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W-JAX-Countdown heute: Stefan Zörner über zeitgemäße Architekten und Architekturen.

Interview mit Marc Gille

Eclipse Kepler Highlights: BPM Suite Stardust

Marc Gille

Eclipse Stardust ist eines der vier neuen Projekte, die im Eclipse Kepler Release Train dabei sind. Stardust liefert eine Process Management Engine, Entwickler-Werkzeuge sowie eine Modellierungsumgebung für BPM-Applikationen; zudem wird ein Web Portal für die Browser-basierte Ausführung sowie eine Eclipse BIRT-Komponente für Monitoring und Reporting mitgeliefert. Wir sprachen mit Marc Gille über Geschichte und Geschichten rund um Eclipse Stardust.

JAXenter: Eclipse Stardust ist eines der neuen Projekte in Eclipse Kepler. Auf der Kepler-Seite wird es sogar als eines der Highlights des Release-Trains hervorgehoben. Dabei ist Stardust alles andere als ein junges Projekt. Welche Geschichte hat Stardust schon hinter sich?

Marc Gille: Stardust ist eigentlich ein 13 Jahre altes Produkt. Seine Wurzeln hat Stardust in der CARNOT Process Engine der Frankfurter CARNOT AG, die Michael Johann und ich im Jahr 2000 gegründet haben. Die CARNOT Process Engine hat sich dann bis 2006 einen guten Namen hauptsächlich im deutschsprachigen Raum gemacht und eine gewisse Verbreitung auch in unternehmenskritischen Anwendungen, z.B. bei der Dresdner Bank, erreicht. Ende 2006 wurde die CARNOT AG durch das amerikanische Unternehmen SunGard übernommen, das Produkte und Dienstleistungen im Finanzbereich liefert. Bei SunGard wurde die CARNOT Process Engine zur Infinity Process Platform und damit zum Kernstück von SunGards Techhnologieplattform Infinity. Die Infinity Process Platform ist heute Bestandteil von über 60 SunGard-Produkten und -Lösungen und ist weltweit in über 1.600 Installationen teilweise mit Tausenden von Benutzern, Millionen Prozessinstanzen und Hunderttausenden von Dokumenten pro Tag im Einsatz. Wir haben sogar Benchmarks zu Niedriglatenzanwendungen durchgeführt und Durchsätze von Tausenden von Prozessinstanzen pro Sekunde gemessen. Wir haben die Funktionalität von Stardust im Laufe der Jahre also durchaus signifikant erweitert und seine Architektur ständig auf dem neuesten Stand der Technologie gehalten.

JAXenter: Warum der Gang zu Eclipse?

Marc Gille: Die Infinity Process Platform ist für SunGard primär keine Umsatzquelle (obschon wir Wartungsverträge anbieten), sondern eine technologische Basis und Notwendigkeit. Wir wollen hierbei unsere Technologie mit einer möglichst großen Gemeinde von Nutzern und Entwicklungspartnern teilen und es so möglichst einfach machen, SunGard-Produkte ohne Herstellerbindung bei der Technologieplattform zu nutzen. Daher setzen wir, wo immer dies möglich ist, auf Industriestandards (z.B. Java, HTML5 oder BPMN2) und haben uns entschieden, die gesamte Codebasis der Infinity Process Platform über die Eclipse Public License und innerhalb des Eclipse-Ökosystems bereitzustellen.

JAXenter: Wie unterscheidet sich Stardust von anderen BPM Suites wie Activiti, Camunda BPM oder Bonitasoft?

Marc Gille: Kurz gesagt: Stardust ist reifer, funktional breiter und erheblich mehr industrieerprobt und –verbreitet als alle diese Projekte. Außerdem ist Stardust durch die Koexistenz als Technologieplattform eines Großunternehmens einerseits und als Open-Source-Plattform andererseits deutlich investitionssicherer als die genannten Systeme. Allein die Odyssee von Tom Baeyens von jBPM zu Activiti und dann weiter zu Effektiv zeigt die Volatilität der betreffenden Organisationen. Wer garantiert mir, dass die wenigen Protagonisten vorstehender Projekte im nächsten Jahr noch an diesen Projekten arbeiten werden?

JAXenter: Welche Java-Technologien stecken unter der Haube von Stardust?

Marc Gille: Wir setzen, wo immer dies möglich ist, auf Standards. Die eigentliche Engine arbeitet potentiell auf jeder relationalen Datenbank mit hinreichenden Transaktionsmechanismen sowie jedem Application Server/Web Application Server mit EJB oder Spring-Unterstützung. Eclipse-seitig sind wir Kernbestandteil von Kepler und integriert mit dessen Kernkomponenten. Auf der Portalseite setzen wir historisch auf JSF, migrieren aber zurzeit komplett auf HTML5. Für eine leistungsfähige Mandantenfähigkeit verwenden wir OSGi. Integrationskomponenten beziehen wir von Apache Camel.

JAXenter: Zielt Stardust auf bestimmte Branchen ab?

Marc Gille: Überhaupt nicht. Durch unsere Historie haben wir zwar eine starke Verbreitung im Finanzdienstleistungsbereich, ebenso gibt es jedoch Anwendungen z.B. im Transportwesen (Deutsche Bahn) oder bei den Schweizer Behörden. Prozessunterstützung und –optimierung ist einfach ein generelles Thema, was uns auch die nächsten Jahre noch branchenübergreifen beschäftigen wird.

JAXenter: Interessant ist meiner Meinung nach auch die Browser-Komponente: Stardust wird mit Orion 3.0 integriert. Könnt ihr uns dazu noch ein paar Worte erzählen?

Marc Gille: Wir sehen einen starken Trend in Richtung web-basierte Entwicklung und Konfiguration – auch getrieben durch Cloud-Ansätze, gemäß der Orion-Direktive „Development for the Web on the Web“. Daher stellen wir Komponenten wie Prozessmodellierung, Regeldefinitionen, Datenmodellierung, Scripting, Reportdefinitionen, Test, etc. zusätzlich zu den entsprechenden Eclipse-Komponenten auch im Browser bereit und integrieren diese Funktionalität mit Orion.

JAXenter: Vielen Dank für dieses Gespräch!

Dr. Marc Gille ist Mitgründer der CARNOT AG und Vater der CARNOT Process Engine. Bei SunGard ist er für die Infinity Process Platform verantwortlich. Er ist Project Lead für Stardust und leitet ebenso das SOA Platform Project in Eclipse.

 

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