa ein Architekt, der alle Projektbeteiligten einbindet, Initiative übernimmt und den Überblick über Chancen und Risiken behält. Im "Elfenbeinturm" werden hingegen "im stillen Kämmerlein" Ideen ausgebrütet, denen es an Alltagstauglichkeit fehlt. Als optimale Perspektive beschreibt das Autorenduo die "Bausteinsicht": Von der Totalen bis ins kleinste Detail kann ein guter Softwarearchitekt durch das Dickicht komplexer Strukturen zoomen, Abläufe in ihrer Ganzheit betrachten und einzelne Einflussfaktoren berücksichtigen.

Ein Desaster droht wiederum, wenn ein Architekt allzu besserwisserisch und bevormundend über sein Projekt regiert, seinen Mitarbeitern Begründungen schuldig bleibt und ignorante Entscheidungen im Alleingang trifft- der Boykott eines solchen "Diktators" lässt dann unter Umständen nicht lange auf sich warten.

Doch: "Auch Architekten sind Menschen". Die Autoren gestehen der Berufsgruppe zu, dass Entscheidungen oft aus einem bewährten Bauchgefühl und Erfahrungswerten getroffen werden, die nicht immer formal begründbar sind. Es gilt also, stets eine Balance zwischen klarer Ansage und offener Diskussion zu finden − was zugegebenermaßen ein Drahtseilakt sein kann.

Das vorliegende Buch bietet Softwarearchitekten die Möglichkeit zur kritischen Selbstreflexion. Fehler werden aufgezeigt und Fingerzeige in die richtige Richtung gegeben. Projektbeteiligte hingegen gewinnen einen Einblick in die Berufsanforderungen von Softwarearchitekten und somit womöglich ein besseres Verständnis. Insgesamt liefert das vorliegende Buch Ansatzpunkte für eine konstruktive Diskussion aller Beteiligten in Softwareprojekten, um künftig gemeinsam und in gegenseitigem Verständnis an "guter Software" zu arbeiten.

Kommentare

Ihr Kommentar zum Thema

Als Gast kommentieren:

Gastkommentare werden nach redaktioneller Prüfung freigegeben (bitte Policy beachten).